Eineinhalbkäsehoch und seine leidgeprüfte Mama
Von
tastifix
Montag 07.06.2021, 09:48 – geändert Montag 07.06.2021, 09:50
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tastifix
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Kinder zu haben ist etwas Wunderbares. Den Nachwuchs dann Schritt für Schritt eigene Wege gehen zu lassen fällt manchmal verflixt schwer ...
Der erste freie (Krabbel-) Schritt erkundete den Laufstall, für dessen Hilfe als hölzerndem Babysitter ich, die Erstlingsmama, ausgesprochen dankbar war. Viel zu fix wurde aus dem munteren Vierbeiner ein noch munterer Zweibeiner. Meine strahlende Tochter entdeckte, das sie ja die Vorderbeine(ääh, -Arme!) nun anders nutzen konnte. So reichte sie prima an jede Menge verbotener Dinge wie überfüllte Schubläden in der Küche oder auch Schranktüren mit wertvollem Porzellan dahinter heran.
Tja, öffnete dieser neugierige Einkäsehoch in einem unbeobachteten Moment eine solche, war ein lustiges Klappern zu vernehmen, auf das dann ein weitaus weniger amüsantes Scheppern folgte. Es kündigte mir unbezweifelbar an, dass ich ab dann anstatt der sechs Gedecke die doppelte Anzahl besaß - in extra aparter Ausführung: Tassen ohne Henkel, Teller mit Loch im Boden, usw. … Meine Kleine war hellauf begeistert:
„Da, töön, da alles ´haus holt!"
Nach Lob heischend drehte sie sich zu mir um. Doch das ersehnte ´Fein` blieb aus. Seufz, wie wusste ja gar nicht, was sie da angestellt hatte. Schockiert murmelte ich nur:
„Ach du meine Güte!“
Leider waren ausgerechnet ein paar Teile des teuren Rosenthal-Porzellans zu Bruch gegangen.
Schnell schnappte ich mir meine mit erstaunlich durchdringender Stimme kreischend protestierende sowie heftig strampelnde Tochter und verfrachtete sie im Kinderzimmer ins Bett. Nicht, ohne vorher besorgt überprüft zu haben, ob sich irgendwo eine kleine Wunde versteckt hielt. Der überraschende Aufenthalt hinter Gittern passte ihr nicht, die sonst so zarte Kinderstimme brüllte noch kräftiger und unterhielt das ganze Haus. Wohlgemerkt damals ein Mietshaus und dies zwischen 13-15 Uhr. Die Mitmieter schickten garantiert einen hilfesuchenden, ärgerlichen oder im Ernstfall gar bitterbösen Blick zur Zimmerdecke. Dabei traf die wirklich keine Schuld.
Zu meiner Erleichterung ging dem wutschnaubenden Zwerg wenigstens ziemlich schnell die Puste aus. Schreien macht müde. Sie streckte die Waffen, schniefte noch mehrmals und schlief erschöpft ein. Was für eine Gemeinheit, es war doch solch ein schöner Krach gewesen!
Mamas Nerven stabilisierten sich recht fix. Ich begab mich, bereits etwas gelassener, an die Aufräumarbeit, stellte fest, dass Porzellan sehr hinterhältig ist und in viele winzige Splitter zerspringt. Umso mehr wahrliches Vergnügen machte die Kehrarbeit, die sich gehässig in die Länge zog.
´Bleibt eben das Bügeln für morgen!`
So ganz unglücklich war ich darüber allerdings nicht. Es warten nämlich mindestens zehn Blusen auf mich. Das Aufsammeln der Mini-Scherben wurde mir zu lästig. Ich holte den Staubsauger und hatte ein paar Minuten später eine Sorge weniger. Den Mitmietern das Saugen in der Mittagszeit zu erklären ... Damit ließ ich mir Zeit bis zum nächsten Morgen. Um mich von dem Schrecken zu erholen, legte ich kurz die Beine hoch.´Kurz` endete jedoch so, dass ich viel geplagte Hausfrau und Mutter sofort meinem Kind ins Traumland folgte, in dem mir zum Glück nicht etwa riesige Lieblingsporzellanscherben begegneten.
Ein lautes Quieken riss mich aus dem Schlaf. Kinder mögen keine sich ausruhende Mutter! Dann werden sie erstaunlich aktiv. Genau wie nun meine Kleine. Ich eilte hinzu, nahm sie auf den Arm und knuddelte sie. Leider erinnerte ich mich ausgerechnet in jenen Minuten an die fertige Wäsche in der Maschine ein, die darauf wartete, aufgehängt zu werden. Andernfalls hätte ich morgen noch mehr Bügelwäsche.
Die Waschmaschine stand im Schlaftrakt, der durch eine Tür vom Wohn- und Essbereich getrennt war. In der großen Diele davor befand sich die Essecke, Tisch mit vier Stühlen. Das wahrlich tolle Scherbendesaster hatte ich schon fast wieder vergessen, setzte meine Kleine hastig in der Diele auf den Teppich, spurtete in den Arbeitsbereich und lehnte die Verbindungstür fest an, damit meine Tochter sich nicht etwa noch durch die nasse Wäsche wühlen sollte. Mehrmals horchte ich nach vorne. Aber von dort war nichts Verdächtiges zu hören. Ich atmete auf. Es schien ja alles in Ordnung zu sein. Wenig später nahm ich Kurs auf die Diele und kündigte mich sicherheitshalber lautstark an:
„Kleines, Mama kommt!"
Fröhliches Lachen war die Antwort.
Vorsichtig lugte ich durch den Türspalt. Prompt war die Mini-Erholung der Mittagsstunde vergessen. Denn hoch auf dem Tisch thronte mein Nachwuchs und kaute munter auf einem der Stoffsets herum. Weil mir das Wohl meiner Kleinen äußerst wichtig war, hob ich das Mini-Äffchen, für dessen Kletterakt eindeutig ein Stuhl Hilfe geleistet hatte, fix vom Tisch herunter. In der rechten Patschhand umklammerte es noch immer das Set. Ich dachte:
´Sie hätte sich die Arme, die Beine oder gar das Genick brechen können!`
Diese Erkenntnis machte mir extrem zu schaffen und ich fühlte mich auf einmal sehr schlapp. Mit meinem Kind auf dem Arm wankte ich ins Wohnzimmer und plumpste groggy aufs Sofa.
´Es reicht mir. Schluss für heute!`
Damit jedoch war ich wieder sehr einverstanden.