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Menschen sind manchmal ... So nicht länger!!

Von tastifix Donnerstag 04.11.2021, 12:16 – geändert Donnerstag 04.11.2021, 14:24

Trotz des Spätnachmittags kehrt im Gorillahaus noch keine Ruhe ein. Dort hocken nämlich die Affen im Kreis zusammenund besprechen die Neuigkeiten des Tages. Mittig sitzt Chef Mirus, 15 Jahre alt und enorm klug.
„Was steht auf der Nußschale?“, fragt Mirus.
Jamin, das jüngste Affenkind:
„Die gucken immer so doof!“
„Wer, die ...?“
„Die Menschen, die hier den ganzen Tag herum lungern!“
Zwar denkt Mirus das auch, mahnt aber:
„Jamin, fauch! Sowas sagt man nicht über die Artgenossen unserer Pfleger!!“
Der duckt sich.
„Er meint es doch nicht so!", unterstützt ihn Mama Hermine.
„Hm", grübelt Mirus bekümmert, denn er liebt seinen Pfleger.
„Nur Wenige können richtig klettern!“, sagt einer. „Und die Weibchen machen, was sie wollen."
„Waas … !?“
Alle sind entsetzt.
„Mirus, deren Nachwuchs kauert dauernd vor Kästen, aus denen es entsetzlich knallt und krächzt.“
„W..woher weißt Du das denn?“
„Kasimir ist mal ausgerissen und hat sich umgesehen. Gegen deren Welt ist unser Gehege die reine Oase!“
„Berichte!“
„Die Menschen laufen immer so hektisch umher. Oder sie sitzen in solch blöden Blechbüchsen und rasen mit denen kreuz und quer. Häufig auch gar gegeneinander. Manchmal sind dann nicht nur die Blechdinger kaputt ... !“
„Kreisch! Schrecklich!!“
„Und sie machen rücksichtslos die Umwelt kaputt, in vielen Ländern müssen sie hungern. Immer wieder führen sie Kriege und Millionen sterben dabei.“
„Wie gut nur, dass bei uns nach einem Streit stets rasch wieder Frieden herrscht!“, murmelt Mirus. "Wir sollten unbedingt was dagegen tun!"
Eine Menge Vorschläge werden gemacht und wieder verworfen.

Endlich - es ist fast Mitternacht - steht fest: Ja, schon morgen würden sie ihren Pfleger mit leckeren Bananen und Wasser in eines der Gehege locken. Und dann … Mirus weiß aus Erfahrung, in welcher dessen Hosentaschen der Schlüssel steckt und wie man den benutzt.
„Thomas passiert nichts!“, versichert er, „der wird nur unsere Geisel!“
„Au weia!!“
Seinen Freunden bibbert das Affenherz.
„G..Geisel??“, stottert Jamin.
„Kleiner, er bleibt nur so lange dort, bis die Menschen versprechen, sich zukünftig anständig zu benehmen! - Und klar werden wir ihn bestens versorgen!“
„U..Und, wenn die das nicht machen …?“
„Die machen des garantiert. Sie wollen ihn ja zurückhaben!“
„Doch, wenn er wieder frei ist, werden wir bestimmt schlimm bestraft. Vielleicht dürfen wir gar nie wieder in unser tolles Freigehege …"
Mirus lacht:
„Dürfen wir bestimmt! Die wollen uns ja dort toben sehen!! - Hm, na ja: Vielleicht bekommen wir ein paar Tage nicht unser Lieblingsessen. Aber damit kann ich leben. Ihr auch?“
„Ääh ...“

Aber sie wissen ja nun, dass dem geliebten Pfleger nichts Böses geschieht. Darum sind sie einverstanden.
„Und wann…?“, fragt Hermine zögerlich.
„Schon ganz früh!!“, bestimmt Mirus energisch. „Ich hab etwas Besonderes vor ..."
"O je!", sagt Hermine. "Nooch etwas … !??"
„Ja, Menschen sind ja nicht so sehr intelligent und es klappt bestimmt!"
Jamin protestiert:
„Thomas-Pfleger ist schlau! Der is nich doof!!“
Nein, denn der ist sein Freund. Die erwachsenen Affen sind gerührt:
„Kleiner, lieb von Dir. Aber - warte mal ab!“
Jamin schmollt noch ein bisschen weiter.

Am nächsten Morgen wirken die Affen auffällig müde. Allein Jamin schlägt Purzelbäume.
„Eigenartig! Der ist so krege! Die Anderen dagegen …?“, denkt Thomas, holt besorgt einen Eimer mit Bananen und Salatköpfen und öffnet die Tür des Geheges.
Vor Freude kreischend springt ihm Jamin entgegen und sie schmusen. Doch heute nur kurz, denn Jamin hopst wieder herunter und flitzt so lange kreuz und quer, bis ihm Thomas hinein folgt und mitrennt. Wie die Wilden spielen sie Fangen.
Das Gehege ist sehr gemütlich ausgestattet. Kletterseile, auf dem Boden viel Spielzeug im Stroh und zwischen zwei Bäumen schaukelt sogar eine Hängematte. Nach einer Weile ist Thomas erschöpft. Jamin blickt gespannt zur Matte:
´Ob er wohl ...?`
„Puuh, ich brauch ne Pause. Achjaah, ich probiere die mal aus.“
Den Futtereimer lehnt er noch gegen einen Baum, klettert hoch und schläft sofort ein. Urplötzlich sind alle Gorillas wieder fidel.
„Prima gemacht, Jamin! - Los!!!“, kommandiert Mirus.
Während die Anderen nach draußen flitzen bis vor den breiten Wassergraben des Außengeheges, schließt er noch die Tür des Geheges wieder ab, schiebt einen dicken Ast als Riegel vor und folgt dann den Kameraden.

Draußen warten die Menschen ungeduldig auf den Tierpfleger.
„Wo bleibt der denn nur?“
Im nächsten Moment stehen sie wie gelähmt. Plötzlich hoch aufgerichtet auf den Hinterbeinen, schlägt sich Gorilla-Chef Mirus gegen die Brust und ruft ihnen tatsächlich laut dröhnend in der Menschensprache etwas entgegen. Aus weit aufgerissenen Augen starren ihn die Leute an.
„Ihr sucht Thomas? Der komt aus dem Affenhaus nicht eher wieder raus, bis Ihr etwas versprecht ...“
„Was habt Ihr mit ihm gemacht!?“, brausen die Leute auf.
„Gar nix!“, erwidert Mirus. „Dem gehts gut. Der schläft!“
„Eine Unverschämtheit! Sofort lasst Ihr ihn frei. Sonst ...“
Sie verstummen, denn die Tiere blecken die imponierenden Zähne.
„Uns passiert nichts!“, flüstert Mirus seinen Freunden zu. „Denn ich hab ja den Schlüssel und ohne den kommen sie nicht hier rein!“
Eingeschüchtert stehen die Menschen dort.
„Wenn sie uns angreifen würden ... So schnell, wie die sein können, wäre keine Hilfe hier!“
Einer rafft den letzten Mut zusammen:
„W..Was verlangt Ihr? - Und, falls wir uns danach richten, gebt Ihr ihn dann wirklich frei?"
„Ja, versprochen!“
Erneut faucht Mirus frech.
„Wir erwarten, dass Ihr Euch nicht mehr so schlimm zankt, keine Tiere quält und nicht alles in der Natur kaputt macht. Stattdessen sollt Ihr Euch friedlich miteinander umgehen und Euch darum bemühen, dass es bald wieder mehr weite Wiesen und Wälder gibt.“
Und fügt an:
„Außerdem fordern wir viel größere Gehege für uns Tiere. Und gar junge Tiere zu töten, nur, weil sie keine Babys mehr sind, wird strengstens bestraft!!“

Stille. Viele blicken mittlerweile recht nachdenklich.
„Papa, machen die das wirklich? Bringen die die süßen Tierkinder einfach um?“
„Unmöglich sowas!“, grummeln die Erwachsenen, zunächst nur leise, dann immer lauter.
„Na, was ist? Versprecht Ihr, dabei zu helfen, damit auf der Welt alles etwas besser zugeht?“, drängt Mirus.

„Ja, die Affen haben recht! So gehts echt nicht weiter!!“
„Ist eigentlich gar nicht so schwierig!“, meint ein Mädchen. „Wenn jeder darauf achtet, was er so macht. Dann hilft das doch schon ein bisschen!“
Alles nickt.
„Ja, wir wollen helfen! Bitte, lasst Ihr Thomas jetzt frei??“
Die Affen sehen sich an, Mirus und vor allem der kleine Jamin nicken.
„Hier ist der Schlüssel, Jamin. Befrei Deinen Freund!“
„Ich komm mit.“, meint ein Affentwen.

Die beiden Affekinder stoßen den Ast weg und schließen das Gehege auf. Verblüfft sehen sie, dass sich Thomas gerade eine leckere Banane gönnt.
„Könnt Ihr mir mal sagen, was das jetzt sollte?“, klingt es ihnen enttäuscht und traurig entgegen. „Und was eigentlich dort draußen los ist … ?“
Jamin schämt sich:
„Wir wollten, dass die Menschen mal überlegen,was sie so alles falsch machen! - Und bitte, sei nicht böse. Wir hätten Dir nie etwas Böses getan! Dafür haben wir Dich viel zu lieb!!“
Einen Moment lang schweigen die Drei. Dann meint Thomas:
„Und trotzdem: Ich hab Euch vertraut und Ihr habt mich eingesperrt! Strafe muss sein!!“
„U..Und welche?“
„Ihr helft mir, im großen Freigehege alles aufzuräumen und sauber zu machen! Okay?“
Aufatmend sehen ihn die Affenkinder an.
„Ja, machen wir!! - Und wir sperren Dich auch bestimmt nie wieder ein!“, ergänzt Jamin und kuschelt sich an ihn.

Und anders als die Menschen dann, halten sich die Affen an ihr Versprechen.

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