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Ein Tag für die Seele

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 11.10.2022, 18:12

Da ich körperlich nicht mehr so mobil bin und auch kein Auto habe fehlt mir oft schmerzlich der Kontakt mit der Natur. Hier in der Großstadt umgibt mich ein Häusermeer, manchmal gehe ich auf den nahe gelegenen Friedhof und atme Stille,sehe Bäume, Vögel und Eichhörnchen. Ich komme mit meinem Alltag gut zurecht, fühle mich nicht einsam und kenne auch keine Langeweile. Aber diese Sehnsucht bricht immer wieder auf, vor allem, wenn ich an diesen langen Winter denke.

So fragte mich eine Freundin, was ich mir zum Geburtstag wünsche und spontan sagte ich: “Ich möchte so gerne wieder einmal einen Tag in der Natur verbringen.” “Das ist doch ein Wunsch, der einfach zu erfüllen ist. Wir nehmen das Auto, du überlegst dir ein Ziel und wir gestalten den Tag ganz nach deinen Wünschen! "Eine Welle von Freude stieg in mir auf, ich machte Pläne, horchte in mich hinein und eine angenehme Aufregung machte sich breit. Ich entschied mich, nach Neuruppin zu fahren, nicht über die Autobahn, sondern über Landstraßen und kleine Dörfer.

Am letzten Samstag war es soweit, wir ließen die Stadt mit ihren Abgasen und dem Lärm hinter uns, die Sonne schien strahlend vom Himmel, um mich war Weite und in mir Freude und Offenheit für alles, was ich sah. Ich war erstaunt, wie schlecht nach 32 Jahren Wiedervereinigung die Straßen noch waren, aber dafür entschädigten mich kilometerlange, gelb blühende Rapsfelder, viele Kraniche, die sich auf ihren Flug vorbereiteten, es waren kaum Autos unterwegs. Und dann begann ich zu singen: “Aus grauer Städte Mauern fahr'n wir durch Wald und Feld” und meine Freundin stimmte mit ein. An einem kleinen Gasthof hielten wir an, die Sonne war noch so warm, dass wir draußen sitzen konnten, wir tranken Kaffee und aßen ein Eis, ich schloss die Augen und genoss die Wärme auf meiner Haut und die würzige Luft.

Im Internet stand, dass in Neuruppin ein großer Bauernmarkt ist, dort wollte ich hin und frische Gemüse kaufen, aber als wir ankamen war der große Platz leer. Passanten sagten mir, der Markt wäre Samstag nur von 8-10 Uhr geöffnet, da es sich nicht mehr lohnt. Auch sonst war der Platz wie ausgestorben, nur wenige Menschen, geschlossene Geschäfte, die die Pandemie nicht überlebt haben und nur ein einziges Restaurant. Dort kehrten wir ein. Bei einer freundlichen Wirtin bestellten wir uns Rouladen mit frischem Rotkohl und Klößen, es schmeckte wie damals bei unserer Mutter und ein wohliges Gefühl ließ alte Bilder in mir aufsteigen.

Langsam machten wir uns auf den Heimweg, auf der Rückfahrt schlug das Wetter um, es wechselte zwischen Sonne und Regengüssen, der Wind nahm zu und es bildeten sich herrliche Wolkenformationen. Ganz dunkle Wolken mit goldenen Spitzen von der Sonne und helle Strecken mit weißen Wolken, die der Wind ständig in andere Formen blies. Meine Fantasie bekam viel Nahrung. Müde und entspannt brachte mich meine Freundin nach Hause. Ich umarmte sie und dankte ihr für diesen wunderschönen Tag. Es ist so wenig nötig, um glücklich zu sein.

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