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Das Walnußschiffchen

Von tastifix 12.09.2021, 08:51

Am Tage zuvor war ich zur Bootsmesse gewesen und hatte einige riesige Luxusyachten bestaunt. Leider durfte man sie nicht besichtigen. Deren wertvolle Inneneinrichtung hätte Schaden nehmen können. Ganz offensichtlich gibt es weitaus mehr extrem reiche Leute, die sich ein solches Kreuzfahrtschiff leisten können, als ich angenommen hatte. Doch auch die Schiffe mittlerer Größe und selbst die kleinsten Yachten verdienten Beachtung. Sie alle waren äußert praktisch und obendrein urgemütlich eingerichtet. Ich sah mich nicht satt an diesen schwimmenden kleinen Häusern und wäre am liebsten direkt in See gestochen. Seufz!

Unwillkürlich dachte ich an die Weihnachtsfeste in meiner Kindheit zurück. Mir fielen die damals von mir so sehr geliebten Walnüsse ein. Ich besuchte die „Boot“ und dachte an Walnüsse? Wieso das denn bloß? Als Kind hatte ich sie mit wahrer Begeisterung säuberlich zu Hälften geknackt, um dann winzige Segelschiffe aus ihnen zu basteln. Als Masten dienten Streichhölzer. Flicken von Papiertaschentüchern wurden zu Minisegeln. Dann ließ ich Wasser ins Waschbecken laufen und die niedlichen Schiffe darin schaukeln. Es herrschte starker Seegang. Am Rande des Beckens brachen sich Wellen von mindestens 5mm Höhe. Doch die Boote hielten sich tapfer und durchschnitten mit ihrem Kiel die Wogen, ohne zu kentern.

In der Nacht darauf bescherte es mir einen wunderschönen Traum: In einem Yachthafen genoss ich den Anblick der schicken Luxusliner. Da entdeckte ich es: Zwischen all den blitzenden Schiffskörpern mogelte sich wirklich eines meiner Walnussboote durch, das meine Phantasie in eine Yacht verwandelt hatte. Der Wind blähte mit aller Kraft das Segel und blies mein Traumschiff sicher bis zur Anlegestelle. Sein Outfit unterschied sich extrem von dem der modernen ´Kameraden` und erregte großes Aufsehen bei den Seglern. Deren eigene, doch sehr viel schnittigeren Yachten waren vergessen. Stattdessen bestaunten alle fasziniert dieses kleine braune Etwas.

Begeistert betrachtete ich es. ´Meins!`, dachte ich glücklich. Wieder hatte es mit einem einzigen Blähen seines Segels mein Herz im Sturm erobert. Ich schritt über die schmale Gangway und betrat es. Stolz sah ich mich um und atmete tief durch. Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Die Einrichtung war in dunkelbraunem Holz gehalten, die Sitzecke mit hübschem Polster bezogen. Vor den Fenstern hingen farblich dazu passende nostalgische Vorhänge. Es war die Gemütlichkeit, die ich liebte. Ja, dies war meine Welt, in der ich alles Andere vergaß ...
Ich zog den Vorhang zurück. Mein Blick wanderte bis zur Hafenausfahrt, die das weite Meer erahnen ließ. Das Bild, das sich mir bot, war wunderschön. In der blitzenden Sonne glitzerte der leicht bewegte Wasserweg wie eine Straße aus Diamanten.

Das Herz ging mir auf. Fernweh nahm von mir Besitz. Auf dieser diamantenen Straße wollte ich in die Weite des scheinbar unendlichen Ozeans hinaus segeln, durch die leise vor sich hin plätschernden Wellen zu mir noch unbekannten Zielen. Das sanfte Rauschen des Meeres wirkt beruhigend. Ja, auf dieser Reise würde ich endlich Frieden finden.
´Was werde ich erleben, wohin wird es mich treiben?`
Entrückt sah ich vor mich hin. Erst nach einigen Minuten fand ich wieder in die Wirklichkeit zurück, hob den Kopf und blickte froh in das Gesicht meines Gegenübers, das, dessen war ich mir sicher, all diese Gefühle und Gedanken mit mir teilte ...























 

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