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20 11

Ein besonderer Ausflug

Von speedygonzalez Mittwoch 03.11.2021, 10:18

Debring 1946-51
Sehr gut kann ich mich an eine Radtour erinnern, die Hansjosef, Vati und ich gemeinsam machten. Es muss wohl in den Sommerferien 49 gewesen sein. Lange genug hatte ich um ein Rad gebettelt und irgendwann hatte ich es. Vorne auf dem Schutzblech war ein kleiner Flieger montiert, dessen Propeller sich im Fahrwind drehte. Super war das.

Zu diesem Ausflug sind wir wohl um 3 Uhr aufgestanden und losgedüst. Ich kann heute noch nicht fassen, dass wir diese Strecke geschafft haben. Heute wäre es mir, trotz eines viel besseren Rades, nicht mehr möglich. Es ging an Bamberg vorbei das Maintal hinauf. In Staffelstein, bekannt wegen des Mathe-matikers Adam Riese, hörten wir plötzlich eine Sirene gellen und ein PKW vor uns quetschte sich blitzartig seitwärts in eine Nische hinter einer Haustreppe, denn von vorne kam, ohne Bremsmanöver ein Panzertransporter der Amis durch die Straße getobt. Vati schrie uns zu, uns auch hinter so einer Treppe in Sicherheit zu bringen und dann war das Ungetüm auch schon vorbei.
Wir fuhren nach Vierzehnheiligen hinauf, einem Wallfahrtsort, der im Franken-land sehr bekannt ist. Im Inneren der von Baltasar Neumann erbauten Basilika, gibt es einen Flecken Erdboden auf dem das Jesuskind inmitten zweier Kerzen gesessen haben soll, als es im Kranz der vierzehn Nothelfer den Auftrag zum Bau einer Wallfahrtkirche gab.
Hernach ging es wieder hinunter, über den Main und hinauf nach Schloss Banz, wo wir wegen Renovierung nicht hinein konnten.
Bei der Weiterfahrt quer durch den fränkischen Jura sah ich zum ersten Mal, Felsgruppen aus der Bergflanke herausschauen. Ganz aufgeregt zeigte ich hinüber und machte die beiden darauf aufmerksam, bekam aber von Vati nur ein scharfes "Halt den Lenker fest!" zugerufen. Irgendwann waren wir in Göß-weinstein und wieder in einer Basilika von Baltasar Neumann. Damals hat sie nicht so einen Eindruck auf mich gemacht, wie die vielen Male, die ich sie spä-ter noch gesehen habe.

Wir haben bei diesem Ausflug noch die Tropfsteinhöhle in Streitbach, im Wiesenttal besucht, sind dann flussabwärts Richtung Ebermannstatt, über die Regnitz und nach Hause. Um fünf Uhr waren wir wieder da. Wir haben also in vierzehn Stunden eine Rundreise von unglaublichen 150km gemacht, die mich heute noch den Kopf schütteln lässt. Ich habe versucht, diese Strecke mit dem Michelin Routenplaner nachzustellen. Das ging leider nicht, weil heute die Streckenführung ganz anders aussieht und die Querbeetsträßchen von damals nicht mehr angezeigt werden, aber im großen Ganzen kommt die Zahl der zurückgelegten Strecke sehr nahe. Vati mußte noch am Klavier für die Chor-probe abends üben und Mutti meinte, er solle noch etwas warten, "die Jungens ..." , aber die waren schon eingepennt und haben davon nichts mehr gehört.

Gößweinstein wurde später zu einem von mir sehr geliebten Urlaubsziel. Wenn möglich bin ich immer im Gastof "Zur Post" beim Wölfle eingekehrt. In der Küche wetteiferten seine zwei Söhne, prämierte Köche, um die besseren Gerichte und es hat sich immer gelohnt. Den stärksten Eindruck aber habe ich, wenn ich daran denke, wie ich einmal um die Jahrtausendwende mit einer Begleiterin in der Basilika stand und das Innere auf mich wirken ließ. Ich wandte mich an die Frau neben mir und sagte: "Was jetzt noch fehlt, wäre die "Toccata und Fuge" von Bach. Und mir wird jetzt noch kalt den Rücken hinunter, bei der Erinnerung, daß genau in diesem Moment die Orgel einsetzte und genau dieses Stück spielte.

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