Peng!!
Von
tastifix
Montag 01.03.2021, 17:17 – geändert Montag 01.03.2021, 20:34
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tastifix
Montag 01.03.2021, 17:17 – geändert Montag 01.03.2021, 20:34
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Es begab sich zu der Zeit, als das Haus mit vier Kindern und drei Hunden noch sehr lebhaft bevölkert war. Ist ja schon sehr lange her, aber manchmal erinnere ich mich an etwas, von dem ich gehofft hatte, dass es mein Gedächtnis zur Image-Bewahrung einer jungen Dame=Zwilling1 und auch des meinigen endgültig gelöscht hätte. Hatte es aber nicht ….
Ich fang mal ganz von vorn an. Es war einer der Tage, an denen man abends drei Kreuzzeichen schlägt und verzweifelt hofft:
„Sie werden doch gleich ins Bett gehen? Sie haben ja morgen Schule, oder??“
Kurz und gut, es lief alles falsch, was überhaupt falsch laufen konnte und mir wirbelten Gedanken kreuz und quer durch den Kopf, wie ich des Chaos eventuell wieder Frau werden könnte. Denn eine Mutter sollte ja trotzdem noch den Durch- bzw. den Überblick darüber behalten, was sich so um sie herum tut. Den Letzteren hatte ich eindeutig verloren und genauso auch Zwilling1. Dem jüngeren Schwesterchen blühte jenes nicht. Es beschäftigte sich vorwiegend ausschließlich mit Sting im Internet.
Zwillingstochter1 war von jeher sehr hilfsbereit und während ich Haushaltspflichten nachging, stets zur Seite.
„Mama, darf ich? ...Mama, soll ich …? Mama, ich könnte doch schon mal …?“
´Vielleicht ganz gut, dass die Älteren sowie Zwilling2 (Sting!!!) jetzt anderweitig beschäftigt sind! - Nein, ich sollte dankbar sein, dass Zwilling1 mir wohl am liebsten die ganze Hausarbeit abnehmen möchte!`
Prompt war ich ganz gerührt und nahm mir fest vor, sie glücklich zu machen.
„Du, ja, du kannst helfen! Hol doch mal ...“
Es war der richtige Ansatz zum Glücklichmachen. Sie strahlte.
„Ja, Mama?“
„Staubtuch, Kehrblech, Handfeger und den Staubsauger. Der Hobbyraum hats nötig!“
„Mama, ich übernehme das Staubwischen. In der Zeit kannst Du ...“
Interessant!! Ehe ich etwas dagegen einwenden konnte, flitzte sie hoch, vergaß auch nichts, griff das Staubtuch, verschwand im Tobeparadies und ich wie aufgefordert in der Waschküche.
„Darf mir jetzt ja Zeit lassen!“, dachte ich noch, als ein furchtbarer Schrei durchs Haus gellte.
Wie ich unschwer ausmachte, kam der leider aus dem Hobbyraum.
Aus der dort herrschenden Düsternis wankte mir ein kalkweißes Etwas mit weit aufgerissenen Augen entgegen.
„Was hast Duu denn!?“
Stumm deutete es auf die Ecke mit den Bücherregalen. Ich folgte dem Blick, ich sah nichts.
´Hm!`
Zögerlich fand meine Tochter die Sprache wieder:
„D..Da ist was!“
„Wo denn … Und was?“
Sie zuckte mit den Schultern, streckte den Arm aus und deutete auf den dunklen Teppichboden. Dort saß etwas noch Dunkleres. Rund war es, bewegte sich aber nicht. Sie voller Panik, ich ähnlich gestimmt hinter ihr her, schlichen wir mit zwei Minischritten etwas näher. Doch bei dem spärlichen Licht war nichts genau zu erkennen. Weil sich das Ding auch weiterhin nicht von der Stelle bewegte, begannen meine Tochter wohl übelste Horrorvorstellungen zu verfolgen:
„Mama, iih! Was machen wir denn jetzt? Was ist, wenn das eine Spinne ist und die uns gleich anspringt?“
Sie hielt es nicht mehr aus, streifte den einen Schuh ab - und:
„Peng!!“
Auch mich packte das Grausen. Auch ich hob einen Schuh …
Doch plötzlich, er schwebte noch in der Luft, stutzte ich. Durchs Fenster war überraschend ein Sonnenstrahl auch in die besagte Ecke gedrungen. Fassungslos starrte ich auf den kleinen, fast schwarzen Feind, dann meine Tochter an, die genauso zurück guckte.
„Duhuuh“, flüsterte ich mit halb versagender Stimme. „Das ist keine Spinne. Wir haben ´ne Fluse verhauen!“
Ich schwöre: Es war und blieb die einzige Fluse, die wir im Leben je verprügelt haben ...