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Lang, lang ists her ... Hilfe, ein Gespenst!!

Von tastifix Mittwoch 14.07.2021, 12:38

Eigentlich glaubten der Papa meiner Kinder und ich nicht an Geister. Nachts war es stets still in unserem Haus, selbst um Mitternacht. Dies sprach eindeutig gegen untote oder auch nur halbtote Mitbewohner. Gespenster legen nämlich Wert auf einen geregelten Nachtablauf. Von 24-1 Uhr benehmen sie sich daneben, ab dann halten sie die Klappe, die klirrenden Ketten klirren nicht mehr und sie verziehen sich eilig ins Geisterverlies:
„Puuh, war das wieder ein aufreibendes Pensum!"

Leider täuschten wir uns dermaßen, was gruselige Umtriebe an geht, wie wir es niemals vorher vermutet hätten.
In der besagten Nacht wurde ich wach. Irgendetwas stimmte nicht. Ich war so unruhig, obwohl ich gar keinen Albtraum geträumt hatte. Irritiert starrte ich in die Dunkelheit, dann auf den Herrn Papa, der friedlich in seinem Bett freudvoll vor sich hin schnarchte. Sauer drehte ich mich auf die andere Seite. Es war wohl alles normal. Bereits halb wieder eingeschlummert, schreckte ich abermals hoch. Dort regte sich doch etwas!
´Also doch kein Hirngespinst!!`

Ich spitzte die Ohren. Ja, es schlurfte jemand ganz leise an unserem Schlafzimmer vorbei. Ruckartig sauste ich in die Höhe, saß kerzengerade im Bett, plötzlich hellwach. Panik ergriff mich:
„Duhuuh!", versuchte ich meinen Mann aufzuwecken.
Jedoch wenn der schlief, dann ... Also rüttelte ich wie verrückt an seinem Arm.
„Rrrr...!"
Immerhin eine Reaktion.
Ich gab nicht auf.
„Rrrr...Was..ist..denn ...?"
Knurrige Miene, dann allmähliches Erkennen seines Eheweibes.
„Da..ist jemand im Haus!", bibberte ich.
„Quatsch, du hast geträumt!"
Er hatte gut reden. Aber ich wusste es besser und blieb stur.
„Doch, hör`´mal!", drängte ich.
Seufzend rappelte er sich hoch, hockte dann gleich mir kerzengerade im Bett und lauschte tatsächlich.
„Hm!", meinte er und nochmals:“Hmm!"
Klang schon aufmerksamer.

Draußen ging leise die Küchentür. Die Küche liegt direkt diagonal zum Schlafzimmer. Diesmal vernahmen wir ein deutliches Scharren. Jetzt wurde es sogar ihm zu bunt.
„Da ist tatsächlich jemand!", bemerkte er ach so zutreffend.
Ich nickte. Gott sei Dank, er hatte er es endlich geschnallt.
„Was machen wir jetzt bloß?", zitterte ich vor mich hin.
In Gedanken zogen sämtliche Krimis aus dem Fernsehen an mir vorüber. Ich sah mich schon gefesselt und geknebelt oder noch schlimmer, gevierteilt auf dem Boden liegen.
„Besser, wir verhalten uns ganz ruhig!", gab meine andere Hälfte zu bedenken.

Den Vorschlag fand ich in dem Moment wahrlich ausgesprochen klasse. Von innerer Ruhe konnte bei mir keine Rede mehr sein. Angstschweiß tropfte mir von der Stirn. Garantiert würde jetzt mein letztes Stündlein schlagen. Eigentlich hätte ich mir ja einen anderen Tod gewünscht. Jetzt klackte es gar noch lauter in der Küche.
„Klick, klack, ping, peng!“
Zweimal klapperte es regelrecht unverschämt laut. Dann war es plötzlich wieder still, unheimlich still geradezu.
Wieso aber sollte ein Einbrecher ausgerechnet die Küche unsicher machen?
´Vielleicht hat der Hunger?`, fragte ich mich.
Da! Schon wieder Klick.
„Also, ich halte das nicht mehr aus. Ich guck` nach!"
Bevor mein Mann etwas dagegen einwenden konnte, war ich mit einem hastigen Satz aus dem Bett und schlich auf Zehenspitzen in die Diele. Jetzt war es sowieso zu spät, um noch zu kneifen. Nun hätte ich Mut zu beweisen.

Die Küchentür stand einen Spalt geöffnet. Ich riskierte einen furchtsamen Blick hinein. Das Erste, was mir auffiel, war der vollgepackte Küchentisch. Die Kühlschranktür stand weit offen. Drinnen gähnende Leere.
Und davor??
Davor stand auf einem Küchenstuhl ein kleines Gespenst mit mir sehr bekannten grünen Augen und braunen Löckchen in seinem Teddybären-Schlafsack. Es war fast drei Jahre alt, war das ältere meiner Zwillingstöchter und offensichtlich nun genauso erschrocken wie ich, seine Mama.

Doch, weil ich im nächsten Moment vor Erleichterung laut lachte, verzog sich das vermeintliche Geistergesicht zum lausbübischen Grinsen und das Mini-Wesen sprach mit einer sehr menschlichen Stimme:
„Mama,Tisch gedeckt. Frühstücken!"
Mein fragender Blick streifte die Küchenuhr. Es ist eine Funkuhr. Ich erstarrte zum zweiten Male.
„5.00 Uhr!!"
„Ach, du heiliger Bimbam...!", seufzte ich.
Fix griff ich mir meine so reizend hilfsbereite Tochter und verfrachtete sie in der Jugendetage wieder in ihr Bett.

Mit leicht wackelnden Beinen marschierte ich zurück ins Schlafzimmer. Dachte ich darüber nach, was der Kleinen alles hätte zustoßen können ...
„Sie hätte mit dem Schlafsack auf der Treppe ausrutschen, sich Finger, Arme und Beine brechen können oder gar ..."
Genau dann stoppte ich lieber meine Überlegungen!

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