Gedächtnislücke ... oder ?? Es ist lange her
Von
tastifix
Samstag 01.10.2022, 18:15
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tastifix
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Sonntag, 9.00 Uhr, Buckingham Palast.
Queen Elisabeth räkelte sich im Bett und schlug die Augen auf. Richtig, der Staatsbesuch in Deutschland stand auf dem Programm. Urplötzlich war die Schläfrigkeit vergessen, sie putzmunter und Energie geladen wie immer.
Dennoch seufzte sie. Denn sie musste aus der Auswahl der etwa tausend Designerkleider, die den riesigen Kleiderschrank füllen, das einzig richtige, für Anlass sowie Wetter passende Outfit herauspicken. Auch einen der unverzichtbaren Hüte durfte sie nicht vergessen. Für eine Dame des englischen Hochadels ein unbedingtes Pflichtutensil. Sie ohne Hut, hatte die Monarchin verlautbaren lassen, das würde die Welt nicht erleben - und ihre Juwelen mussten freilich auch mit. Die verkörperten nämlich Macht und Reichtum. Zur Sicherheit würde sie die schon mal neben die Staatsrobe legen. Dann konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Queen Elizabeth hechtete aus dem royalen Bett und raste im königlichen Nachtgewand durch den ganzen Palast bis zur Schmuckvitrine. Die Wachtposten wussten, was sie ihrer Stellung schuldig waren und sahen diskret zur Seite. Weil Elizabeth seit jeher sehr sportlich gewesen war, legte sie den Weg in persönlicher Bestzeit zurück. Vor ihrem überaus geliebten Schmuckkästchen jedoch erstarrte sie zur Salzsäule. Was sie nämlich nicht entdeckte, waren die ziemlich wichtigen, glitzernden kleineren beziehungsweise größeren Steine, die ihr ohnehin schon hochadliges Prestige ins Hochhochadlige anhoben. Sowohl das Diadem als auch die dazu passenden Ohrringe fehlten. Das rote Samtkissen sah ihr vereinsamt entgegen.
Der Spitze Englands entfuhr ein absolut undisziplinierter Schrei ganz gegen ihre sonstige disziplinierte Ader. Bis aufs Mark erschrocken sprang daraufhin Gemahl Prinz Philipp, abrupt aus den Träumen gerissen, alarmiert aus dem Bett, spurtete, ebenfalls zeitlebens sportlich, jedoch nicht ganz so fix wie seine Frau – in Fast-Bestzeit in Richtung der dem Hofprotokoll in derart infamen Weise ungehorsamen schrillen Lautäußerung der geliebten Ehehälfte und rettete diese in letzter Sekunde mit ausgebreiteten hoheitlichen Armen sowie tröstenden Worten vor drohender Ohnmacht.
Er versicherte ihr, dass es ja in der recht annehmbar situierten, noblen Verwandtschaft noch genügend Juwelen gab, die man notfalls ausleihen konnte. Und selbst, wenn nicht: Ihrer königlichen Garderobe sah man ja den Wert an ... Mit dieser psychologisch weisen Bemerkung landete der außerordentlich sensible Mann einen Volltreffer: Was Frauen angeht, war dieser Prinz Kavalier ja ziemlich erfahren. Für ihn trotzdem ausgesprochen unerwartet, bedachte Queen Elizabeth dann ausnahmsweise den ach so fürsorglichen Ehemann mit einem strahlenden Lächeln, was der sich garantiert in seinem inneren Kalender schnell rot anstrich, denn es kam nicht allzu oft vor.
Auf bereits wieder viel festeren Beinen flitzte Ihre Majestät total unmajestätisch zum Kleiderschrank und begutachtete dessen Inhalt. Es trug zur raschen Stabilisierung ihres in jener Katastrophensituation echt labilen Kreislaufes bei. Ach ja, der Pelzmantel hatte ja auch immerhin - zig Tausender gekostet. So gewandet würde sie neben dem Gastgeber Gerhard Schröder, dem, gleich ihr im eigenen, in seinem Land so „beliebten“ regierenden Topmodel Deutschlands, was Designerklamotten anbelangte, bestimmt gut bestehen. Beruhigt nahm das königliche Herz seine Routinearbeit in üblicher Leistungsstärke wieder auf. Blitzartige Verbesserung des körperlichen und vor allem des seelischen Wohlbefindens waren die Folge. Von einer Sekunde zur nächsten fühlte sich Englands Königin wieder Welsh Corgi munter in ihrer Haut.
Wie der Pressesprecher Ihrer Majestät wenige Tage später bekannt gab, hatte die Queen übrigens jene Juwelen drei Tage zuvor nach einem offiziellen Termin selber in der Küche liegen lassen ... Englands Bevölkerung reagierte auf diese Nachricht mit äußerster Besorgnis. Doch versicherte ihr Leibarzt, dazu gäbe es keinen Anlass und außerdem würde sie unter ständiger Beobachtung stehen.