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Die Rache der Schluckergesellen

Von tastifix Dienstag 04.01.2022, 14:07 – geändert Mittwoch 05.01.2022, 09:05

Die Weihnachtsmänner-Osterhasenkonferenz

Sofort nach Ende der Sommerferien machte das Weihnachtsfest auf sich aufmerksam. Im Lebensmittelgeschäft Schleckerstube tauchten die ersten Schokoladen-Nikoläuse, Engelsfiguren und Stoff-Rentiere auf und hielten das Regal für ihre bestimmt später noch eintreffende Verwandtschaft frei:
„Wenigstens nen Sitzplatz brauchen die!“
„Was sollen wir eigentlich schon hier?“, gedachten die Engel sehnsüchtig des Friedens im Himmel.
„Manche Menschen haben anscheinend ne lange Leitung und merken es sonst nicht rechtzeitig, dass das Christkind bald Geburtstag hat!?“, mutmaßten die Rentiere.
„Die muss dann aber extrem lang sein!“, schüttelten die Nikoläuse betrübt die Köpfe.
„Rutscht mal ein bisschen! Da kommen schon die Nächsten!“
„Ach herrje!“

Wenige Minuten später hockten sie wie die Ölsardinen in den Büchsen nebeneinander. Die Engel waren aus Sorge um die empfindlichen Flügel auf die Rücken der Rentiere geflattert.
„Ohne die sind wir aufgeschmissen!“
Dort oben war es ein wenig luftiger und zudem hatten sie den besseren Überblick, was sich im Laden tat. Den Rentieren gefiel es ausgesprochen gut, denn so konnten sie wenigstens die langen Beine ausstrecken.

Von Tag zu Tag drängten mehr Leute ins Geschäft. Vor allem, wenn Kinder auftauchten, wurde es den Schokoladengesellen ziemlich mulmig:
„Die werden uns ja wohl nicht jetzt schon ... ?“
Doch zum Glück war die Vernunft der meisten Mütter trotz der nahenden Süßigkeitenfutterhochzeit noch nicht völlig ausgeschaltet und die Helfershelfer des Christkindes blieben, wo sie waren.

Dann brach der Advent an. Mittlerweile war es dermaßen eng auf dem Regal, dass einige der Nikoläuse einander auf dem Schoß saßen. Die Engel klammerten sich an den Rentiermähnen fest. Die Rentiere ihrerseits verschränkten, um bloß nicht vom Regal zu fallen, verzweifelt die Beine mit denen des Nachbarn. Es schmerzten sie schon sämtliche Knochen.
„Sind doch nur noch wenige Wochen!“, trösteten die Engel.
„Nuur??“

Aber die wurden noch ziemlich aufregend. Verkäuferinnen schleppten nämlich Pakete mit Unmengen von Schokoladenosterhasen heran.
„Hääh?“
Was dann folgte, war furchtbar.
„Frau Maier, meinste nich auch, dat säh lustig aus, wenn wir die zwischen die Nikoläuse setzen?“
„Frau Müller, fasste mal mit an? Kaffeepause is später!“
Beleidigt unterbrach jene den Plausch mit der Kollegin, strich das Minikleid glatt, trippelte langsam wie eine Schnecke auf den Stöckelschuhen herzu und half tatsächlich.

Rücksichtslos stopften die Verkäuferinnen in jede Lücke einen Hasen. Den Rest der Langohren verteilten sie auf die Rentierrücken. Die Engel fürchteten erneut um ihre Flügel. Fassungslos stierten die Nikoläuse auf die Hasen und umgekehrt.
„Das darf nicht wahr sein!?“
„Sind die verrückt geworden?“
Offensichtlich waren die Menschen dem Umsatzknall erlegen. Skrupellos beleidigten sie die Weihnachtsmann- und Osterhasenehre und vermischten die beiden Feste. Hauptsache, sie würden sich in dieser heiligen Zeit, wenn auch auf sehr unheilige Weise, dumm und dämlich verdienen.
„Eine Frechheit!“, schimpften die Hasen.
„Unerhört so etwas!“, empörten sich die Nikoläuse.

Die Rentiere schwiegen, denn es fehlte ihnen der völlige Durchblick. Die Engel dagegen erfüllten ihre Pflicht, zum Frieden auf Erden und somit auch in der Schokoladenwelt beizutragen:
„Ist doch gar nicht so schlimm. Die Kinder werden strahlen, weil sie nicht mehr bis Ostern auf die Hasen warten müssen.“
Aber sie irrten sich gewaltig, wenn sie glaubten, so die Schokoladengesellschaft besänftigen zu können. Ständig aufgebrachter meckerten Nikoläuse und Osterhasen herum und selbst die Rentiere kapierten, dass die Menschen etwas Ungeheuerliches im Schilde führten.

„Das dürfen die nicht! Müssen wir den Kindern gar bald etwa Überraschungseier mit Weihnachtsmännern darin bringen?“
„Das wäre ja wohl das Letzte!!!“
„Wir werden uns wehren! “
„Und wie??“
„Wartet, bis die letzten Kunden verschwunden sind ...“, grummelte einer der Hasen. „Dann überlegen wir gemeinsam ...“
Er war der Fabrik ein wenig größer ausgefallen und darum der Anführer der Langohrgesellschaft geworden.

Abends, als endlich Ruhe eingekehrt war, eröffnete jener Oberhase die Konferenz mit den überaus klugen Worten:
„Uns muss unbedingt etwas einfallen!“
Immerhin dies war ihm dazu schon eingefallen. Alle dachten scharf nach und sogar die Rentiere wollten dabei helfen.
„Zerknittert Euer Schokoladenpapierkleid. Dann kauft Euch bestimmt keiner mehr.“
„Nee, bringt nichts. Das reißen die ab und naschen weiter,“ erklärten die Nikoläuse.
Den Rentieren fiel leider nichts Besseres ein und sie senkten geknickt die Köpfe.
„Die kriegen einen Denkzettel, den sie niemals wieder vergessen werden!“
Wütend schlackerte der Oberhase mit den Ohren. Die Engel befürchteten etwas sehr Unheiliges und ermahnten pseudo-heilig:
„Ihr wollt die Menschen aber nicht etwa beißen?“
Und sahen die Hasen zur Strafe dafür schon an den teuflischen Mistgabeln stecken.
„Nee, keine Sorge! Denen vermasseln wir nur gründlich ihr Weihnachtsgeschäft! Ich hab auch schon die passende Idee!“

Während die Anderen noch verwirrt guckten, sprang er zu Boden, flitzte um ein paar Ecken und stoppte vor einem bestimmten Regal. Mit zwei riesigen Tüten bepackt hoppelte er wieder zurück. Die Engel, die Nikoläuse, seine Kameraden und erst recht die Rentiere trauten den Augen nicht. Hastig flüsterte der Oberhase ihnen seinen Plan zu.
„Hervorragend!“, lobten die Nikoläuse.
Alles nickte eifrig dazu. Nur die Engel schwiegen, denn als himmlische Wesen durften sie sich nichts Unhimmlisches zuschulden kommen lassen.

Kurz darauf knisterte es deutlich vernehmbar. Die Nikoläuse und die Osterhasen übten sich in wilden Gymnastikübungen, die Tüten leerten sich in Nullkommanix, danach knisterte es nochmals und daraufhin kehrte wieder Ruhe ein. Der Oberhase saß wieder auf seinem Platz und alles schien zu sein wie vordem.

Am nächsten Morgen spurteten die Kunden in die Süßwarenabteilung.
„Mama, guck mal, Nikoläuse und Osterhasen! Kaufst Du mir welche?“
„Eigentlich ... Na gut!“
Strahlend biss ein kleines Mädchen in die Schokolade, aber im nächsten Moment verzog es das Gesicht und brüllte:
„Mama, bääh, schmeckt das scheußlich!“
„Kind, was redest Du denn da?“
Die Mutter kostete:
„Iih!!“
Erbost marschierte sie zur Kasse.
„Unmöglich, so etwas anzubieten! Probieren Sie mal!“

Immer mehr empörte Leute belagerten die Kasse, forderten ihr Geld zurück und rauschten hinaus.
„Hier kaufen wir nie wieder!!“
Wenige Minuten später stand die Süßwarenabteilung verlassen dort und das Lebensmittelgeschäft Schleckerstube dann bald darauf vor dem Aus.
Denn Salz auf Schokolade schmeckt ekelhaft!!

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