Frühlingserwachen oder die große Freiheit erleben
Von
optik
10.04.2022, 20:10
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optik
10.04.2022, 20:10
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Kaum lassen sich die ersten Spuren des nahenden Frühlings erkennen, mobilisieren sich die frischen Kräfte in Fauna und Flora und ebenso neigen auch wir menschlichen Individuen dazu rege und aktiv zu reagieren. Der Ruhezustand jener kalten, die Glieder lähmenden Froststarre beginnt -der langsam steigenden Sonnenkraft zu weichen. Die letzten Begeisterten, die in den kalten, verschneiten Monaten äußerst sportiv Schnee und Eis, Pisten und Loipen nutzten, beginnen sich auf die nächsten Sport- oder Freizeitvergnügen der Saison vorzubereiten. Der jährliche Kreislauf beginnt von Neuem.
Mit dem Ansteigen der Sonnenkraft, beginnt das planen, putzen und packen unseres Schneckenhäuschens?
Was mag das sein? So manche Leserin oder Leser kann sich sicher nichts darunter vorstellen, es sei denn, sie/er gehört dieser eigenartigen Spezies an, nämlich den Campern.
In meiner Jugend konnten sich nur Privilegierte leisten in Urlaub zu fahren.
Aber unser aller Leben hat sich im Laufe der Jahre verändert und der Radius unserer Umgebung wurde weiter und weiter gespannt. Wir konnten in andere Länder, sogar ferne Kontinente reisen und erlebten mehr als wir je erhofft hatten.
Ja, dank der Technik können wir noch bis ins hohe Alter mit der ganzen Welt verbunden bleiben, sie bereisen und es bieten sich zig Möglichkeiten die es zu erkunden gilt.
Seit einigen Jahren fand ich heraus, es geht nichts über die Freiheit des Campens, das biwakieren in der freien Natur. Leben auf kleinstem Raum. Flexibel und beweglich sein und immer dort, wo es einem gerade gefällt. Bleiben solange man möchte. Sollte es unangenehm werden, die Umgebung nicht mehr gefallen, sich das Wetter ändern, lässt sich der Standort wechseln. Alles geht unkompliziert, ohne an-, abmelden, ohne Buchungsstress und Termine.
Angefangen hatte alles vor einigen Jahrzehnten mit einem kleinen Zelt, dann folgte ein kleiner Wohnwagen, der das nach individueller Freiheit strebende Freizeitglück komfortabler machte und jetzt im Rentneralter ist es ein kleines Wohnmobil.
So ein Schneckenhaus lässt sich ganz heimelig einrichten. Umgeben von der eigenen gewohnten Atmosphäre bleibt ja auch nichts dem Zufall überlassen. Egal in welcher Gemütslage sich der Sinn nach einem schmackhaften Cappuccino einstellt, kein Problem. Für alles ist gesorgt und selbst gegen ein bleiernes Gefühl in den Beinen lässt sich sofort Abhilfe schaffen, denn das eigene Bett um sich auszustrecken fährt ja mit.
Zeitdruck gibt es nicht. Anhalten und erst einmal Pause machen. Oder man „tuckert“ zum Leidwesen der sportlich getunten SUV-Fahrer gemütlich über die Landstraße!!! Selbst die, nach längerer Fahrt, mit Druck benötigten stillen Örtchen lassen einem Camper nie mehr unruhig werden.
Ach ja! Was gibt es Schöneres als unsere lieben Mitmenschen mit all ihren Neigungen und Schwächen zu beobachten. Camping- oder Stellplätze bieten sich dafür herrlich an.
Wenn die Sonne vom Himmel lacht oder sich der Himmel mit dunklen Wolken zu zieht, egal! Sobald frischer Kaffeeduft durch die Lüfte streift erfreuen sich Herz und Lunge an der Natur, die sich vor den Augen ausbreitet. In jedem Falle ist es überall anders als Zuhause! Da mag mitunter der heimische Garten ordentlicher und farbenfroher sein, ein Camper erfreut sich an der Umgebung, egal wo er sie erlebt.
Wenn sich so nach und nach die Türen der einzelnen wohnlichen Gefährte öffnen, veranlasst es die Mitcamper heimlich rüber zu blinzeln. Sind es ältere Zeitgenossen wie wir, jüngere gestylte oder quirlig verdrehte Nachbarn. Darunter finden sich teils muffelige, denen ein knappes "mojjen" schon zu viel als Gruß bedeutet. Andere , die kaum, dass sie eines menschlichen Wesens ansichtig werden, schon ihre gesamte Biografie, ihre Wehwehchen erzählen. Allgemein sind Camper friedvolle, äußerst hilfreiche und nette gesprächige Menschen. Und meistens kommt man sich schon neu-nachbarlich näher, wenn es die verschiedensten Frühstücksgebahren zu erkennen gilt.
Es gibt die einfachen Frühstücker, die sich nur mit der Wasserflasche, einer trockenen Semmel oder Getreidemüsli spartanisch gegenüber sitzen, um dann den ganzen Tag verschwunden zu bleiben. Oder die gemütlichen, wie wir Rentner.
Den Tisch mit einer Decke stilvoll gedeckt, auf dem auch das abgedeckte 3 Minuten-Ei nicht fehlt. Dazu die warm getoasteten Brötchen, der Aufschnitt frisch aus dem Kühlschrank und die mitgeführte selbstgekochte Konfitüre im Petto. Das Auge isst schließlich mit und man möchte ja auf nichts verzichten. Mit dieser gestärkten Grundlage fühlt sich das Camperherz zufrieden.
Ruhe, Entspannung und die Vorfreude auf dieses Phänomen stellt sich schon ein, sobald sich das Gefährt vor der eigenen Haustür in Bewegung setzt. Es geht einem Abenteuer, wohl auch einer Ungezwungenheit, den tristen Alltag hinter sich lassend freudig erregt entgegen und darin liegt der Reiz.
Neues, Lustiges oder Kurioses gilt es zu erleben. Menschliches und Mitmenschliches, wie einem Grill-Experten, der seine Bratwürste mit dem Bunsenbrenner kross braten wollte. Ob sie anschließend schmeckten, danach fragte niemand?
Oder einen Vater, dessen Aufgabe es war, jeweils am Morgen und ebenso jeden Nachmittag mit zwei Gießkannen Unmengen von Wasser an sein Mobil schleppte. "Drei Weiber" brummelte er murrend vor sich hin, "und ihr Reinlichkeitswahn", so schlurfte und schleppte er unermüdlich für zwei pubertierende Töchter, nebst Gattin Wasser für die Dusche heran. Zwischendurch das Brauchwasser wieder zurück zur Entsorgung.
Wir erlebten die Loreley vom Main, den femininen Auftritt einer blonden Schönen. Auf einem kleinen Hügel neben dem Stellplatz entdeckte ein Camper eine Nackte! Schreck und der erste Gedanke war ein Verbrechen. Nach näherer Betrachtung waren aber alle Herren des Platzes total verzückt. Die Dame räkelte sich, umgeben von einigen leeren Schnapsflaschen frei wie Gott sie schuf im träumerischem Schlummer. Eine Polizeistreife nahm sich ihrer an. Doch nicht genug. Am anderen Morgen lag sie wieder dort. Dieses Mal hatte sie jedoch vorsorglich ihre Kleidungsstücke ordentlich an den rundum wuchernden Sträuchern aufgehängt.
Wie wir später erfuhren war die Dame für derartige Eskapaden bekannt.
Im Laufe der Zeit bieten die Orte wunderschön gelegene Stellplätze, oft in unmittelbarer Nähe von Sehenswürdigkeiten an. Zu Fuß oder per Fahrrad lässt es sich erreichen oder erkunden.
Ja, das Leben unter Campern ist herrlich, besonders wenn in freundschaftlich, geselliger Runde ein reicher Austausch an Erfahrungen stattfindet.
Die Herren der Schöpfung sind auch unterwegs mit Handwerkszeug für alle Fälle ausgestattet und die gegenseitige Hilfe wird ganz groß geschrieben und eigenartigerweise finden sich überall Gelegenheiten im Camperlatein zu fachsimpeln. Was für Männer die Schrauben und Sat-Antennen, ect. sind, finden bei Camperinnen die Stricknadeln und Wollknäule. Weibliche Wesen mit dem Strickzeug können spontan in langanhaltenden Plaudereinen über handwerkliche Sricktechniken diskutieren.
Nette lange andauernde Freundschaften halten teils bis in die nächsten Wintermonate an und bereichern somit die -dann wieder düsteren Tage.