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Schneeelfen

Von tastifix Samstag 05.11.2022, 18:32

Jene Welt war eine besondere, eine Märchenwelt voller Freude. Dort lebten Elfen, zierliche Naturgeister, deren filigrane Flügel zarte Farben trugen. In unserer Fantasie meinten die Menschen ihren feinen Gesang zu hören und sie schwebend, im charmanten Reigen, über kunterbunte Blumenwiesen tänzeln zu sehen. Elfen waren sehr liebe Wesen, die gute Menschen sehr mochten ...

Selbst des Winters waren Einige unterwegs, anstatt lieber im gemütlich warmen Elfenschloss tief im Berg sehnsüchtig auf den Frühling zu warten. Nein, Schneeelfen schwärmten für Kälte und besonders für den Schnee. In winzigen Schneeflockenanoraks und mit weißen Stiefeln an den Füßen tänzelten sie durch die verzauberte Landschaft. Ab und an ielten sie inne, flirrten dann hoch in die Luft bis in die Wipfeln der Bäume. Dort ruhten sie sich auf der glitzernden weißen Decke eines Astes aus und schauten von oben uns Menschen zu.

So auch an jenem Tage, an dem etwas Besonderes geschehen sollte. Überall tollten Kinder übermütig herum, rodelten die Anhöhen hinunter,veranstalteten Schneeballschlachten oder bauten fantasievolle Figuren. Manchmal entstanden richtige Schneefamilien: Mütter mit breiten Strohhüten auf dem Kopf, einem weiten Kleid und ab und an sogar einem bunten Perlenarmband um den Arm. Väter mit schwarzen Zylindern und Krawatten aus Stöcken, dazu noch einen langen Wanderstab in der einen Armbeuge. Dem Schneenachwuchs modellierten die Kinder entweder Kleider für die Mädchen und Hosen für die Buben. Auch die Erwachsenen freuten sich an dem lustigen Treiben. Der Alltag war vergessen.

In einem Haus am Fuße einer solchen Anhöhe ging es leider eher traurig zu. Die Tochter der Besitzer jenes Heims lag seit Wochen krank danieder und war gar zu schwach, um an das breite Fenster treten und sich die weiße Pracht auch einmal ansehen zu können. Geknickt lauschte Elli dem fröhlichen Lachen der anderen Kinder draußen.
´Ach, wäre es schön, wenn …`
Aber, woran sie dabei dachte, behielt sie für sich.

Gegen Nachmittag schlief die Kleine erschöpft ein. Inzwischen hatten sich die Schnee-Elfen genügend ausgeruht und setzten den wirbelnden Ausflug über die Wiesen fort. Dabei kamen sie auch an jenem Haus vorbei.
„Schaut mal!“, lugte eine von ihnen durch Ellis Fenster. „Dort, die Kleine! Wie süß sie ausschaut. - Aber sie ist bestimmt sehr krank, dass sie bei diesem tollen Wetter im Bett bleiben muss!“
„Die Arme!“, seufzte ihre Schwester.
„Ich kenne sie. Sie ist ein ganz besonders liebes Kind!“, erzählte eine andere. „Wenn ich daran denke, wie gehorsam sie stets ist und wie fürsorglich sie mit allen Tieren und Pflanzen umgeht … Also, ich meine, wir sollten ihr eine Freude machen!“

Die Schneeelfen steckten flüsternd die Köpfe zusammen. Kurz darauf ließ sich eine Elfe auf dem schmalen Sims vor dem Fenster nieder und klopfte an die Scheibe. Zunächst nur ganz leise, aber, weil das Kind im Bett sich nicht rührte, dann lauter und lauter. Endlich erwachte Elli, guckte umher und rieb sich, noch halb benommen, verblüfft die Augen. Vor dem Fenster tanzten tatsächlich niedliche Elfen, das lockige Haar unter schneeweißen Kapuzen versteckt und in den süßesten Anoraks, die die Kleine je gesehen hatte.
„Oh, sieht das schön aus!`
Sich umschlungen haltend, sangen die Elfen mit glockenreinen Stimmen ein fröhliches Lied über die leise rieselnden Schneeflocken und tanzten so anmutig wie nur selten zuvor.
Als das Lied geendet hatte, schauten sie das kleine Mädchen still zärtlich an.

Im nächsten Moment öffnete sich wie von Zauberhand das Fenster. Die Elfen schwebten herein und stellten sich vor das Bett.
„Komm mit uns!“
Elli fasste sofort Zutrauen, versuchte unsicher, auf die schwachen Beine zu kommen und die Elfen stützten sie. Obwohl das breite Fenster weit offen stand und die Kälte ins Zimmer drang, begann Elli in ihrem Nachthemd nicht zu frieren. Aber die Elfen waren bei dem, was sie vor hatten, sehr besorgt um sie. Lieb lächelnd reichten sie ihr einen solchen Schneeflockenanzug, wie sie ihn selber trugen sowie noch die passenden Stiefel und Handschuhe dazu.
Beschützend nahmen sie sie in ihre Mitte und führten sie ans Fenster. Auf einmal fühlte sich Elli so leicht. Den Boden unter den Füßen spürte sie nicht mehr. An der Hand der Elfen schwebte sie nach draußen und begann wie die Elfen schwebend zu tanzen. Je länger sie sich im Kreis drehten, umso mehr gefiel es der Kleinen. Jedoch wollten die Elfen nicht, dass Elli sich etwa überanstrengte und brachten sie, als der Tanz geendet hatte, schnell wieder bis vor das Fenster. Das Mädchen zog den hübschen Anorak, die Handschuhe und auch die Stiefel wieder aus, bedankte sich bei den Elfen mit einem Knicks und kletterte zurück ins Zimmer. Derweil passten die Elfen gut auf, dass sie dabei ja nicht hinfiel: Als Elli ins Bett stieg, schloss sich das Fenster genauso leise, wie es sich vordem geöffnet hatte. Draußen vor ihm standen noch immer die Elfen, schauten sie zum Abschied lieb an und die Kleine lächelte froh zurück.
Am nächsten Morgen, als Elli aufwachte, fühlte sie sich so ganz anders als in den langen Wochen zuvor, so beschwingt. Munter setzte sie sich auf, sah zum Fenster, freute sich über den immer noch in der Sonne glitzernden Schnee und sprang auf einmal flink aus dem Bett.
Ja, dies war das Geschenk der Elfen an sie: Sie war wieder gesund!
„Danke!! Ich werde Euch nie vergessen!“, murmelte Elli glücklich.








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