Pont-à-Mousson
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Feierabend-Mitglied
Dienstag 20.07.2021, 21:19 – geändert Dienstag 20.07.2021, 21:26
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In den frühen 1990ger Jahren habe ich ein paar Tage Urlaub bei meiner Schwester im Saarland gemacht. Sonntags ist deren Familie eine Langschläfer Gemeinschaft. Ich bin wie immer früh aufgestanden und wollte niemand stören oder wecken. So habe ich mich in mein Auto gesetzt und bin über die nahe Grenze nach Frankreich, um genau zu sein, ins Département Meurthe-et-Moselle in der Region Grand Est, bis 2015 Lothringen, gefahren. Kurz vor 9 Uhr war ich in Pont-à-Mousson gelandet. Ich parkte gegenüber der imposanten Kirche St-Martin. Vom Turm läuteten die Glocken und luden ein zum Sonntagsgottesdienst. Da ich diese Kirche nicht kannte, ging ich hinein. Aber die Kirche war leer. Ich wunderte mich, weil ich doch geglaubt hatte, hier wäre jetzt der Sonntags Gottesdienst. Als ich gerade wieder hinaus wollte, hörte ich Musik von einem Harmonium. Der Gottesdienst fand in einer kleinen Seitenkapelle statt. Ich ging hinein. Ich war ein wenig verwundert, weil die Männer und Frauen, die in den Bänken saßen, etwas verwahrlost aussahen. Als der Gottesdienst zu Ende war und ich zu Ausgang der Kapelle ging, stand da ein Pater und sagte mir, gehen Sie bitte hier entlang. Und ich sah, daß alle Kirchenbesucher "hier entlang" gingen in einen mittelgroßen Saal, in dem zwei Reihen Tische standen mit Bänken wie an Biertischen. Auf den Tischen waren Teller eingedeckt und die typisch französischen henkellosen Tassen. Auf jedem Teller lag ein kleines Baguette, daneben zwei Scheiben Käse und zwei Scheiben Wurst und ein Schälchen mit Marmelade. Was ist das hier, fragte ich den Pater. Sie waren noch nie hier? fragte er zurück. Nein. Das ist die sonntägliche Armenspeisung, sagte er. Dann möchte ich gehen, sagte ich. Sie müssen sich nicht schämen, sagte er. Bleiben Sie und genießen Sie das Frühstück. Ich setzte mich auf eine Bank und genoß das wirklich gute Frühstück. Eine Nonne ging mit einer Kaffeekanne an die Tische und füllte die Tassen mit heißem, aber dünnem Malzkaffee. Als ich gefrühstückt hatte und hinaus ging, fragte ich den Pater, was habe ich zu zahlen. Sie waren unser Gast, sagte er, aber wenn Sie etwas spenden möchten, da drüben steht ein Körbchen. Ein paar Franc lagen drin und ich legte einen 20 D-Markschein hinein. Die Armenspeisung wird ausschließlich aus Spenden finanziert, sagte der Pater. Ich legte noch 50 Mark dazu und dachte, das wird nächsten Sonntag ein paar wirklich armen Menschen das Frühstück sichern.