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Der Postbote Ferdinand Cheval

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 10.06.2021, 11:42

Der Postbote Ferdinand Cheval

Am 19. April 1836 wurde in Charmes-sur-l’Herbasse, Département Drôme Ferdinand Cheval geboren. Er war das Kind armer Leute. Er besuchte bis zum 13. Lebensjahr die örtliche Volksschule, ab da mußte er arbeiten. Seine erste Arbeitsstelle war Gehilfe in einer Bäckerei. Nach dem Backen fuhr er mit dem Fahrrad Baguette und Croissant zu den Kunden.
Mit 17 Jahren wechselte er in einen Zimmermannsbetrieb, wo er mehr verdienen konnte. Danach hat er noch als Hilfsarbeiter am Bau gearbeitet.
Mit 32 Jahren kam seine große Chance. In Charmes-sur-l’Herbasse wurde die Stelle des Postboten frei und er bekam sie. Bald war er im Ort sehr beliebt ob seiner Freundlichkeit und zuverlässigen Pünktlichkeit. Jeden Tag lief er mit seiner Posttasche gut zwanzig Kilometer. Eines Tages mußte er zu einem etwas abgelegenen Bauernhof nach Tersanne. Die langen Postwanderungen verkürzte Ferdinand Cheval mit seinen Träumereien. Er träumte von einem „Palais idéal“. Und wie er gedankenverloren über den holprigen Feldweg ging, stolperte er über einen Stein, der auf dem Weg lag. Er ging einen Schritt zurück, hob den Stein auf und betrachtete ihn. So einen Stein hatte er noch nie gesehen. Er war hell, fast weiß mit dunkleren braunen Streifen. Er fand, das war ein hübscher Stein. Den steckte er in seine Posttasche und nahm ihn mit nach Hause. Von dem Tage an betrachtete ein die Steine am Wegesrand auf seinen Botengängen und wenn er einen schönen Stein sah, steckte er ihn ein und nahm ihn mit nach Hause. Er hatte neben dem Haus einen recht großen Garten, in dem legte er die Steine ab. Schon bald zog er nach Feierabend noch einmal los und suchte gezielt nach schönen Steinen, die es im Département Drôme reichlich gab. Seine Posttasche reichte dafür schon längst nicht mehr, er hatte sich ein kleines Ziehwägelchen angeschafft, mit dem er fast täglich losging. Die Leute im Dorf waren anfangs verwundert über ihren Postboten, aber mit der Zeit war der Anblick von Ferdinand mit dem Ziehwägelchen vertrauter Anblick, er gehörte mit dem Wägelchen voller Steine zum Ortsbild einfach dazu.
Die Zeit verging und Ferdinand sammelte 33 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung unermüdlich Steine. Nach seine Pensionierung war er im Ort nicht mehr zu sehen. Er arbeitete ganz alleine jeden Tag in seinem Garten. Als erstes hob er eine große Baugrube aus und legt mit Bruchsteinen ein Fundament. Wurde er am Sommteg in der Kirche gefragt, was er denn da baue, lächelte er nur, aber sagte nichts.
Die Dorfbewohner bezeichneten ihn als Verrückten. Der Tod seiner Tochter Alice traf ihn zutiefst. Er hatte mit dem Sammeln von Steinen bei ihrer Geburt begonnen, und nun würde sie den fertigen Bau nie sehen.
Als Landbriefträger ohne handwerkliche Ausbildung verwirklichte Ferdinand Cheval sich seinen großen Traum und baute in jahrzehntelanger Arbeit in Hauterives sein höchst eigenwilliges, unter anderem an orientalische Tempelarchitekturen erinnerndes „Palais idéal“ (1879–1912), das ihm eigentlich als Grabmal dienen sollte. Da er hierfür keine Genehmigung erhielt, errichtete er später im gleichen Stil ein kleineres Grabmal, genannt „Tombeau du silence et du repos sans fin“ auf dem Friedhof von Hauterives (1914–1922). Er wurde dort begraben, nachdem er zwei Jahre nach Fertigstellung im Alter von 88 Jahren gestorben war. Er war zweimal verheiratet, wurde zweimal Witwer, und seine drei Kinder verstarben vor ihm.
Dieses vollständig von einem einzigen Mann erbaute Denkmal ist 12 Meter hoch und 26 Meter lang. Die verschiedenen Teile wurden mit Kalk, Mörtel, Zement und Metallverstärkungen zusammengebaut und gelten auch als Vorläufer des Stahlbetons.
Die Bauten des „Facteur Cheval“ („Postboten Cheval“) galten zunächst als reine Skurrilität, speziell in Architektenkreisen, sie wurden aber von den Vertretern des Surrealismus, namentlich von André Breton, der Cheval ein Huldigungsgedicht widmete, sehr geschätzt. Später beriefen sich auch andere Außenseiter der Architektur wie Friedensreich Hundertwasser in seinem Verschimmelungsmanifest auf den Landbriefträger. Bis in die Mitte der 1960er Jahre wurden Initiativen, das Werk des Einzelgängers unter Denkmalschutz zu stellen, mehrfach abgelehnt. Dass es 1969 dennoch dazu kam, dürfte einer persönlichen Initiative des damaligen französischen Kulturministers André Malraux zu verdanken sein. Heute werden die Bauten des Landbriefträgers von jährlich über hunderttausend Menschen besucht und die Nachkommen des .
Ferdinand Cheval können davon prima leben.

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