Fußballfieber und eine unerwartete Hilfe
Von
tastifix
04.07.2021, 08:57 – geändert 04.07.2021, 09:07
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tastifix
04.07.2021, 08:57 – geändert 04.07.2021, 09:07
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Katharina fühlte sich wie ein Hühnchen im Römertopf. Nur blieb in dem die Temperatur wenigstens konstant. Aber hier?
Es war Hochsommer und noch nicht einmal die 30-Grad-Grenze hemmte die Unternehmungslust des Wetterfrosches. Trotzdem noch verhielten sich auffallend viele Menschen erstaunlich rege. Eingezwängt zwischen mehreren zehntausend Gleichgesinnter übten sie sich in Fitness. Im Fußballstadion war der Teufel los, denn Deutschland spielte gegen England.
Zur Sicherheit saßen die englischen und die deutschen Fans auf verschiedenen Tribünen. Angetan mit Trikots in den jeweiligen Landesfarben und auf den Köpfen Hüte, die Narrenkappen frappierend ähnelten. Vielen standen letztere bezeichnend gut. Die Fans umklammerten kleine, mittelgroße oder sogar Riesenfahnen. Ab und an riefen sie Umstehende, deren Ausrufe ihnen nicht passten, mit einem augenscheinlich zufälligen Schwenken des Fahnenstils zur Ordnung. Wie auch dann direkt vor Katharinas Augen.
„Au!“, drehte sich erbost ein junger Mann in der Reihe vor ihr um: „Was soll dat denn? Nee, so etwas!“
Der Anblick des hübschen Mädchens besänftigte ihn etwas. Ruhiger setzte er hinzu:
„Da is doch noch gar keen Tor gefallen. Im Übrigen jodele ich genauso für Deutschland wie Sie!“
„Ich ...“, setzte diese an, was aber im plötzlich ohrenbetäubenden Geschrei der Menge unterging.
Auf einmal hüpften alle wie Wahnsinnige herum. Die Fahnen flatterten hoch über den Köpfen, wildfremde Menschen verbrüderten sich. Auf dem Feld umarmten sich Spieler und applaudierten ins Publikum. Einige weinten sogar vor Freude, denn Deutschland hatte das erste Tor geschossen.
´Dieser dämliche Zwischenfall hat mir den Genuss total vermasselt. Mist!`, maulte Katharina im Stillen. ´Dem Kerl da vor mir hab jedenfalls nicht ich die Beule verpasst!`
„Dat war ´nen Schuss! Haben Sie den gesehen? Der englische Torhüter hatte gar keine Chance, den zu halten, so, wie der den rein gepfeffert hat!“, wandte sich der Beulenmann ein zweites Mal an sie, diesmal aber strahlend.
´Dem wären jetzt sogar zehn Beulen auf einmal egal!` - Tooor!“, schloss sich Katharina den Anderen an und klatschte sich die Hände wund.
In der zweiten Halbzeit passierte zunächst nichts Besonderes. Das Interesse der Zuschauer erlahmte. Zwar preschten dieDeutschen erneut zum gegnerischen Tor vor, jedoch waren die Engländer jetzt auf der Hut. Ein zweiter Treffer wäre zu viel der Blamage gewesen. Nein, sie drehten tatsächlich den Spieß um und beherrschten immer klarer das Feld. Die schockierten Deutschen griffen nach unlauteren Mitteln. Foul folgte auf Foul. Ausgerechnet der deutsche Spitzenstürmer stellte dem englischen Kollegen ein Bein und riss ihn gleichzeitig am Arm zu Boden. Unter tausendfachen Pfiffen verwies ihn der Schiedsrichter des Platzes.
Infolge schien das Schicksal der deutschen Mannschaft besiegelt. Schon zehn Minuten später traf ein Elfmeterschuss ins Tor. Katharina war es zum Heulen.
„Och nein!“
Verzweifelt trat sie von einem Bein aufs andere und geriet in Rage.
„Nix da! Deutschland darf nicht verlieren!“
Kurz entschlossen bremste sie sich nicht mehr und kämpfte sich schubsend an erbosten Zuschauern vorbei nach vorne gen Spielfeld.
„Unverschämtheit! Wenn das alle täten!“
Katharina stellte die Ohren auf Durchzug.
´Egal. Ich will retten, was zu retten ist!`
Beim Fussballspielen mit ihrem Vater hatte sie sich doch oft recht tapfer geschlagen. Wieso also nicht auch jetzt ... ?
Nach ein paar Sprüngen stand sie inmitten der Spieler, die sie fassungslos anstarrten.
„Nee, keine Sorge! Bin kein durchgedrehter Fan. Wartet ab: Jetzt wird gesiegt!“
„Hääh??“
„Staunen könnt Ihr später. Los jetzt!“
Die Männer spurteten tatsächlich. Zuvor hatte sie zuvor aller Mut verlassen. Aber nun schöpften sie etwas Hoffnung und überließen sich willig der Führung eines eigentlich ja nur schwachen Weibes. Aber so schwach war es nicht. Dagegen kommandierte Katharina energisch herum:
„Schneller!“
„Fang` ihn ab!“
„Nach vorne!“
„Schießen!!“
Die Mannschaft imponierte wieder mit guten Aktionen. Das Publikum dankte mit häufigem Beifall. Katharina wuchs über sich hinaus.
´Mama und Papa würden die Augen aus dem Kopf fallen!`
Fast alles spielte sich jetzt in der Nähe des englischen Tores ab. Beinahe jeder Versuch der Engländer, die deutsche Front zu durchbrechen, schlug fehl. Immerhin schafften sie es denn doch, den Ball wenigstens für Minuten noch in der Mitte des Feldes zu halten. Doch dann passierte es: Ihr Tor stand für ein paar Sekunden ausschließlich vom Torhüter bewacht. Katharina sah es, schnappte sich den Ball, nahm gewaltig Anlauf und - schoss. Das Leder flog hoch durch die Luft.
„Was ist denn das!??“
Statt im Tor zu landen, stieg der Ball ständig höher. Bald sah man ihn nur als einen winzigen Punkt. Das runde Leder, Ziel aller Träume, war weg.
„Das war`s denn wohl!“, murmelte Katharina halblaut.
Die Spieler senkten deprimiert die Köpfe. Ihnen fehlten die Worte. Auf den Tribünen herrschte Totenstille.
Doch riss sich Katharina fix zusammen.
´Dafür hat sich unsere Elf nicht die Beine aus dem Leib gestrampelt. Nee, dafür nicht!``
Sie wusste gar nicht recht, wieso eigentlich, aber sie musste unwillkürlich an ihren großen Schwarm aus der Glamourwelt denken.
´Was würde er machen? Garantiert nicht aufgeben. Er würde auch dies meistern!`
Vor lauter Liebe seufzte sie laut.
´Ach ja, wenn er doch hier wäre!!`
Mit fest geschlossenen Augen schickte sie ihm einen innigen Gruß, schaute erneut wieder gen Himmel und erkannte dort immer noch nur jenes winzige Etwas, dass dort so gar nicht hin gehörte. Total mit den Nerven am Ende, kamen ihr die Tränen.
Urplötzlich jedoch schreckten alle aus der Trauer auf, Die Spieler, die Zuschauer und erst recht Katharina. Ein anderer, noch winziger schwarzer Punkt am Himmel näherte sich rasch und wurde derweil ständig größer. Katharinas Herz klopfte wie verrückt. Ihr gellender Schrei dröhnte nur so durchs Stadion. In Blitzgeschwindigkeit flog dort nämlich ein wunderbares Wesen heran. Am Saum seines im Wind flatternden roten Umhanges schaukelten goldene und schwarze Bommel.
„Wie eine lebendige Deutschlandfahne!“, dachte sie noch.
Im nächsten Moment wurde sie beinahe ohnmächtig vor Freude, denn jenes Wesen war das ihr wichtigste aus der internationalen Musikszene. Jenes Wesen war ihr Sting! In der Hand hielt er den Ball.
„W ..Wieso ... ?“, stotterte sie schwach.
„Ich wusste, dass Du mich brauchst!“, strahlte Sting.
Es trug wahrlich nicht dazu bei, dass ihr Redefluss fließender wurde:
„Ja, a..abaar ...“, rang sie nach Fassung.
Die Engländer standen ebenfalls wie gelähmt, allerdings vor Entsetzen. Dass Sting ihnen das antat!! Er ignorierte dies und legte stattdessen Katharina den Ball vor die Füße:
„Schnell, schieß!“
Sie gehorchte. Es musste einfach alles seine Richtigkeit haben, denn der Befehl kam ja von Sting. Ihr Schuh knallte gegen das Leder. In weitem Bogen sauste der Ball über das halbe Spielfeld und landete in der linken hinteren Torecke. Der unter Schock stehende englische Torhüter war keiner Bewegung mächtig gewesen und guckte ihm nur entsetzt hinterher.
Der Bann des Erschreckens, der Überraschung brach. Alles brüllte. Die Engländer und deren Fans vor Enttäuschung, die Deutschen und ihre Anhänger dagegen vor Glück. Fahnen segelten aufs Spielfeld. Gesänge wurden angestimmt. Von allen Seiten hörte man Tröten. Deutschland war Sieger. Auch Katharina fand die Sprache wieder:
„Warum hast Du mir geholfen?“
Wieder antwortete ihr ein sehr charmantes Lächeln.
„Für Dich tue ich alles. Für Dich lasse ich sogar meine Mannschaft im Stich!“
Selig seufzte Katharina zum zweiten Male auf - diesmal sogar sehr viel lauter.
Abrupt erwachte sie. Es war Morgen und alles leider, leider nur ein Traum gewesen.