Freund Ambrosius, ein Amselmännchen, ist zurück!
Von
tastifix
Samstag 29.05.2021, 15:20 – geändert 30.05.2021, 12:56
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tastifix
Samstag 29.05.2021, 15:20 – geändert 30.05.2021, 12:56
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Ich erkenne ihn sofort wieder. Fröhlich mampfend hüpft er an der von mir tagtäglich spendierten Sonnenblumenkerne-Frühstückstafel auf dem Rasen entlang. Mit schief gelegtem Kopf schaut er mich an:
„Piep!“
„Hallo Ambrosius!“
„Pieppiep!”
Ganz eindeutig freut er sich. Ich schaffe Ordnung auf der Terrasse und rücke derweil laut die Gartenstühle hin und her. Ambrosius bleibt gelassen sitzen und guckt zu.
„Wo warst du denn nur all die Monate, hm?“
Auf diese vielleicht etwas indiskrete Frage hin schweigt mein kleiner Freund sich aus. Auch Vögel haben Geheimnisse. Prüfend betrachte ich ihn:
„Jedenfalls scheinst Du kerngesund zu sein.Wie schön!“
„Piieep!!“, wippt er zustimmend mit dem Schwanz.
Für eine noch längere Unterhaltung erübrigt er keine Zeit. Dort locken ja die leckeren Kerne. Aber, wie blöd: Über ihm im Baum sitzen zwei Ringeltauben.
´Gleich kommen die runter. Besser fix futtern!`
Er pickt wie ein Weltmeister. Allerdings beweist sich die Hektik als gänzlich unnötig, denn die Beiden auf ihrem Ast flirten wie die Verrückten, geben sich Küsschen, reißen sich vor lauter Liebe gegenseitig Nackenfedern aus und gurren dabei zärtlich. Die Leckereien auf dem Boden interessieren sie gar nicht. Nachdem ich Ambrosius und dem geflügelten Liebespaar noch eine Weile zugeschaut habe, wende ich mich wieder der Hausarbeit zu.
„Ob er wohl immer noch da ist?“, frage ich mich des Nachmittags und öffne vorsichtig die Terrassentür. Ambrosius hockt tatsächlich dort, aber nicht mehr allein. Neben ihm sitzt ein zweites Männchen, das mir sehr viel jünger zu sein scheint. Anscheinend sind sie in ein Gespräch vertieft.
´Bestimmt sein Sohn!`
Neugierig höre ich ihnen zu. Meine Fantasie unterstützt mich dabei.
´Oh, Ambrosius erzählt dem ja etwas über uns!`
„Piep! Ich hab Angst!“, bibbert der Kleine.
„Piep, piepiep,piep!! Das brauchst Du nicht. Die hier mögen uns! - Ich war sogar bei ihnen im Menschennest!“
„P...piep, bei denen dort drinnen?“
Er guckte Ambrosius ganz unsicher an.
„Ja, aus Versehen. Hatte mich verflogen,“ erklärt der. „Aber das Menschenweibchen hat mir nichts Böses getan und nach dem ersten Schrecken bin ich fix wieder nach draußen geflattert.“
Das beruhigt den Kleinen etwas und er fragt:
„Und, besitzen die so ein schönes Nest wie wir?“
„Hm, also ... Irgendwie sehen deren Bäume eigenartig aus. Die haben überhaupt keine Äste zum Daraufhüpfen und Schaukeln!“
„Bäume ohne Zweige? Und wo sitzen die dann?“
„Auf so starren Dingern.- Übrigens können die Menschen die Bäume auch aufklappen.“
„Aufmachen??“
Es ging fast über den Vogeltwen-Verstand.
„Sind dort Körner- und Regenwürmer-Vörrate drin?“
„Nee, Menschen essen keine Regenwürmer. Jedenfalls meist nicht.“
„Was ist denn dort sonst versteckt?“
„So ein Zeug, das laut klappert, wenn sie es rausholen. Da legen sie ihr Essen drauf.“
„Piep, keine Regenwürmer, keine Maden?? - Auf die würd` ich aber nicht verzichten wollen! - Dumme Menschen!!"
Dem Kleinen reicht es. Er windmet sich lieber wieder der 5-Sterne-Tafel vor ihm.
Auf einmal bemerken die Beiden mich. Der Vielleicht-Sprössling flattert zwar nicht davon, duckt sich aber. Und doch scheint er sich in Ambrosius Gegenwart etwas geschützter zu fühlen.
„Piep, tirili!“, zwitschert mir mein gefiederter Freund entgegen.
„Hallo Ambrosius! - Sag` mal, hast Du etwa Deinen Sohn mitgebracht!?“
Richtig geraten. Er legt den Kopf schief. Die Augen blinken stolz.
„Der sieht aber süß aus! Wie soll er denn heißen? - Was hältst Du von ´Antonius`?“
Ambrosius kratzt sich kurz mit der Kralle am Kopf. Es muss ja gut überlegt sein.
„Pieppiep!“, trillert er dann und hängt als Zeichen des Einverständnisses noch ein nachdrückliches Schwanzwippen an. Antonius dagegen, noch immer etwas schüchtern, übt sich in ´Stimmenthaltung`.
Gerührt schaue ich ihnen ein paar Minuten zu, wie sie mit ausgesprochen gutem Appetit die Sonnenblumenkerne verspeisen.
„Ambrosius hat mir seinen Sohn vorgestellt. Mehr kann er mir gar nicht beweisen, dass er mich mag!“, freue ich mich und gehe zurück ins Haus.