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Mama trotzt!

Von tastifix Donnerstag 02.06.2022, 07:58 – geändert Donnerstag 02.06.2022, 08:00

Wieder mal trafen wir uns zu einer fröhlichen Geburtstagsfeier. Es wurde echt turbulent, denn am reichlich gedeckten Tisch saßen dann neun Erwachsene und drei Kinder (6J., 7J. und 9 !/2 J.).

Die Gastgeber, meine Tochter und ihr Mann, eilten beflissen herzu, ja sofort nachzuschenken, sobald ein Glas leer herum stand und genauso, verwaiste Teller erneut mit Köstlichkeiten zu füllen. Stolz musterten sie dabei die Ergebnisse ihrer Kochkunst und kritisch dann unsere Mienen, ob es wohl schmeckte. Sie selber kamen ja nicht dazu, dies zu testen, sondern absolvierten ein arges Fitnesstraining. Pausenlos zur Küche, zurück ins Wohnzimmer und wieder die selbe Wanderung, nur äußerst selten unterbrochen vom Abstecher ins Bad, der ja wenigstens eine kurze Erholungspause versprach.

Wir speisten also ausgiebig, doch irgendwann streikte selbst der tüchtigste Magen, wir waren satt. Allzu lange mag man ja nicht auf ein Schüssel -Teller-Gläser-Becher-Besteck-Chaos schauen. Es wurde einstimmig beschlossen:
„Abräumen!!“
Und dann noch, genauso einstimmig:
„Kinder, das machen wir gemeinsam. Ihr habt ja nicht mal in Ruhe essen können. Geht doch gar nicht!“

Die „Kinder“ blickten auf einmal sehr streng. Jeder, der aufspringen wollte, wurde energisch auf seinen Stuhl zurück gedrückt.
„Nix da! Sitzen bleiben!!“
Wir tauschten verzweifel ratlose Blicke.
„Die Armen! Die sind ja, wenn wir nachher weg sind, total groggy!!“
Wir fühlten uns extrem unwohl, aber mussten gehorchen. Alle umklammerten also die Armlehnen, um ja nicht „unangenehm“ aufzufallen. Es war dringend anzuraten, denn sie überwachten uns mit Argusaugen. Es hätte eventuell schlimme Folgen nach sich gezogen, wenn ein Bein verräterisch gezuckt hätte.

Ich beobachtete, dass sich meine Tochter verstohlen, es sollte ja keiner sehen, die ersten Schweißtropfen von der Stirn wischte. Prompt quoll mein Mutterherz über vor Mitleid.
´Aber, sie will es doch nicht … !!`
Bekümmert hockte ich weiterhin auf meinem Stuhl und vermied es sicherheitshalber, das immer noch emsig hin- und her flitzende Viertel meines Nachwuchses anzusehen. Aber, als sie erneut in die Küche gespurtet war, beging ich vor den verstörten Blicken der Anderen eine frevlerische Untat. Ich stand auf und marschierte entschlossen, etwas wie einen Mut - Pokal vor mir haltend, in den verbotenen Raum.
Dort stand meine Tochter vor einem Berg aus Porzellan und Besteck, bemühte sich, jenem Durcheinander Frau zu werden und beförderte gerade die Teller in die Spülmaschine.

„Bitteschön, N.! - Ich lass mir doch das Helfen nicht verbieten!"
Und übergab ihr lachend meinen Pokal, einen winzigen Teelöffel.
„Mamaa!!“, grinste sie nur.

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