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Es war doch nur, aber es war eben ... !!

Von tastifix Mittwoch 08.11.2023, 16:44 – geändert Freitag 10.11.2023, 11:08

Die Woche, die ich mit meiner Freundin am Gardasee zubrachte, begeisterte mich. Der See, den wir vom etwas höher liegenden Hotel wuderbar überblicken konnten und den nachts ringsherum die Perlenschnüre der Laternenlichter märchenhaft ausschauen ließ, die gemütlichen Orte mit ihrem südländischen Flair und die tolle Landschaft, vor allem die wunderschönen Blumen … All dies zusammen genoss ich von ganzem Herzen.

Von Malcedine aus wollten wir mit dem Schiff übersetzen nach Limone. Uns schlossen sich noch zwei Frauen an, mit denen wir uns gut verstanden. Jetzt ists aber so, dass jenes Schiff nur stündlich fährt und so statteten wir einem der Cafes einen Besuch ab, sicherten uns einen der Tische auf dessen Miniterrasse. Und beobachteten das lebhafte Treiben um uns her, wobei der Blick immer wieder mal aufs Wasser streifte. Kurzum, wir fühlten uns so richtig wohl und waren zudem froh, uns dort gemütlich ausruhen zu können, denn es war relativ heiß an jenem Tag. Wir unterhielten uns also vergnügt, erfuhren auch einiges über die neuen Bekannten und dachten an nichts Böses. Tjaa

Nun, was uns dann widerfuhr, war nicht eigentlich böse zu nennen, aber urplötzlich war die sorglose Stimmung dahin. Unruhig rutschten wir auf den Stühlen hin und her, derweil wir zwar ziemlich verkrampft souverän zu wirken versuchten, was aber kläglich scheiterte. Zumindest bei mir, denn anscheinend sah man mir an, dass es da etwas gab, was mir, gelinde gesagt, die anfängliche Gelassenheit brutal raubte. Ehrlicher gesagt müsste es heißen: Ich hockte dort wie auf heißen Kohlen, jederzeit bereit, fluchtartig dieses gastliche Haus im Stich zu lassen und das Weite zu suchen. Klar hatte meine Freundin meinen Blick und die daraus resultierende Miene zutreffend interpretiert und grinste. Ob es ihr ähnlich erging wie mir, wage ich stark zu bezweifeln. Sie war generell die Mutigere.

Selbstverständlich hatten unsere Begleiterinnen inzwischen gemerkt, dass etwas vor sich ging, was vor allem mich schrecklich beunruhigte. Irritiert folgten sie meinem Blick, als ich zum Nebentisch schaute. Dort saß doch niemand, was hatte ich bloß? Und wieso hörte ich nicht auf, dorthin zu starren und warum dann nicht länger auf, sondern eher auf dessen Beine? Was war denn an denen nur so faszinierend, an jenen stakeligen Metalldingern? Mittlerweile schwitzte ich – noch heimlich – vor mich hin und ließ ein bestimmtes Tischbein nicht aus dem Auge. Fragend sahen die Anderen mich an. Prompt wurde ich rot wie eine überreife Tomate, stammelte ´Da!!` und zeigte mit bebendem Finger auf einen bestimmten dunklen Flecken, der eigentlich an einem solches Cafetischbein nichts zu suchen hat. Denn Flecken gelten als unrein und hätten dem Image der Örtlichkeit sehr schaden können.

Sie schauten auf die besagte Stelle und wirkten urplötzlich auch nicht mehr so ganz glücklich. Der Flecken dort war nämlich keiner, was er uns dann bewies. Er bewegte sich nämlich, streckte sich und hatte offensichtlich vor, das Bein herauf zu krabbeln, um es gleich uns ebenfalls dann von oben betrachten zu können. Wir Vier konstatierten:
„Von wegen Flecken! Das Ding ist lebendig und nennt sich Käfer!“
Dummerweise ein sehr großer dazu, mit beeindruckenden Hörnern ausgestattet und mindestens 5cm lang. Wahrscheinlich zählte er zur Familie der Hirschhornkäfer, bot also einen seltenen Anblick, der uns eigentlich hätte imponieren sollen. Mir dagegen imponierte diese Rarität auf Beinen überhaupt nicht. Sie sorgte eher dafür, dass mir panisch zumute wurde. Verzweifelt versuchte ich, ihn per Bllick auf seinem Platz festzunageln. Vergeblich! Immer lebhafter wurde er und schien kurz davor, zu sein, an unseren Tisch überzuwechseln.

Ich bemühte mich inzwischen gar nicht mehr, die Anderen über meinen Gemütszustand hinweg zu täuschen. Unser Gespräch bekam ich nur noch so halb mit, ich musste ja das Untier hypnotisieren. Ganz eindeutig wartete meine Freundin nur noch auf den Moment, in dem ich aufspringen und von dannen flüchten würde. Es wäre auch fast soweit gewesen, wenn nicht jener Käfer wohl beschlossen hätte, uns armen Touristinnen denn doch seine direkte Gesellschaft auf Armen oder Beinen zu ersparen. Auch, als wir, nachdem wir bezahlt hatten, uns erhoben und auffällig fix verschwanden, würdigte er uns keines Trippelschrittes. Mit wachsender Entfernug vom Ort dieser entsetzlichen Begegnung erholte ich mich denn schnell und verkündete laut:
„Eigentlich ein wunderschönes Tier!“
Meine Freundin grinste.

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