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Ein Vampirkind und sein großer Kummer

Von tastifix Mittwoch 19.10.2022, 15:44 – geändert Donnerstag 20.10.2022, 08:26

Familie Flatterbeiß - Mutter, Vater und vier Kinder - bewohnte ein herrschaftliches Vampirschloss. Man hätte annehmen können, dass sie dort sehr zufrieden lebten ...

Dagegen hatten die Eltern große Sorgen. Bereits seit fünf Jahrhunderten brauchten sie Nerven wie Drahtseile, denn der Sohnemann Vampi, nun Vorschulkind, stellte jene auf eine arge Zerreißprobe, trotzte und ärgerte sie bis zum Gehtnichtmehr und wurde dabei ständig unverschämter.
"Pööh! Mach ich nicht!"
Ärgerte er sie mal aunahmsweise nicht, dann nervte er sie vom frühen Abend bis zum nächsten Morgen mit unentwegten Fragen:
"Weshalb ,wieso, warum?"
Sie fühlten sich inzwischen, als ob sie bereits Löcher im vampirlichen Bauch hätten.

Eines Nachts überspannte Vampi den Bogen, spuckte ihnen ein Blutsaftgetränk frech vor die Füße und meckerte unbeirrt weiter.
„Wenn Du nicht endlich Ruhe gibst, bekommst Du statt köstlichen Blutes vergammelten Tomatensaft zu trinken!“, schimpfte Vater Vampir und die Mutter nickte dazu.
„Bekloppte Erwachsene!!", brüllte Vampi.
Weil sowieso bereits der Morgen nahte, kletterte er, genauso beleidigt wie auch arg müde, in seinen Kindersarg, klar, ohne Mutter und Vater einen guten Tag zu wünschen. Doch aus dem Einschlafen wurde nichts, denn ...

„Komm, reg Dich nicht auf. Bald ist er in der Schule. Spurt der dort nicht, muss er bis kurz vor Sonnenaufgang draußen sitzen!“,tröstete Vater Vampir seine Frau.
„Nein, oh nein! Nicht, dass ihm etwa …!“, jammerte die Mutter. "Wenn ich doch nur wüsste, wich ich ihn dazu bringen könnte, sich artgemäß zu benehmen?“
Prompt wurde Klein -Vampi erneut duftsauer und schnellte in seinem Sarg in die Senkrechte.
„Ich soll Menschen beißen? Mach ich nicht!!"
„Junge, aber ohne Blut zu trinken wirst bald verhungern!“
„Wieso? Ihr wollt mir doch zur Strafe sowieso Tomatensaft geben. Dann trinke ich eben den jahrhundertelang. Mir doch egal!“, trumpfte Vampi frech auf.
„So nicht! Also, mein Junge: Dermaßen viel Tomatensaft könnten wir gar nicht klauen! Du gehorchst jetzt und morgen Nacht übst Du schon mal das Beiß-ABC!!“
„Nöö!“
„Und ob!“
„Pööh! Ich komm nicht mit. Ich bleib` hier!"
Und Vampi legte sich wieder hin, kuschelte sich in die weichen Tücher mit all den leuchtenden Monden sowie Sternen darauf und wollte schon den Sargdeckel zuklappen, als er sutzte.
´Die zanken sich ja ...`
„Ich finde es ziemlich eigenartig, wie er sich verhält! Man könnte ja fast denken, das Vampi gar kein wirklicher Vampir ist!“
„Wie bitte? Willst Du damit etwa andeuten ...“, entrüstete sich seine Mutter, „Ich bin mir jedenfalls keiner Schuld bewusst. Aber Du vielleicht! Vielleicht hast Du ja ´nen Techtelmechtel mit einer Menschenfrau gehabt, bevor Du dann zugebissen hast!“
„Hääh? Du spinnst doch!!"
Ohne sie noch eines Blickes zu wüdigen, verschwand Vater Vampir in ihrem Doppelsarg. Mutter Vampir dachte gar nicht daran, ihm nun dort Gesellschaft zu leisten und legte sich in einen anderen. Der war zwar nicht ganz so gemütlich ausgestattet, aber dies war ihr total egal. Aufgewühlt grübelte sie noch ein Weilchen. Plötzlich aber hatte sie die einzig passende Idee:
´Ja, das werde ich ihm vorschlagen. Dann ist der blöde Streit bestimmt aus der `Nacht!`
Ruhiger geworden, schlummerte sie endlich ein.

Am nächsten Abend erhoben sich beide, noch immer etwas missgelaunt, aus den Särgen.
„Lass uns mit Vampi zum Vampiroberarzt fliegen. Der kriegt bestimmt raus, was los ist!"
Leise knurrend erklärte sich Vater Vampir denn einverstanden und sie weckten Vampi, der, ebenfalls schlecht gelaunt, aus dem Sarg krabbelte.
„Vampi, wir flattern jetzt zum Arzt. Der soll mal mit Dir reden!"
Vampi murrte los, aber musste gehorchen.

„Weshalb willst Du denn nicht beißen?“, fragte der Vampiroberarzt dann später.
„Blut schmeckt iih! Außerdem tut Beißen weh und ich will Menschen nicht wehtun!“
„Vampi, vergiss nicht, was die mit uns machen, wenn sie uns erwischen!“, mahnte der Arzt.
Vampi druckste herum.
„Oder - gibt’s da etwa ein Geheimnis … ?“
Verlegen guckte der Kleine ihn an. Weil der Arzt ihn so fürsorglich ansah, rückte er endlich mit der Sprache heraus.
„Ach herrjee!! Und Deine Eltern ahnen nichts davon?“
Kleinlaut schüttelte Vampi den Kopf.
„Sie sind wieder daheim. Wir fliegen jetzt hin und Du sagst es ihnen!“
„Aber, dann krieg ich Sonnenaufgangswartestrafe!“, flüsterte der Kleine.
„Keine Sorge. Ich bin ja da und helfe Dir.“
„Wirklich? Und ich muss nicht … ?“
„Nein,“ lachte der Arzt, „warte ab!“
Nach kurzem Flug erreichten sie das Schloss und ließen sich durch den Kamin direkt ins Wohnzimmer plumpsen, wo Mutter und Vater Vampir immer noch ziemlich ratlos diskutierten.
„Huch! Das ging aber fix!“

„Und, Herr Doktor. Ist alles in Ordnung?“
„Vampi ist ein ganz normaler Vampir!“
„Aber ,wieso dann ...?“
„Vampi, jetzt bist Du dran ...“, meinte der Arzt.
„ Ja, also, ich hab ... „, stotterte der.
Die Eltern schauten gespannt.
„Vampi, was ist denn?“
Vampi schaute hilflos zum Arzt. Der nickte ihm aufmunternd zu.
„Es fällt ihm jetzt sehr schwer, es zu sagen ...“, warf der Arzt ein.
Mutter Vampir fragte ängstlich:
„Hat Vampi etwas angestellt?“
„Nein, und doch ...“
„Wiiieee?“
„E..Es ist ganz a..anders ...“, stammelte der Kleine.
„Vampi, sag` es jetzt endlich!“
Selbst der Herr Doktor Vampiroberarzt wurde ein bisschen ungeduldig.

Der kleine Vampir stotterte und stotterte und so erfuhren die Eltern endlich die Wahrheit. Entsetzt schauten sie ihren Sohnemann an:
„Aber Vampi, Du weißt doch, dass … !!“
„Mama, Papa, ja, aber …“
Es klang furchtbar jämmerlich und der Vampiroberarzt fand es an der Zeit, dem Kleinen beizustehen.
„Herr und Frau Flatterbeiß, vielleicht machen Sie sich unnötig Sorgen. Wissen Sie was? Ich werde Erkundigungen einziehen und gebe Ihnen dann schnellmöglichst Bescheid!“
„Ja, Herr Doktor, das wäre sehr hilfreich. Wenn ich nur darüber nachdenke, was alles passieren könnte … Mir wird ja jetzt schon ganz anders!“, schluchzte Mutter Vampir.
„Wir wollen erst mal warten, was uns Herr Doktor Vampiroberarzt dann zu berichten hat!“, beruhigte sie Vater Vampir.
„Sie können sich auf mich verlassen. Ich melde mich dann sofort!“, verabschiedete sich der Arzt.

Schon zwei Abende später besuchte er sie wieder.
„Alles, was Vampi erzählt hat, stimmt! Alles über seine Freundin und auch genauso das über deren Eltern. Es handelt sich um eine ungewöhnlich friedfertige Menschenfamilie und die Kleine ist ausgesprochen süß und gut erzogen! Als einzige Schutzmaßnahme gegen Vampirangriffe haben sie sich erlaubt, Knoblauch vor die Fenster und Türen zu hängen. Mehr nicht. Waffen hab ich nicht gesehen. Auch keine Hammer und Spieße!“
Vater Vampir grübelte kurz.
„Hm, aber ob das alles nicht doch zu gefährlich ist …?“

Bettelnd sah Vampi seine Eltern an.
„Bitte Mama, bitte Papa!!“
Mutter und Vater Vampir sahen den Blick ihres Kleinen und seufzten:
„Also, Vampi: Wenn Du zukünftig brav die Menschen beißt, die so gemein zu uns Vampiren sind und sogar versuchen uns zu töten, dann darfst Du weiterhin mit Deiner Freundin zusammenbleiben und wir versprechen Dir auch, weder ihr noch ihrer Familie je etwas anzutun!“

Vampi strahlte, versprach es ganz fest und auch die Eltern hielten sich an ihr Versprechen. So geschah es, dass eine Menschenfamilie und eine Vampirfamilie Freunde wurden.

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