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Ein überirdischer Schock

Von tastifix Donnerstag 27.01.2022, 09:19 – geändert 20.02.2022, 09:53

In der Hölle hatte der Teufel versucht, die Unterteufel bei ihrer Arbeit bei Laune zu halten. Die meinten neuerdings, weil sie ja die Sünderseelen in alle Ewigkeit garten, hätten sie jetzt mal das Anrecht auf etwas Frohsinn. Dort unten herrschten ja allein Gebrüll sowie Mord- und Totschlag.

Während des Ausnahmebesuches im Himmel beschwerte sich der Höllenchef:
„Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt angelangt. Selbst uns Teufeln wirds zuviel. Überall wird von Zeit zu Zeit ´Erholung` gewährt. Weshalb bei uns dann nicht? - ´Kann ja leider nur im Bösen wirken ..., grr! ´Erholung` ist ja ´Gutes`!`
Zur seiner Verblüffung wiegte Gott das weise Haupt lange hin und her. Den hatte er eigentlich für den fixesten Denker überhaupt gehalten.
„Wie man sich doch täuschen kann ... “, murmelte er enttäuscht.
„Wiiee?“, blickte der Schöpfer ihn irritiert an. „Was meintest Du eben so richtig?“
´Noch nicht wieder ganz da!`, dachte der Teufel und erklärte:
„Meine Unterteufel fluchen ´rum, dass sich die Mistgabeln biegen!“
„Fluchen ist eine Todsünde!“, brauste Gott auf.
Sicherheitshalber fragte er denn nicht, welche Unverfrorenheiten die von sich gäben. Denn er wollte seine Allwissenheit nicht in Zweifel gezogen wissen. Dies war ihm Ichgottswichtig. Wie stünde er sonst da, als ein nur halb wissender Schöpfer?
„Meine Geschöpfe würden mir auch die Allmächtigkeit nicht mehr abkaufen. Ich wäre gezwungen, dem Kerl hier mein ganzes Werk zu überlassen!“
Seinen Magen begann arge Übelkeit zu quälen.
„Ruhig!“, redete Gott auf ihn ein. „Nooch ists nicht so weit!“
Allein, stellte er sich die teuflischen Kochkessel dann in der Himmelsbackstube vor ...
„Oh nein!!!“

Immer noch wartete der Höllenchef auf Antwort. Zum Glück versagte nun des Meisters Allmächtigkeit nicht. Schleunigst gebot er den ihn heimsuchenden Horrorvorstellungen Einhalt und konzentrierte sich wieder auf das verflixt unangenehme Gespräch.
„Ääh ...“, schindete er noch Nachdenkzeit heraus.
Überdachte er die Dauer der Ewigkeit, so wusste er für diese Verzögerungstaktik auch die passende Ausrede:
´Was bedeuten denn dann schon ein paar Minuten länger Geduld?`
„Jahaah … !?“, hakte der Teufel nach.
Eindeutig hatte der weder an die Ewigkeit noch an ´Geduld` einen Gedanken verschwendet. Dagegen wirkte er inzwischen eher extrem ungeduldig:
„Wie ist das nun mit ´nem Quantum Frohsinns für uns!?“
„Warum hab ich dem nur soviel Hartnäckigkeit zugestanden?“, warf Gott sich ärgerlich vor.
Doch hiermit würde er klar kommen. Es galt, unbedingt seinen Ruf, allmächtig zu sein, zu verteidigen.

„Bist Du Dir eigentlich darüber im Klaren, was Euch dann erwartet?“
Nervös kratzte Gott die heilige Stirn, hinter der sich zum Glück viel tat.
´Ja auch genügend!`, beschwor er das göttliche Gehirn.
Dieses arbeitete auf Hochtouren.
„Etwa Konsequenzen?“, hakte der Teufel misstrauisch nach. „W..Welche denn?“
Die dürften höchstens Erholung sprich grenzenlose Faulheit bedeuten! Weder grölenden Unterteufel noch schreiende Sünderseelen und endlich mal keine verbogenen Mistgabeln mehr. Stattdessen Amüsement plus himmlische Menüs, die garantiert überirdisch gut schmeckten. Ja, er müsste aufpassen, dass seine höllischen Diener ihm nicht gar untreu und dann sogar zu guten Engeln mutierten.
Tja, es war geradezu erschreckend, wie sehr konträr die Überlegungen der beiden Regenten liefen.

Die Eröffnungen, die nach Ende der herrgöttlichen 'Grübelpause erfolgten, versetzten dem Teufel den größten Schock seines bisherigen Lebens. Nachdenklich musterte der Chef des Himmels den Herrscher der brodelnden Feuersbrünste. Überschwänglich dankte er sich, dass ausschließlich ihm die uneingeschränkte Wahl der Strategie gegeben war.
„Hier gelten meine Regeln und nach denen haste Dich zu richten. Aauusnaahmslos!!“
´Na ja`, dachte der Teufel, ´ein paar Kompromisse werd` ich wohl eingehen müssen!`
Trotz dieser quälenden Erkenntnis brachte er noch ein angestrengtes dünnes Lächeln zustande. Es war Kompromiss Nummer Eins. ´Kann ich zur Abwechslung ja machen. Ununterbrochenes Zähnefletschen strapaziert den Kiefer.`
´Der ist tatsächlich guten Willens!`, erkannte Gott. - „Es ist Dir hoffentlich klar, dass ich weder Schwefelgestank noch Fluchen dulden werde!“
´Ich hab`s ja geahnt: Es wird äußerst ungemütlich!` - „Noch nicht einmal ein winziges ´Schei …?“, grummelte der Teufel.
„Ein einziges Mal nur und Du fliegst raus! - Außerdem werden Deine Teufelskinder gemeinsam mit den kleinen Engeln den ganzen Tag lang Psalmen singen und Halleluja rufen!“
„W..Wie b..bitte?“
Dem Teufel war es extrem unbehaglich zumute, denn er hämmerte denen gerade das sämtliche unterirdische Sprachrepertoire ein und die lodernden Bemühungen fruchteten toll. Die Kleinen fluchten bereits dermaßen krass, dass es selbst den hitzigsten der Unterteufel dabei fast zu heiß wurde.

Heimlichkeiten waren im Himmel verpönt. Dennoch rieb sich der Herrgott im Anblick des geknickt dort stehenden Teufels vergnügt heimlich die Hände.
´Weiter soo!`, sagte er sich. - „Und die etwas Älteren werden Nikolaus` Rentiere versorgen und die Osterhasen füttern, anstatt die zum Braten zu verarbeiten!“
„Neeinn, das kannste doch nicht wollen! Sie werden dann vielleicht noch zu Tier-/ Umweltschützern?!“, setzte der Teufel dagegen.
Vor lauter Gram ergrauten bereits die Spitzen seiner höllisch roten Teufelshörner. Leider warf er zufällig einen Blick in den eleganten Bürospiegel und der Schock traf tief.
´Um Höllenswillen!!`
Wenigstens bewies er noch die Energie, nicht den himmlischen Gegenpol anzurufen.
„Und - m..meine Unterteufel …?“
„Die polieren die Wolkenzimmer auf Hochglanzweiß und backen Manna!“
„Nee! Die proben garantiert ´nen Aufstand und wünschen mich zum Teufel!“, jammerte der Höllenfürst.

Hoch erfreut registrierte der himmlische Herrscher:
´Dessen teuflische Fassung ist eindeutig zum Teufel!`
Nicht allein dessen Hörner waren ergraut, sondern auch die Fellspitzen dazwischen lichteten sich erschreckend fix.
„U..Ünd ich?“, wollte der Teufel wissen. „W..as muss i..ich tun?“
Horrorideen bedrängten ihn, die er lieber nicht zu Ende dachte.
„Für Dich habe ich mir eine besondere Freude ausgedacht!“
„Freeuude ... ?“
Der Teufel zweifelte dies tatsächlich stark an, obwohl allein das Anzweifeln nun schon eine erhebliche Mühe für ihn bedeutete.
„Ja, Du wirst heilige Aufträge erledigen, die der Ehre Gottes dienen!“, verkündete der Herr.
„Als da w..wären??“
Seinem Gegenüber schwindelte es zusehens.
„Du wirst mir als Messdiener während der Andachten in der Himmelskapelle zur Hand gehen!
Dies war zuviel! Kreidebleich geworden und mit den Nerven am Ende, vergaß der Teufel den ersehnten Urlaub und entschwand mit einer grässlichen Schwefelstinksalve.
„Den bin ich los!“, triumphierte der Herrscher des Himmels fröhlich.
Doch war in der nächsten Sekunde die göttliche Fröhlichkeit wieder dahin. Gott rümpfte die Nase:
„Petruus!“, rief er seinen obersten Diener zur Stelle.
„Ja, Herr?“, betrat dieser eilfertig das Büro und schnupperte ebenfalls:
„War etwa der T ... ?“
„Ja, war er!", schimpfte der Herrgott.
Ein Blick auf seines Chefs saure Miene ließ Petrus alle Fenster aufreißen. Und auch der Mief war weg.

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