Die Haarwerkstatt
Von
tastifix
15.08.2021, 08:44
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tastifix
15.08.2021, 08:44
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„Du, guck mal!“
Aufgeregt deutete meine Freundin auf einen kleinen Laden. Grüner Holztür, ein Schaufenster. Aus dem schaute entzückt lächelnd eine Dame auf uns herab, so, als ob sie uns einladen wollten, einzutreten.
„Okay!“, stimmte ich zu. „Meine Haare sind sowieso mal wieder fällig!“
Die Holztür knarrte vornehm und wir betraten den Raum. Mehrere bequeme Sessel boten sich zum Verweilen an und vor jedem hing ein großer Spiegel. Wir setzten uns. Meine Freundin forderte Glättung ihrer Lockenpracht und ich wünschte mir eine Kurzhaarfrisur.
Es kam uns denn etwas eigenartig vor, dass nirgendwo die üblichen Friseur-Utensilien herum lagen.
„Hääh??“
Wir zuckten die Schultern.
Erleichtert sahen wir zwei junge Menschen herzu eilen. Jedoch verunsicherte uns deren Outfit zutiefst. Sie trugen Schürzen, die Metzgerschürzen gefährlich ähnelten.
Dann ging es los. Wir trauten den Augen nicht:
Menschlein1 zog einen Hammer aus der Schublade, drosch mit dem auf die Locken meiner Freundin ein und hörte auch, ungerührt von ihren Wehrufen, nicht eher damit auf, bis das letzte Kringelchen verschwunden war. Sie hatte nun frappierende Ähnlichkeit mit einem Fransenteppich und stand deswegen knapp vor einer Ohnmacht.
Menschlein 2 bearbeitete derweil meine langen Strähnen mit einer Art Minisäge. Es zog und ziepte heftig und mir entfuhr ´Au!` und ´Verflixt nochmal!“
Vor geistiger Umnachtung bewahrte mich in diesen Minuten nur, dass ich vermied, etwa meine Freundin zu mustern. Aber ich wusste auch so, wie wir jetzt ausschauten: Nämlich wie Gespenster auf Urlaub. Sogar der Teint stimmte: Kreidebleich!
Wir waren auf Hundert! Völlig unbeeindruckt davon forderten sie trotz des Haardesasters gar dreist den vollen Preis und luden uns, fast so charmant wie die Damen aus dem Schaufenster, ein, demnächst wieder vorbeizuschauen:
„Bis bald mal wieder!“
„Unverfrorenheit!!“, blitzten wir sie wütend an und verschwanden, klar, ohne zu bezahlen, auf Nimmerwiedersehen.
Vor den entsetzten Blicken der Passanten schützten uns Mützen.
Noch im Halbschlaf meckerte ich:
„Die hatten ja wohl ´nen Knall!!“
Prompt wurde ich wach und atmete auf: Meine Freundin hatte wie zuvor ihre Locken und ich meine langen Strähnen.