Ein schweißtreibender Traum
Von
tastifix
Dienstag 25.05.2021, 10:27
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Von
tastifix
Dienstag 25.05.2021, 10:27
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´Entweder jetzt oder dieses Jahr gar nicht mehr!`, ermahnte ich mich und begab mich an die Arbeit.
In den nachfolgenden zwei Stunden ächzte ich, mit schweren Tüten bepackt, einige Male die Treppe hoch und dann mit leeren Tüten wieder runter.
´Sorge um meine Fitness muss ich mir wohl nicht machen!`, gestehe ich mir derweil insgeheim zu. ´Dass ich als unsportliches Wesen wirklich denn doch so sportlich bin?!!`
Es spornte mich zwar an, aber nicht in dem Maße, dass ich etwa alles im Hüpfen gemacht hätte.
Als mein Werk gegen Abend erledigt war, fiel ich denn noch erledigter ins Bett und schlief sofort ein.
Ich träume oft. Meist sind es romantische oder lustige Träume, aber ab und an ärgern mich welche, auf die ich gern verzichten würde:
Es sausen mir aggressive Horrorspinnen und Killerhornissen entgegen.
Oder ich rase mit einem Wagen so gegen einen Baum, dass er dann eine erschreckende Ähnlichkeit mit einer Ziehharmonika hat. Und dies, obwohl ich doch gar keine Autofahrerin bin.
Oder ich klettere den Mont Everest hoch,erklimme triumphierend den Gipfel, erinnere mich dort leider meiner extremen Höhenangst und falle runter. Dagegen würde ich doch niemals einen Berg besteigen.
Tja, und in dieser Nacht erlebe ich etwas, was weder richtig romantisch noch so unbedingt lustig ist, aber mir wenigstens keine Angstschauder über den Rücken jagt. Wieder ächze ich, dann tonnenschwere Tüten schleppend, auf die Treppe nach oben zu. Ich kann dem nicht ausweichen: Der große Dielenspiegel weiß nichts Besseres zu tun, als mich schuftendes Etwas gehässig zu beleidigen. Mir sieht mein Konterfei entgegen. Selbst im Gesicht dunkelbraune Streifen und auch sonst alles verdreckt von oben bis unten.
´Bääh!`
Keine Ahnung, wieso, aber plötzlich und gänzlich unerwartet stehe ich auf dem Balkon und schlage unter dröhnendem Getöse mit einem Riesenhammer auf etwas ein, wieder und wieder. Spaziergänger rufen mir warnend zu:
„Vorsicht! Sonst haben Sie die längste Zeit ´nen Balkon gehabt!!“
Verständnislos starre ich sie an:
„Wieso? Geht gar nicht anders, machen doch alle so!!“
Sie gucken ziemlich irritiert und ziehen es vor, zur eigenen Sicherheit besser das Weite zu suchen.
Davon unbeirrt haue ich weiter. An meinen Armen zeichnen sich bereits Fitness-Studio-Muskelberge ab. Erst, als ich vor Anstrengung nach Luft schnappen muss, höre ich auf.
„Japps!“
Just in diesem Moment werde ich wach. Nassgeschwitzt liege ich im Bett, das Laken könnte man auswringen. Nachdenklich resümiere ich, was ich am Vortag in Angriff genommen hatte:
Es stimmt, dass ich, mit schweren Tüten bepackt, die Treppe hoch gestapft bin.
Genauso stimmt es, dass ich beim Blick in den Spiegel …
Und es trifft vor allem zu, dass ich auf dem Balkon sehr eifrig zugange und dann in Schweiß gebadet war …
Und doch hat mein Traum gelogen:
Niemals hätte ich die alte Erde in den Blumenkästen mit ´nem Hammer bearbeitet. Nein, aus Dankbarkeit für ihre hervorragenden Dienste war ich viel rücksichtsvoller und somit auch leiser vorgegangen, hatte sie mit der Kinderschaufel vorsichtig heraus gehoben, in diverse Tüten befördert und sie dann draußen entsorgt.
Aufatmend stehe ich auf und besuche meine Pflanzenbabys in den Kästen. Sie winken mir mit ihren frischen Blättchen fröhlich zu. Noch viel lieber würden sie mir bestimmt mit hübschen Blüten für den tollen Einpflanz-Service danken, aber die müssen erst noch wachsen.