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Nikolaus diskutiert mit dem Christkind

Von tastifix 04.12.2022, 08:46 – geändert Mittwoch 22.11.2023, 08:06

Bereits seit Tagen musste sich Sankt Nikolaus mit den Geschenkpaketen herumplagen, schleppte der uralte Mann sie tonnenweise aus der himmlischen Lagerhalle zum Schlitten und schichtete sie auf den selbigen. Es war ausgesprochen mühsam und entlockte dem weiß gelockten Gesellen so manchen tiefen Seufzer.
´Was, wenn sich die Päckchen während des wilden Galopps meiner Rentiere Mac und Frisbie verselbständigen und ihre Reiseroute selber bestimmen? Vielleicht bekommen dann die Eskimos gar Badehosen und die am Äquator Schlitten! - Na ja, auch nicht so schlimm, denn die Minihöschen landen bestimmt im Iglu-, die Schlitten im Urwald-Freilicht-Museum und tragen zum gegenseitigen Gedenken bei.`

Einige Stunden später schielten Mac und Frisbie, mittlerweile alles andere als begeistert, rückwärts auf das Geschehen.
„Na toll!", meckerte Frisbie. „Das wird ´nen echtes Fitnessprogramm!“
Kamerad Mac gab ausnahmsweise nicht seinen Senf dazu, um die trotz himmlischer Adventshektik noch verbliebenen Energiereserven für den bevorstehenden Leistungssport aufzusparen.

Sankt Nikolaus hatte gerade erst zwei besonders sperrige Gaben auf den Raschelberg vor ihm gehievt, als jene plötzlich rutschten und es dann auf der anderen Seite des Schlittens laut vernehmbar ´Peng!` machte. Nikolaus als ein Himmelsbewohner hätte sich nie erlaubt, nach Menschenart zu fluchen und murmelte nur ironisch:
„Das war es wohl: Düsseldorf bekommt zwei Pakete weniger!"
Wie die Rentiere vermied auch er es, über die baldige Fernreise durch die Galaxien inklusive des ihn erwartenden Leistungssports weiter nachzudenken.
„Nooch nicht alles ...??", entfuhr es Mac keck, als der Schlitten schon fast aus den Kufen brach.
Nikolaus` strafender Blick ließ ihn sofort verstummen.Tja, die Packerei fand erst ein Ende, als vor lauter Gaben beinahe weder die beiden Rentiere noch der Schlitten noch auszumachen waren.

Jetzt stand die abschließende Überprüfung durchs Christkind bevor. Nikolaus war es ziemlich mulmig zumute. Denn jenes äußerst kritische Kind hielt,wenn ihm etwas nicht passte, mit Vorhaltungen nicht hinterm Berg.
„Ihr haltet gefälligst Euer Maul!", warnte Nikolaus seine beiden vierbeinigen Helfershelfer. „Solltet Ihr die zwei fehlenden Geschenke erwähnen, gibt’s kein Weihnachtshaferbüschel!"
Mac und Frisbie blickten ihn dermaßen giftig an, dass Nikolaus, wäre er nicht sowieso schon tot gewesen, auf der Stelle sein Leben ausgehaucht hätte. Doch seine Drohung wirkte und, total eingeschüchtert, wagten sie es nicht, daraufhin etwa unverschämt zu antworten. Denn auf ihr weihnachtliches Extra-Menü gedachten sie keinesfalls zu verzichten. Auch Rentiere kennen taktisches Verhalten.

Wenige Minuten später erschien das Christkind, wie immer in strahlendem Licht und über dem Kopf den obligatorischen doppelten Heiligenschein, der ja allein ihm zustand. Doch Nikolaus konnte sich, den genauer musternd, eines etwas unheiligen Gedankens nicht erwehren:
´So ganz frisch sieht der nicht mehr aus. Ob selbst dem Christkind der ganze Stress zu viel wird?`
Leider hatte er in dem Moment einen gefährlichen Blackout. Das heilige Kind war inzwischen bereits fähig, viele der Gedanken seiner menschlichen und erst recht die der überirdischen Heerscharen zu lesen. Prompt brauste es auf:
„Spinnst Du?! Du wirst ja wohl nicht anzweifeln wollen, wie tüchtig ich schon bin? Besonders jetzt in den letzten Wochen vor meinem Geburtstag!?? Denn ich will dann alle Menschen glücklich sehen!!“
Wegen Christkinds heftigen Tadels schrumpfte der Heilige fast zum Zwerg. Beinahe wäre ihm die rote Mütze vom Kopf gerutscht. Aber im letzten Moment fing er sie auf und ersparte sich so eine schreckliche Blamage. Ein Nikolaus ohne seine Bommelmütze - niemals!!

Das hohe Kind begutachtete den Schlitten, schob hier und dort etwas zurecht und stutzte:
„Wo sind die zwei Fahrräder für die Düsseldorfer Radschläger geblieben … ??“
Im Gedenken an Nikolaus Worte hielten die beiden Rentiere lieber ihr Maul. Auch ihr Herr und Hüter schwieg sicherheitshalber. Das Christkind jedoch hatte sofort die richtige Erklärung fürs Fehlen der Gaben parat:
„Ausgerechnet die haste verloren! Mit denen wollte ich die Auftritte der Radschläger in der City etwas moderner gestalten!!"

Nikolaus schlotterten daraufhin nicht allein die Knie, sondern weitaus heftiger noch die Gehirnwindungen. Er konnte keinen vernünftigen Gedanken mehr fassen, der ihm vielleicht zu
einer passenden Erwiderung verholfen und ihn damit aus der Patsche hätte retten können.
„Nuun!?", grollte das himmlische Kind.
Es war so wütend, dass sich gar sein Heiligenschein zu krümmen begann. Der Anblick gab Nikolaus den Rest. Verzweifelt suchte er nach einer Antwort, die das Christkind eventuell hätte besänftigen können, doch es fiel ihm keine ein.
Es rührte das Christkind denn sehr, wie geknickt er war und weil sein eigener Geburtstag kurz bevorstand, wollte es nicht länger so streng sein, verzieh ihm und entwirrte gnädig dessen Denkapparat. Prompt konnte Nikolaus wieder logisch denken.

„Sieh mal", begann er noch ein wenig kläglich, „es hat ja auch sein Gutes ..."
Das heilige Kind genoss diese immerhin nicht ganz dumme Bemerkung und sein Heiligenschein glättete sich zusehends. Darob ausgesprochen erleichtert, setzte Nikolaus mutiger fort:
„Vielleicht treffen die Dinger ja auch nicht auf der Erde, sondern auf dem Mars bei den Marsmännchen ein. Die lernen fix hinzu, werden unglaublich schlau und der Fortschritt auf dem Mars macht in mindestens verdoppeltem Rentiergalopptempo einen tollen Sprung vorwärts. Und dies wiederum erleichtert die Kommunikation zwischen ihnen und uns sehr. Also fördern wir so die intergalaktische Völkerverständigung dann ganz beträchtlich.“

Weil die kindliche Allwissenheit ab und an denn doch noch nicht lückenlos funktionierte, hatte das Christkind eine solch schlagfertige originelle Antwort von Nikolaus nicht erwartet und war platt.

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