Die Seele spricht die Wahrheit
Von
tastifix
Mittwoch 16.06.2021, 07:57
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tastifix
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Der Himmel hatte sich verdunkelt, blauschwarze Wolken jagten am Firmament dahin, vom heulenden Sturm getrieben. Julia, nur in ein leichtes, weit schwingendes Sommerkleid gehüllt, hastete mit tief gebeugtem Kopf am Feld entlang. Die im Halbdunkel des drohenden Gewitters gespenstisch wirkende Umgebung spiegelte ihre Stimmung wieder, die mindestens ebenso trostlos war wie der Anblick der dem nahenden Unwetter schutzlos ausgelieferten Natur.
„Warum … ?“, murmelte die junge Frau wieder und wieder.
Es brachte keine Erleichterung. Die in ihr tobenden Gefühle übermannten sie, drohten sie in Ohnmacht sinken zu lassen. Doch kämpfte sie dagegen an, strich sich das wehende Haar aus dem Gesicht und schüttelte den Kopf, wie, als ob sie damit gleichzeitig die zerreißende Bedrückung abstreifen könnte. Vergeblich. Sie hielt sie gefangen.
Die Wolken hielten die Nässe nicht länger, die ersten Tropfen fielen zu Boden. Julia lief schneller, aber der Regen wurde rasch heftiger und prasselte unbarmherzig auf sie nieder. Er strömte über ihr Gesicht, das klitschnasse Kleid klatschte gegen die nackten Beine. Ihr fröstelte es. Verärgert wischte sie sich den Regen von den Wangen, doch sie besiegte ihn nicht, im Gegenteil.
„Warum nur, Markus ...“, schrie Julia ihre Trauer in die Einsamkeit um sie her, „haben wir uns nicht anderswo und mindestens zwanzig Jahre eher kennengelernt!!?“
Wieder spürte sie einen Tropfen auf den Lippen. Er schmeckte salzig. Es war eine Träne.