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Ein wunderschöner Traum

Von tastifix Mittwoch 18.01.2023, 16:05 – geändert Samstag 17.06.2023, 12:05

Erschöpft sank ich abends ins Bett, kam gar nicht mehr dazu, die Ereignisse des Tages Revue passieren zu lassen, sondern schlief sofort ein.

Plötzlich schreckte ich auf. Irgendjemand zupfte wie ungeduldig am Ärmel meines Nachthemdes. Vielleicht, dass eine meiner Töchter …?
„Wie, ist es denn schon Morgen?“
Blinzelnd öffnete ich die Augen. Nein , es war mitten in der Nacht, aber dennoch taghell im Raum und, am Fußende meines Bettes stehend, schaute mich jemand unverwandt an.
"W..Wer bist Du?", stotterte ich.
„Keine Angst. Ich bin Gabriel, Dein Schutzengel und soll Dich abholen!“
„Ja, aber wohin denn?“,stammelte ich völlig durcheinander.
„Frag nicht und folge mir!“
Gabriel hielt mir ein bodenlanges Seidenkleid entgegen. Ohne noch zu grübeln, warum, wieso, weshalb schlüpfte ich hinein. Es passte wie für mich genäht und ich fühlte mich wie eine Prinzessin. Gabriel öffnete derweil weit das Dachfenster und ergriff meine Hand.
„Nur Mut!“

Lautlos schwebten wir nach draußen und immer höher in den nachtblauen Himmel hinauf. Die belastenden Gedanken um alltägliche Sorgen und Probleme waren bedeutungslos geworden. Stattdessen empfand ich die Freude eines Kindes, dem eine Überraschung zuteil werden soll.
„Na, aufgeregt?“, fragte Gabriel lächelnd.
„Z..Ziemlich! Ich flieg` ja nicht jede Nacht hier ´rum!“
„Genieße es!“
Und geheimnisvoll setzte er hinzu:
„Es ist Deine Nacht!“
Deswegen irritiert die Stirn zu runzeln, wäre unhöflich und zudem ebenso unpassend gewesen. Dagegen beobachtete ich meinen Schutzengel aufmerksam.
´Nicht, dass ich mich beim Fliegen blamiere!`
Gabriels Miene nach zu urteilen, war anscheinend alles okay. Eifrig bemühte Ich mich um eine möglichst korrekte Flughaltung, breitete die Arme zur Seite aus und hielt die Beine völlig ruhig. Es strengte überhaupt nicht an und ich fühlte mich leicht wie eine Feder. Wir flogen an vielen Sternen und Monden vorüber. Die Sterne grüßten blitzend und die Monde beleuchteten mit ihrem Schein unseren Weg. Nichts störte den tiefen Frieden.

„Gleich sind wir da!“, kündigte Gabriel an.
Kurz darauf erblickte ich in der Ferne ein weißes Gebäude. Je näher wir kamen, umso prächtiger erschien es mir. Es war ein herrliches Schloss. Als wir dort ankamen, formten sich breite weiße Treppenstufen, die uns weit nach oben bis zu einem geschwungenen Portal führten. Dessen Hälften glitten einladend auseinander und wir betraten einen großen Saal. An den Wänden hingen Halter mit leicht flackernden Kerzen. Davor wuchsen in goldenen Gefäßen die schönsten Pflanzen, die ich je gesehen hatte. Die riesigen Blüten hatten alle nur vorstellbare Farben und dufteten wundersam wie das edelste Parfum, welches wir auf Erden kennen. Ringsum standen weiße Sofas mit verschnörkelten Rücken- und Armlehnen und davor grazile weiße Tische.

„Wo sind wir hier?“, fragte ich Gabriel.
„Im Schloss der Engel. Hier bin ich zu hause.“
„Ach bitte, zeigst Du mir alles? Werde ich auch andere Engel kennenlernen??“
Er nickte.
„Wir besuchen gleich unsere Jungengel. Hm, sie wissen von Dir, aber Du kennst sie gewiss nicht, oder?“
Ich schüttelte den Kopf.
´In den Reliongsstunden hab ich es vorgezogen, unterm Pult Mickymaus zu lesewänden! Gut nur, dass er nicht weiter nachfragt!`

Als ich alles gebührend bewundert hatte, geleitete mich Gabriel in ein sehr liebevoll gestaltetes Kinderzimmer. Vor den blütenweißen Wänden standen weiße Spieltische, auf den Fensterbänken rankten weiße und rote Rosen, auf dem Boden lagen bunteTeppiche aus Blütenblättern. Die Jungengel sahen reizend aus. Unter goldblonder Lockenpracht lachten mir blitzblaue Augen entgegen. Über ihren weißen und roten Kleidern trugen sie weiße Schürzen.
Sie bestürmten mich mit Fragen:
„Wie ist es bei Euch auf der Erde? Was spielen denn Eure Kinder so?“
Ich erzählte und erzählte. Ab und zu unterbrach mich ein Engelchen.
´Die sind genauso neugierig wie unsere Kleinen!`
Als ich alles beantwortet hatte, bat mich ein Jungengel:
„Komm mit! Ich zeig Dir etwas!“
Er öffnete einen hohen Schrank.
„Sieh mal! Das haben wir alles selber gebastelt. Wir malen schon jetzt Weihnachtskarten fürs nächste Fest, binden hübsche Adventskalender, werkeln Tannenbaumkugeln und schnitzen Holzengel und die Tiere für die Weihnachtskrippen. Das ist nämlich viel Arbeit. Bei den Krippen helfen uns die Älteren allerdings. Dabei helfen uns die Großen allerdings. Das ist noch sehr schwierig für uns."
Ich staunte:
´Meine Güte. welche Mühe sie sich gegeben haben!`
Die Holzengel trugen bunte Gewänder mit zarten Mustern, den Ochsen und Eseln hatten sie braun-weiß geschecktes Fell aufgemalt und die Kugeln glänzten in zig Farben.

Die Jungengel fassten mich an den Händen und wir schwebten ins nächste Zimmer. Dort standen Notenständer und auf denen lagen Musikhefte für die Posaunen- und Geigen bereit, die ringsum an den Wänden lehnten. Mit vor Stolz geröteten Wangen spielten mir ein paar Engelchen auf ihren Geigen eine liebliche Melodie vor. Ergriffen lauschte ich und hätte stundenlang zuhören mögen.
Doch, während ich ihnen noch verzückt lauschte, stieg lichter Nebel auf und verhüllte die Engel mehr und mehr. Eigentlich wollte ich noch darum bitten,dass sie nicht gehen sollten, aber ihre Gestalten hatten sich schon im Nebel verloren.

Auch von dem Raum war nichts mehr zu sehen. Dagegen fand ich mich in einem mit Rundbögen geschmückten Gang wieder. Auf dem Rücken trug ich zwei durchscheinende Flügel und ich war gewandet in eines jener leuchtenden Engelsgewänder, die ich vordem so sehr bewundert hatte. Neben mir stand Engel Gabriel und breitete schützend seine Flügel um mich.
„Ich verstehe nicht ...“
„Du musst nichts verstehen. Freue Dich!“
Er führte mich vor einen golden umrahmten Spiegel. Fasziniert betrachtete ich mich.
„Ich bin ja ... Aber, wie das?“
„Du sollst als einer von uns den Herrgott schauen dürfen.“

Wir schwebten durch prächtige Säle. Lautlos öffneten sich mit Schnitzereien verzierte Türen und genauso leise schlossen sie sich hinter uns wieder. Je weiter wir kamen, umso heller wurde es und bald leuchtete das Licht dermaßen gleißend, wie ich es auf Erden noch nie gesehen hatte. Schließlich blieb Gabriel vor einem goldenen Eingang stehen, half mir beim Zusammenfalten der Flügel und sprach ein kurzes Gebet. Mir war der Blick geschenkt in einen überaus prachtvollen Saal. Die Wände waren mit wunderschönen Mosaiken geschmückt, die vom Leben Jesu auf Erden erzählten und ringsherum luden Stühle mit hohen Lehnen zum Verweilen ein. Am Kopfende des Saales aber erblickte ich den rubinroten Thronsessel des Herrn.

Da vernahm ich eine überirdisch feierliche Musik. Gabriel sank andächtig auf die Knie, ich tat es ihm nach. In einem Strahlenkranz erschien der Schöpfer. In seiner linken Hand flammte eine rote Kerze, das Symbol für Liebe und Frieden. Er trat zu mir und segnete mich:
„Nimm dieses Licht und bringe es den Menschen. Es soll ihnen Trost und Freude in ihrem Leben sein!“
Mit bebenden Fingern umschloss ich die Kerze. Ich wollte etwas entgegnen, ihm danken, aber ich brachte kein Wort über die Lippen. Wieder legte Gabriel seine Flügel um mich. Glücklich schloss ich die Augen.

Als ich sie wieder öffnete, waren sowohl Engel Gabriel wie auch das himmlische Schloss verschwunden, ich wieder allein. Daheim in meinem Bett liegend, dachte ich, dass alles wohl doch nur ein Traum gewesen war. Aber dort auf meinem Nachttisch leuchtete noch immer jene Kerze in ihrem goldroten Schein.

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