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Oh, du fröhliche ...

Von speedygonzalez Samstag 25.12.2021, 10:25

Beim Aufrämen meiner Heilig Abend Unternehmungen gingen mir unsere Eltern durch den Kopf, wie sie wohl diesen Morgen oder Vormittag des 1. Feiertages erlebt hatten. Ich denke dabei an die Zeit auf dem Lande
nach der Währungsreform, als zwar alles wieder zu haben war jedoch noch lange nicht alles zu kaufen war.
Also: Wenn man es morgens warm haben wollte, musste zu Anfang Feuer gemacht werden und dazu der Herd erst mal geleert werden. Will sagen, die Asche musste durch Rütteln der Rotes in den Aschenkasten hinunter befördert werden (Da rührt wohl der Spruch:"Durch den Rost fallen" her.) und der oft auch noch in die "Aschentonne" gebracht werden. Treppe runter auf dem Hof. Nötigenfalls zugleich aus der Gartenpumpe ein Eimer frisches Wasser mit nach oben gebracht werden. Vorwiegend von den großen Jungens. Derweil kam verknubbeltes Zeitungspapier in den Ofen, dünn gepaltenes Holz drauf und angezündet. Wenn das brannte oder weiterbrannte und das Anzünden erfolgreich war wurde dickeres Holz nachgelegt. Erst dann konnte durch Abstrahlung von Herd und Ofenrohr etwas Wärme verspürt werden.

Zur Früh (Katzen)-Wäsche gab es für die Kinder eine Schüssel warmes Wasser. Der Vater bekam frisches, auch zur Rasur mit der Klinge, die hin und wieder mit einem bösen Knurren begleitet wurde, wenn das Messer wieder mal zu eifrig war.
Frühstück festlich zwar aber eilig.
Ab dann gab es schon wieder Tempo, denn der Gottesdienst, besonders pompös und somit zeitaufwändig wartete auf die Gläubigen, die dann auch noch mit Chorgesang und der ganzen Messe vom Kyrie, Gloria und Credo bis zum Sanctus erbaut wurden. Ganz zu schweigen von der Predigt, die hin und wieder vom Pfarrer mit einem "Nicht so viel husten!" unterbrochen wurde, wenn er glaubte, dass seine Wortre kaum mehr Gehör fänden. Bei solchen Messen blieben auch die hartgesottenen bei der Predigt in der Kirche, denn draußen am Mäuerchen war es nun wirklich unangenehm kalt.
Die Mutter schwitzte schon wieder, denn zu Hause wartete das Mittagessen mit der Fleischbrühe, dem Salat, dem Hauptgang, (was immer gewünscht oder zu kriegen war) und dem Nachtisch. Wenn der Herd vorher richtig beheitzt worden und nicht ausgegangen war.
Ach, ja, die Betten waren natürlich auch schon gemacht, bevor man sich zur Kirche begab.
Dann hatten alle Zeit, sich um den Weihnachstbaum zu versammeln

Wenn man solches - mit aller Hochachtung für die Leistungen der Mütter damals - betrachtet, kann ich verstehen, dass sich zum Heiligen Abend in weiten Teilen Deutschlands der Kartoffelsalat mit Würstchen durchgesetzt hat.

Der Friede sei mit Euch

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