Kein Wunder, dass ich davon träumte ...
Von
tastifix
Freitag 11.11.2022, 17:34 – geändert Freitag 11.11.2022, 17:58
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tastifix
Freitag 11.11.2022, 17:34 – geändert Freitag 11.11.2022, 17:58
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Sie und ich hatten ähnliche Erinnerungen an unser Hobby, das Tanzen und auch an Aktivitäten, die sich dann ergaben und fanden gar kein Ende. Sie war als junges Mädchen Funkenmariechen gewesen, ich hatte im Kursus und auf Bällen in einer Gruppe vorgetanzt und letztendlich mit Tango und Wiener Walzer das bronzene Tanzabzeichen gemacht.
Wir hatten den 11.11. und blödelten los. Tat richtig gut und zudem kann es mir nie zu ´blödelig` werden.
Die amüsante Unterhaltung hatte Folgen. Wir nippten nicht etwa heimlich nebenbei Alkohol, damit die Ausgelassenheit dann noch ausgelassener würde, sondern lachten nur ununterbrochen, bis wir uns dann nach einer Weile voneinander verabschiedeten.
Den Nachmittag verbrachte ich grinsend. Wieder und wieder hatte ich eine bestimmte Vorstellung vor Augen. Weil an diesem Tag nichts Ernstes anlag, ging es bis abends so. Immer noch schmunzelnd legte ich mich zu Bett, konnte aber nicht sofort einschlafen und schaltete noch einen Film an. Er bewies sich als eine echte Schlaftablette und schon wenig später schlummerte ich fest.
Jedoch wurde es sehr turbulent. Ich stand wieder in meiner geliebten Tanzschule, hörte nochmals die Aufforderung des Tanzlehrers ´Die Herren, bitte auffordern!` und wartete bibbernd ab, wer mich wohl aufs Parkett führen würde. Schon stand er vor mir: Ein hübscher Junge mit sehr schönen Augen. Leider nur war der genauso groß wie hübsch, nämlich fast 2m und ich nur 1.61m. Nun, er neigte halt den Kopf und ich legte den meinigen dagegen weit in den Nacken. Irgendwie hätte es mir besser gefallen, ihm ohne eine solche Verrenkung ins Gesicht sehen zu können.
Na ja, in den ersten Minuten war dies nicht vonnöten, denn wir Beide sagten vor Verlegenheit kein Wort.
´Woow, ist der groß!`
Dann allerdings, nach weiteren zwei Minuten störte mich dies gewaltig. Obendrein beschwerte sich mein Nacken. Solch eine andauernde Fitnessübung behagte ihm nicht:
„Aufhören! Spinnst Du, ist ja unmöglich!!“
Weiterhin den Jungen von unten anblinzelnd, war mir prompt sehr jämmerlich zumute.
´Was, wenn mein Nacken sich rächt und gar steif wird?`
Nur das nicht! Ich überlegte, aber verwarf sofort energisch die Idee wieder, mir eventuell einen anderen Jungen als Tänzer zu suchen. Einen, der dann nicht nicken und ich genauso nicht nach so hoch oben schielen müsste.
´Nee, sowas mach ich nicht!`
Ich schaute hoch:
„Nee, ganz bestimmt nicht!!“
Mein Gegenüber lächelte dafür viel zu charmant. Er ahnte ja nichts von dem inneren Kampf, der in mir gewühlt hatte.
´Highheels! Nein, keinen Zweck, hab ja Höhenangst.`
Ach, wenn doch nur … Egal, was dann … Irgendwie musste es doch eine Lösung geben …
Ständig drängender wurde dieser Wunsch. Wenigstens schwiegen wir nicht mehr und verrieten uns unsere Vornamen. Klar hätte ich ihm dabei noch viel lieber tief in die Augen geschaut. Seufz! Zunehmend frustriert hing ich dort in Gürtelschnallenhöhe in seinem Arm:
´Wie nur? Wann nur? Wenn nicht bald …`
Keine Ahnung, wieso, aber plötzlich passierte etwas, das eigentlich gar nicht sein konnte, weil es viel zu verrückt war. Beim Wiener Walzer streckte ich während eines Trippelschrittes nach vorne wie verlangt anmutig den Arm zur Seite aus. Er hing also gewollt anmutig in der Luft und ich kämpfte - angestrengt souverän lächelnd - gegen den Schwung an und hartnäckig ums Gleichgewicht.
Plötzlich hielt ich etwas in der Hand. Es war das Bein meines Hockers von daheim.
„Hääh? Wie kommst Du denn ... ??“
„Na, Du träumst. Schon vergessen!?“
„Und wieso … ?“
„Dein Jammern war ja nicht mehr auszuhalten! Aber, egal jetzt: Los, rauf mit Dir!“
„Moment, geht jetzt nicht. Wir tanzen doch noch ...“
„Hm ...“, meinte er nur.
Wir drehten und drehten. Krampfhaft umklammerte ich das Hockerbein. Inzwischen hatte der Junge das merkwürdige Ding in meiner Hand bemerkt. Eigenartig: Er sagte gar nichts dazu, schien es sogar normal zu finden, dass wir nun zu Dritt walzten. Leider schwang der Walzer ganz enorm und bei jeder Drehung klatschte das hölzerne Bein gegen seine Wade. Er gab nicht allein keinen Schmerzens-, sondern auch keinen anderen -laut mehr von sich.
Demnach auch nicht:
„Was soll das denn? Wie kommt der denn hierhin?“
Der Walzer, nein, eher das Schicksal hatte Erbarmen und dann war der Tanz zu ende. Und sofort auch die Sprachlosigkeit.
„Ich hab bestimmt überall blaue Flecken! Tut lausig weh!“
„Zeig mal!“
Er guckte zwar ein bisschen irritiert, aber ich bewies einen Mut, der so gar nicht zu mir passte und zupfte das Hosenbein ein wenig hoch:
´Stimmt: Blau-weiß gefleckter Dalmatiner!`
Mitleidig entschied ich:
„So viel Tapferkeit muss belohnt werden!`
Ich schnappte mir den Hocker, erklomm ihn und hauchte dem Jungen ein Küsschen auf die Wange. Die gequälte Miene war wie weggeblasen. Er strahlte, wieder schauten wir uns an und diesmal ganz tief in die Augen. Es war ja soo schön!
Vor Wonne seufzte ich laut und wachte auf. Durchs Fenster lachte bereits die Sonne.
„War das ein toller Traum!“
Unwillkürlich sah ich auf meine Hand. Sie umklammerte die Fernbedienung des TVs.