Sag beim Abschied leise Servus
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Feierabend-Mitglied
Freitag 14.01.2022, 19:40 – geändert Freitag 14.01.2022, 19:53
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Freitag 14.01.2022, 19:40 – geändert Freitag 14.01.2022, 19:53
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Verspätet, da ich eine kleine Auszeit hier brauchte, wünsche ich allen ein Jahr 2022, das viel Stoff bringt
für heitere, nachdenkliche, zuversichtliche Geschichten.
Auf die ich mich freue.
Bleibt gsund!
Jahresende
Mir ist feierlich.
Komisch.
Feierlich an einem Freitag.
Ach so.
Es ist der letzte Tag eines Jahres.
Das Jahr 2021.
2000 ist 21 Jahre alt nun.
Man sieht es ihm an.
Es schaut zerrupft aus.
Kränkelt.
Und wir alle lebten so vor uns hin.
Im Jahr 2021.
War was in diesem Jahr?
Etwas, das bedeutend war.
Nein, ich meine nicht Krieg und Frieden.
Die sind normal.
Ich meine auch nicht Hochzeiten und Todesfälle.
Auch normal.
Und ich meine auch nicht Corona.
Nein, not at all.
Was war bedeutend?
Für jeden einzelnen von uns.
So bedeutend, dass etwas plötzlich anders war.
Hell oder dunkel.
Traurig oder froh.
Ich habe viel gelernt in diesem Jahr.
Mehr als jemals zuvor,
so kommt es mir vor.
Über mich und über Menschen.
Tut man das denn nicht immer?
Schon.
Man kennt nur nicht immer das Ergebnis.
Und am allerwenigsten sich dabei.
Ein Jahr ist ein Zeitraum.
Den füllt man aus mit Alltagsarbeiten, Plausch beim Bäcker,
das kann zufrieden sein lassen.
Man kann radeln oder wandern und atmen und Körper sein.
Man kann Eintauchen, Versinken in Lese – und Filmwelten,
das schafft Träume über die eigenen vier Wände hinaus.
Man kann Handschuhe stricken, Bilder malen oder Geschichten schreiben,
das macht uns besonders.
Man kann Gespräche führen.
Und erfährt vieles.
Und nichts.
Das passiert alle Tage.
Und alle Jahre.
Nix Besonderes also.
Und doch ganz schön viel.
Man kann sich zurücklehnen und nachdenken.
Und sich treiben lassen in Unendliches.
Das ist was Besonderes.
Mein Jahr 2021 war geprägt von Menschenerleben.
Ich habe Abschied genommen.
Konkret durch Tod.
Durch Ent-täuschung.
Ein wörtlich zu nehmendes Wort.
Und ich habe Willkommen heißen dürfen.
Umarmen und mich freuen.
Und ich habe bewahren und vertiefen dürfen,
was Miteinander ist.
Und mir war nach Dankbarkeit, dass das Leben zu mir gnädig ist.
Mehr sogar.
Dass es mich beschenkt.
Und das war im Jahre 2021 besonders viel.
Ein Jahr, in dem sich Bedeutung neu schrieb.
Gesundsein freilich voran.
Gesund macht eine Gemüsesuppe.
Und Lachen über eigentlich alles.
Über den rechthaberischen Nachbarn,
die keifende Neiderin,
den unfreundlichen Wurstverkäufer.
Gesund macht auch eine bewusste Traurigkeit.
Ein Zulassen von Shit.
Von Ungnädigem.
Von Vergänglichem.
Geht ja nicht anders.
Das musste ich viel im Jahr 2021.
Ein Jahr, das zu Ende geht.
Das einen neuen Frühling verspricht.
Und beim Abschied leise Servus sagt
zu dem, was war.
Ohne irgendetwas zu versprechen.