Eine unvergessliche Weihnachtsfreude
Von
tastifix
12.12.2021, 06:45 – geändert 12.12.2021, 19:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
12.12.2021, 06:45 – geändert 12.12.2021, 19:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Es war die Nacht vor Weihnachten. Alles lag tief verschneit. Der Mond und die Sterne am wolkenlosen Winterhimmel verzauberten mit ihrem Licht die kleine Stadt, die umliegenden Felder und auch den Wald in eine glitzernde Märchenlandschaft. Im dichten Tannenwald neigten sich die Zweige unter ihrer weißen Decke charmant dem Boden zu. Den Spazierweg, der durch diesen romantischen Traum zu dem nahe gelegenen Ort führte, bedeckte ein tiefer, von Spuren der Tiere des Waldes noch unberührter Schneeteppich. Es lag eine wunderbar friedliche Stimmung über allem, wie es sich alle Menschen für Festtage ersehnen.
Da formte sich oben am Himmelszelt eine silbern schimmernde Straße aus Mondschein und leitete hinunter bis auf jenen Weg. Helles Klingeln sang vom weitem ein frohes Lied. Es klang näher und näher und wurde dabei ständig lauter. Und kurz darauf setzten zwei mit leuchtend rotem Zaumzeug geschmückte Rentiere, einen Schlitten hinter sich her ziehend, die zierlichen Hufe auf diesen Teppich aus Pulverschnee. Langsam trabten sie voran. Bei jedem Schritt bimmelten die am Zaumzeug schaukelnden Glöckchen ihre lustige Melodie.
Auf dem Schlitten saßen zwei Engelchen in goldgelben Gewändern. Überall auf der Welt hatten sie in dieser Nacht bereits mit Schleifen liebevoll verzierte Geschenke an die Menschen verteilt. Jedesmal, wenn sie eine der Gaben vor einer Tür ablegten, fühlten sie sich froh, denn sie ahnten, wie sehr sich die Kinder, aber auch die Erwachsenen über die Päckchen freuen würden.
Aber jetzt war fast alles abgeliefert und sie sehnten sich zurück in ihre Engelsburg mit der tollen Backstube. Es hatte soviel Spaß gemacht, bei lieblichem Gesang die vielen leckeren Plätzchen zu backen. Ein paar davon hingen nun sogar an der hohen Himmelstanne neben der Burg.
„Das sieht so schön aus!“, meinte das eine Engelchen.
Aber noch durften sie die Heimreise nicht antreten, denn auf dem Schlitten lag noch ein letztes winziges Paket. Schnell vergewisserten sie sich erneut der Adresse, denn sie wollten sich auf keinen Fall so kurz vor Arbeitsende noch verfahren.
„Eigenartig: Ein solch kleines Geschenk und ... für diese Familie in der Villa am Stadtrand bestimmt??“
„Vielleicht ist etwas ganz Besonderes darin!“, entgegnete das andere.
Doch sie mussten sich sputen, denn die Nacht neigte sich schon ihrem Ende zu und sie hätten noch vor Tagesanbruch die Erde wieder zu verlassen. Eines der beiden Engelchen schnalzte laut mit der Zunge. Leise knirschte der Schnee unter den Kufen, als die Rentiere daraufhin gehorsam voran galoppierten. Wahrscheinlich wollten diese braven Helfer des Christkindes ebenfalls endlich zurück in ihren himmlischen Stall, in dem bestimmt schon ein Belohnungshappen auf sie wartete.
An den Feldern entlang glitt der Schlitten auf den Ort zu. Noch zweimal fuhr er um eine Biegung, dann hielt er vor einem hübschen Haus. Eilig sprang das eine Engelchen vom Schlitten, griff sich das Päckchen und versteckte es seitlich der Eingangstür unter dem Briefkasten. Rasch trippelte es zurück. Die beiden Engelchen schauten sich an:
„Fertig!!“
Sehnsüchtig blickten sie nach oben zum Mond:
„Lieber Mond, wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Bitte, leite uns nachhause!“
Und ihre vierbeinigen Kameraden scharrten flehend mit den Hufen dazu.
Zufrieden betrachtete der Mond den nun leeren Schlitten. Wieder malte er die schimmernde Straße aus Mondlicht. So, wie diese sie zuvor hernieder auf die Erde geführt hatte, leitete sie jetzt den Rentierschlitten höher und höher gen Himmel. Unten auf der Erde aber lag die Schneedecke auf dem Spazierweg so unberührt wie zuvor. Nichts wies mehr auf das kleine Wunder hin, dass sich dort abgespielt hatte.
Im Haus stand kurz vor Tagesanbruch ein kleines Mädchen am Fenster und guckte wehmütig zum Sternenmeer.
´Es ist doch Weihnachten … !?`
Und es schluckte.
Weil im Haus alles noch still war und auch nirgendwo etwa Licht brannte, kroch es bedrückt wieder ins Bett, drückte sein Stofftier an sich und schlummerte wieder ein.
„Amelie, aufstehen!!“
Verschlafen blinzelte Amelie ins Helle und schaute ins lächelnde Gesicht ihrer Mutter.
„Komm! Wir wollen ja noch das Wohnzimmer schmücken und den Tisch decken ...“
Da sprang die Kleien aufgeregt aus dem Bett. Nach dem Frühstück holten Mutter und Tochter den Weihnachtsschmuck aus dem Keller: Rote Kugeln, hübsche Figuren zum Anhängen und außerdem noch ein schönes Karrusell aus Holz mit Maria, Josef, dem Jesuskind in der Krippe und auch mit Esel und Ochse. Es fand seinen Platz mitten auf dem Tisch zwischen zwei Schalen mit selbstgebackenen Plätzchen. Zimtsterne und Vanillekipferl waren es. Die mochte Amelie besonders gern. Jeden Teller schmückten sie mit einer zu einem Stiefel gefalteten hübschen Weihnachtsserviette, legten einen kleinen Schokoladennikolaus darein und neben ihn noch einen winzigen Strohstern. Für den Abend hatten sich zwei Tanten mit ihren Familen angekündigt.
Als alles fertig vorbereitet war, legten sie die Geschenke unter den Baum. Amelie lehnte stolz ein selber gemaltes Bild gegen den Stamm, denn sie hatte sich sehr viel Mühe gegeben. Doch sah man ihr an, dass sie anscheinend über etwas grübelte. Die Mutter lenkte sie schnell ab:
„Guck mal nach, ob Post im Briefkasten ist!“
Das ließ sich Annelie nicht zweimal sagen, stieg fix in die Gummistiefel und stapfte zum Briefkasten. Kurz darauf hielt sie mehrere Weihnachtskarten von entfernt wohnenden Verwandten und Freunden in der Hand, betrachtete die niedlichen Motive und träumte prompt ein wenig vor sich hin. Dabei guckte sie zufällig zu Boden.
„Ooh!!!“, entfuhr es ihr.
Gespannt hob sie ein winzige Paket auf und rannte ins Haus zur Mutter.
„Für Dich!“, verriet diese.
Am liebsten hätte Amelie gleich nachgesehen, was wohl drin war, aber sie musste sich bis zum Abend gedulden. Kein Wunder, dass es ihr während des Weihnachtsmahles sehr schwer fiel, brav auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, bis alle aufgegessen hatten. Als es dann soweit war, dass alle ihre Gaben auspackten, erlaubte die Mutter:
„So, jetzt darfst du es öffnen!“
Gespannt riss Annelie das Papier auf. Gespannt guckte sie auf ein rotes Kästchen. Als sie den Deckel aufklappte, fiel ihr ein Zettel entgegen. Weil sie noch nicht lesen konnte, sagte ihr die Mutter, was darauf geschrieben stand. Plötzlich war alle Wehmut vergessen, über Amelies Gesicht glitt ein frohes Leuchten und sie betrachtete neugierig das winzige, liebevoll umwickelte Geschenk …
Weil Weihnachten war, durften die Kinder länger aufbleiben und tobten übermütig herum - allen voran Amelie - und beschäftigten sich mit den neuen Spielsachen.
Stunde um Stunde verging. Es war schon sehr spät geworden, als es plötzlich schellte. Erstaunt sahen sich alle an:
„Jetzt noch, um diese Zeit??!“
Amelies Kinderherz klopfte heftig. Es war, als ob sie etwas ahnen würde … Mit hochroten Wangen vor Aufregung rannte die Kleine zur Tür und öffnete. Vor ihr stand strahlend ein hochgewachsener Mann, ihr Vater. Mit einem lauten Jubelschrei fiel Amelie ihm um den Hals. Er drückte sie so fest an sich, als ob er nicht nur zwei Wochen, sondern gar Monate weg gewesen wäre. Ja, der Geschäftsmann hatte keine Kosten und Umstände gescheut, um Weihnachten doch noch mit seiner Familie verbringen zu können.
Und was hatte Amelie so froh gemacht, als sie sich jenes kleine Päckchen angesehen hatte? Auf den Zettel hatte er geschrieben:
´Mein Kleines! Leider kann ich nicht bei Euch sein, aber Du sollst wissen, dass ich an Dich denke!`
Und auf dem winzigen Schokoladenherzchen darunter stand:
´Ich hab Dich sehr lieb!! Dein Papa`
Überglücklich schlief Amelie an diesem Abend in den Armen ihres Vaters ein. Dieses Weihnachten würde sie nie wieder vergessen.