Nächtliche Spaziergänger
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Feierabend-Mitglied
01.08.2021, 18:47
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01.08.2021, 18:47
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Ich habe so meinen Einschlafrhythmus, der mich selten in Stich lässt. Ins Bett, zirka eine halbe Stunde lesen, Licht aus, auf die linke Seite drehen, bis ich so kurz vor dem Einnicken bin, auf die rechte Seite drehen und schon bin ich einschlafen.
Gestern war ich hundemüde, denn es war ein langer Tag mit vielen neuen Eindrücken gewesen, doch der Schlaf kam nicht.
Drehte ich mich von einer Seite zur anderen.
Mir war es zu warm, auf dem Körper breitete sich ein dünner Schweißfilm aus. Strampelte das Bettzeug weg, das brachte auch nichts, machte Licht an und stand auf.
Da war es kurz vor Mitternacht.
Öffnete weit das Fenster. Statt Kühle schwappte eine noch wärmere Luft ins Zimmer. Also Fenster wieder zu. Neuen Schlafanzug aus dem Schrank entnommen und in den Gefrierschrank gelegt. Bettzeug neu aufgeschüttelt. Ins Badezimmer, kaltes Wasser über Arme und Beine laufen lassen, bis ich mich kühler fühlte. Den Schlafanzug aus dem Gefrierschrank genommen, angezogen und hinein ins Bett, Licht aus.
Ich war schon fast hinüber, als eine unangenehme Wärmewelle über meinen Rücken rollte. Ich fasste nach hinten. „Oh nein Jemima, ich brauche heute keinen Nierenwärmer!“
Sie aber vor Freude, weil sie ihren Namen oder meine Stimme hörte, setzte mit ihrem lauten Nähmaschinen-Geratter (Schnurren) ein; das hörte auch die eifersüchtige Lilith, und meinte der Platz neben mir im Bett gehöre ihr... und was diese kleinen Leiber für Backofen-Hitze ausstrahlen, ist mir erst im selben Moment bewusst geworden.
Nach meinem gebrüllten „Runter!“ saß ich aufrecht im Bett. Knipse wieder mal das Licht an und sah noch den beiden Flüchtenden hinterher. Jule auf dem Kratzbaum riskiert ein Auge, welches mich mit Unverständnis anschaute.
Hundemüde und doch putzmunter, wie ich nun war, machte ich mir in der Küche einen dicken Kakao, kalten natürlich, für einen heißen war es viel zu warm. Den im Bett getrunken, halbe Stunde gelesen, Licht aus. Weiterer Versuch, um in den Schlaf zu fallen, der kurz darauf scheitert, da ich fand, dass die Luft im Zimmer zu stickig war. Licht an, aufgestanden, zum Fenster gelaufen und selbiges aufgerissen. Weit, so weit wie möglich, wenn schon keine kühle, dann wenigstens frische Luft. Ließ Einbrecher Einbrecher sein, wohne ja ebenerdig, und stieg wieder ins Bett, machte das Licht aus.
Kaum lag ich, bekam ich durch die Nase nicht richtig Luft, sie war zu trocken und angeschwollen. Licht an und ins Bad, kaltes Wasser mit hohlen Händen ins Gesicht geschüttet, bis ich wieder frei atmen konnte. Ins Bett und Licht aus, nun dürfte nichts mehr dazwischen kommen, zwischen den Schlaf und mir...
Ein Geräusch von draußen weckte mich. Ich schaute auf den Wecker, zwei Uhr und dreiunddreißig Minuten. Ich lauschte angespannt. Draußen raschelte es und irgend etwas oder irgend jemand schabte an der Wand vor meinem Fenster lang. Diesmal machte ich kein Licht und begab mich zum Fenster. Späte vorsichtig hinaus. Die Straße lag dunkel, nur vom Mondlicht beleuchtet. Wieder vernahm ich das Geräusch, und sah wie etwas dickes Längliches auf kurzen Beinen sich an der Hauswand entlang bewegte, dann in dem Gebüsch an der Haustür verschwand, wieder auftauchte an den Fahrradständern vorbei trippelte, den Weg über den Bürgersteig nahm und an der Einfassung entlang lief, um dann kurz darauf, wo die großen rosa Granitblöcke den Garten begrenzten eine Lücke suchte. Dort wieder auftauchte, die Höhe überwand, um zwischen Gebüsch und Sträucher aus meinem Gesichtsfeld zu verschwinden.
Erheitert über den Anblick und auch erleichtert, dass es nur ein Igel war, legte ich mich nieder und schlief augenblicklich ein.