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Igel Kasimir und der Heiligenschein

Von tastifix Dienstag 10.01.2023, 18:13 – geändert Dienstag 10.01.2023, 20:08

Igel Kasimir war ein junger, ausgesprochen sanfter Igel. Selbst dann, wenn er sehr hungrig war, übertließ er anderen Igeln die Beute.
„Ich finde doch gbleich noch was. Ist ja kein Problem, schwirrt ja mehr als genügend Futter herum.“
Der Igel trippelte eben etwas länger noch über den Weg, schnappte dann zu und genoss seine Mahlzeit.
´Pappsatt!`, dachte er danach zufrieden und stillte an dem kleinen Teich in der Nähe seinen Durst.

So verbrachte er die warmen Monate, ließ sich von der Sonne verwöhnen flitzte munter herum und futterte. Die Speisekarte war sehr abwechslungsreich. Des Abends wühlte er sich ins Laub und träumte von der nächsten Mahlzeit. Die Einzigen, die in seinem Schlaraffenland störten, waren der Uhu, die Füchse und die Marder. Aber auch gegen die wusste sich Kasimir zu helfen. Er rollte sich zu einer Kugel zusammen, stellte die spitzen Stacheln auf und sich dann tot. So mancher Fuchs oder auch Marder trug eine blutende Nase davon und verzog sich beleidigt. Und vor dem Uhu floh er in ein Erdloch.

Bald endete der Sommer und der Herbst zog ins Land. Die Sonne wurde von ständig dichteren Wolken verdrängt, Sturm und peitschender Regen machte das Leben ziemlich ungemütlich und es wurde allmählich kälter. Bei Einzug des Winters war es bereits eisig und die ersten Schneeflocken fielen. Kasimir wühlte sich so tief wie möglich in einen Blätterhaufen, rollte sich zusammen und verschlief den Rest der kalten Monate.

Erst im Frühling wachte er auf, gähnte, streckte sich, machte etwas Beingymnastik und kletterte durch seine Blätterdecke ins Freie. Die Sonne strahlte vom Himmel, die Vögel zwitscherten und irgendwie war Kasimir besonders fröhlich. Er war nun ein erwachsenes Igelmännchen.
„Ich will nicht länger allein sein!!“
Unternehmungslustig trippelte er durchs frische Gras. Überall blühten große und kleine Blumen in allen mögli;chen Farben und es duftete nach neuem Leben. Jetzt, nach dem langen Schlaf hatte er großen Appetit. Während er so auf Nahrungssuche umher streifte, traf er nach einer Weile auf ein Igelweibchen.
„Wie heißt Du? - Ich bin Kasimir!“
„Und ich Trippeli!“
Die Zwei verliebten sich und bald wanderten ein kleiner Kasimir und eine kleine Trippeli mit den Eltern herum.

Kasimir war ein sehr lieber Papa. Gehorchten die beiden Kleinen mal nicht, schimpfte er nicht, sondern erklärte ihnen, warum Trippeli und er ihnen etwas verboten hatten. Eines Tages waren Kasimir und sein Sohn wieder mal auf Wanderschaft. Der Kleine fragte seinen Papa Löcher in den Bauch und trotzdem blieb Kasimir stets geduldig.
Schon wieder fiel Klein-Kasimir etwas ein. Doch, als er zu seinem Papa hoch sah, entdeckte er etwas. Was war denn das über dessen Kopf? So etwas hatte der kleine Igel noch nie gesehen.
"Papa, Du hast da etwas. Über Deinem Kopf! So einen runden Kringel!"
Kasimir trippelte zur nächsten Pfütze, schaute ins Wasser und begann zu grübeln:
´Wie soll ich ihm das bloß erklären!?`
„Also, Kleiner: Diesen Kringel nennen die Menschen ´Heiligenschein` und den bekommt man, wenn man besonders lieb ist."
„Papa, ja, Du bist auch der liebste Papa der Welt! - Papa, bleibt der jetzt immer da?“
Kasimir erschrak:
´O je, nur das nicht! Die Anderen würden mich auslachen!!`
Der Kleine aber guckte seinen Papa bewundernd an.
´So etwas Tolles hat sonst kein Igel auf der Welt. Nur mein Papa!`

Kasimir dagegen dachte darüber nach, wie er den Heiligenschein schnellstens wieder los werden könnte.
´Geht doch gar nicht! Und, zudem kriegt man den doch erst, wenn man schon tot ist und außerdem hat noch nie ein Igel sowas bekommen, sondern nur Menschen!!`
Leider wusste Kasimir, dass auch Menschen den getragen hatten, die den so gar nicht vierdienten.
´Nee, wenn selbst die den gehabt haben, will ich ihn unbedingt möglichst rasch wieder los werden!`
Er hatte auch schon eine Idee, wie.
´Wenn Klein-Kasimir etwas anstellt, dann schimpf`` ich mal furchtbar! Vielleicht verschwindet der dann! Denn dann bin ich ja böse!!!`
Bereits ein wenig frohgemuter marschierte er mit seinem Sohn weiter voran. Plötzlich sah der Kleine ein Insekt, dass in der Nähe auf einer Blüte saß.
´Lecker! Das fang ich mir!`

Während Kasimir noch daran dachte, wie heftig er denn wohl schimpfen müsste, hatte er nicht bemerkt, dass der Kleine ein Stück Weges vorgelaufen war. Besorgt eilte er ihm nun nach. Fast hatte er ihn erreicht, als er auf einmal direkt über ihren Köpfen ein kräftiges Flügelrauschen hörte.
"Kleiner, stell Dich tot!“, rief er seinem Sohn zu.
Blitzschnell kugelten sich der große und der kleine Igel zusammen und stellten ihre Stacheln hoch.
„Uhu!“, machte die Eule beleidigt.
Sie hatte versucht zuzuhacken und sich fies gestochen. Empört flatterte sie davon.

Die Igel blieben noch kurz so liegen. Erst als sie keinen Flügelschlag mehr vernahmen, streckten sie sich wieder. Beiden steckte der Schrecken tief in den Knochen. Kasimir erholte sich schneller als der Kleine, der immer noch vor sich hin zitterte. Aufatmend, dass sie überlebt hatten, wurde Kasimir wütend, weil sein Sohn so keck weggelaufen war:
„Verdammt nochmal!! Was fällt Dir eigentlich ein? Zur Strafe gibt’s heute Abend vorm Einschlafen keine Leckerei für Dich!“
Ängstlich guckte der kleine Igel seinen Papa an. So schlimm hatte der ihn noch nie angebrüllt. Dann aber meinte er:
„Papa, Papa! Der ist weg!“
„Wiiee??“
„Papa, der Kringel ist weg!!“
Aufgeregt trippelte Kasimir zur nächsten Pfütze. Es stimmte, das runde Ding war verschwunden. Er dürfte als ein ganz normaler Igel ohne Heiligenschein weiterhin sein Leben genießen. So fröhlich hatte man Kasimir noch nie gesehen. Und der Kleine mochte seinen Papa auch ohne jenen Kringel genauso gern wie zuvor.

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