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Ein kleines Wunder (Überarbeitung)

Von tastifix Samstag 19.06.2021, 19:00 – geändert Dienstag 13.07.2021, 13:20

Der Einkauf war erledigt und ich hätte nun zufrieden nachhause gehen können. Doch wie so oft blieb ich noch vor dem Blumengeschäft stehen und genoss die Pflanzenvielfalt im Schaufenster. Ganz in der Ecke entdeckte ich eine kleine Palme. Noch sehr jung, schmückte sie sich nur mit vier Wedeln.
„Egal! Sie wächst noch!“
Kurzentschlossen betrat ich den Laden.
„Das Pflänzchen dort vorn soll es sein!“
Die Verkäuferin lächelte freundlich.
„Es wird lange dauern, bis sie groß ist. Das wissen Sie ja!“
„Na klar, aber mir machts Freude, ihr beim Wachsen zuzuschauen, auch, wenn ich viel Geduld aufbringen muss!“
Sie umwickelte den Topf noch mit einem hübschem Blumenpapier.
„Na, dann viel Spaß mit der Kleinen!“

Zuhause mochte ich nicht abwarten, stellte den restlichen Einkauf beiseite, wählte einen
breiten Umtopf, befüllte ihn mit Erde und setzte die kleine Palme behutsam hinein. Etwas Wasser spendierte ich ihr als Willkommensgruß selbstverständlich auch.
„Wir haben Frühsommer. Es schadet Dir bestimmt nicht, draußen zu stehen. Warm genug ist es auch!“
Die Palme vor den kunterbunt bepflanzten Blumenkästen verlieh dem Balkon ein exotisches Flair. Ich setzte mich in den Gartenstuhl, schaute auf das bunte Leben und immer wieder streifte mein Blick das neue Adoptivkind.
„Wachse schön! Ich pass` derweilen auf Dich auf und im Winter wirst Du bei mir im Zimmer stehen!“
Es war so gemütlich und die Sonne streichelte wärmend mein Gesicht. Ich fühlte mich wohl, schloss die Augen und träumte ein wenig vor mich hin …

Wahrscheinlich hatte ich längere Zeit geschlafen, denn, als ich sie wieder öffnete, durchfuhr mich ein heftiger Schrecken. Überall über den Nachbarhäusern und den anliegenden Feldern verdeckten den Himmel schwere, fast schwarze Wolken. Nur über mir und meinem Garten strahlte immer noch die Sonne. Ich hätte mir einbilden können, auf einer schönen Urlaubsinsel zu sein, zudem es obendrein noch viel wärmer geworden zu sein schien. Verunsichert blickte ich zur Seite.
´Das kann nicht sein! Ich träume bestimmt noch!`
Ich blinzelte, aber es änderte sich nichts. Meine Palme war nicht länger ein Winzling, sondern neben mir streckte ein prächtiger hoher Baum der Sonne seine weit ausladenden Wedel entgegen, die, von leichtem Wind bewegt, mir angenehme Kühlung bescherten. Trotzdem noch beobachtete ich mit Sorge den dunklen Himmel in der Nähe.
„O je!“

Wenig später begann es zu tröpfeln. Doch hier in meinem Blumenparadies blieb es trocken und auch die Sonne schien weiterhin auf mich herab. Es war ein gespenstischer Anblick, hier die gleißende Helligkeit, dort jene bedrohliche Düsternis. Der Regen wurde stärker, es rauschte. Doch schon nach einer kurzen Weile fielen nur noch wenige Tropfen und erneut zeigte sich die Sonne. Unwillkürlich betrachtete ich den Himmel. Ein breites Band aus zarten miteinander verschmelzenden Farben spannte sich charmant über die Häuser und umliegenden Felder als ein wunderschöner Regenbogen. Die Verunsicherung, die mich gefangen gehalten hatte, fiel von mir ab und, nachdem ich ihn kurz bewundernd betrachtet hatte, schloss ich wieder die Augen. Es war ja jetzt wohl alles in Ordnung.

´Nur - die Palme! Eigenartig ... !!`
Auf einmal vernahm ich eine leicht raschelnde Stimme.
„Hallo, ich bin es, Deine Palme!“
„Wie …??`
„Ja, Du warst lieb zu mir und hast mich ganz vorsichtig hier in die Erde gesetzt. - Und ich weiß, wie sehr Du Dir gewünscht hast, dass ich mal eine hohe Palme werde.“
Überrascht betrachtete ich sie. Sie war zu einem prächtigen hohen Baum geworden, der seine weit ausladenden Wedel der Sonne entgegen streckte. Von einer leichten Brise bewegt, fächelten sie mir angenehmen Kühlung zu.

Ich hatte gerade erst die Überraschung überwunden, dass meine Pflanze tatsächlich auch noch mit mir redete, als ich neben ihr ein zierliches Wesen entdeckte. Es lehnte, in ein hauchzartes gelbgoldenes Kleid gewandet, an ihrem Stamm und schaute mich freundlich an.
„Ich bin eine Fee von dort drüben aus dem Wald. Dieses kleine Wunder geschieht für Dich zur Freude. Du bist einer der Menschen, die sich ein Auge für die Natur bewahrt haben. Selbst die kleinsten Pflanzen achtest Du und würdest sie nie gedankenlos zertreten.“
Sie schwieg kurz. Dann fügte sie hinzu:
„Und ich habe noch eine weitere Überraschung für Dich! Schau mal hoch zu dem Wedel direkt über Dir,. Na …??“

Ich blickte kurz hoch, sah nichts Besonderes und sah sie fragend an. Sie schmunzelte:
„Guck mal genauer hin! Sonst …“
Neugierig geworden, musterte ich jenen Wedel ein zweites Mal.
„Da hängt doch etwas … An einem Band! - Es sieht ja aus wie ein Foto!!“
„Ja,“, bestätigte die Fee. „Erkennst Du es denn nicht?“
Gespannt sah sie mich an.
„D..Doch!“, stotterte ich. „Klar kenne ich es!! Es ist ...“
„Ja, Gaby,“ redete sie mich jetzt mit meinem Namen an, „Es ist sein Foto! Er mag die Natur genauso sehr wie Du und schwärmt ganz besonders für Palmen. Dass sein Bild in dieser Deiner Palme hängt, soll Dir sagen, dass Ihr Zwei Euer ganzes Leben lang gute Freunde sein werdet!“
Sie reichte hinauf, streifte das Foto von dem Wedel und gab es mir. Ich wollte ihr noch danken, aber sie war schon verschwunden.

Ich betrachtete ein paar Minuten lächelnd das Bild in meiner Hand und meine Gedanken wanderten in die Vergangenheit. Danach aber stellte ich es auf einen kleinen Beistelltisch neben mir und schaute nochmals zu meiner Palme. Doch dort stand nicht mehr jener hohe Baum, sondern ich sah wieder auf den Winzling, den ich vor einigen Stunden gekauft hatte.
´Schade eigentlich!`, dachte ich.
Und trotzdem war ich froh ...

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