Das Versteck
Von
tastifix
Dienstag 17.08.2021, 19:33
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tastifix
Dienstag 17.08.2021, 19:33
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Damals waren Frauchens Kinder und auch ich noch sehr jung. Wir tobten den halben Tag durchs Haus. Den ganzen ging nicht, denn sie mussten morgens immer früh weg zum Hunde-, ääh, Menschenplatz, der Schule. Die mochten meine Ersatzschwestern genauso wenig wie ich die doofen Unterordnungsübungen. Aber Frauchen bestand darauf. Doch vergaß ich jedes Mal das Gelernte auffällig fix und machte wieder nur, was ich selber wollte. Das tat ich übrigens mein ganzes Leben lang. Na ja, es wurde dann oft ein Abenteuer auf die eigene Pfote.
Meine Ersathschwestern kamen also oft gar nicht mehr toll gelaunt nachhause. Dann musste ich sie unbedingt mit lustigen Spielen ablenken. Denn, wenn sie traurig waren, hielt ich das einfach nicht aus.
„Knödelchen, das war wieder eine Schei...!", seufzten die Vier um die Wette.
Warum das so Schei...war, erfuhr ich auch:
„Der lässt uns tatsächlich unangekündigt eine Arbeit schreiben. Keiner war vorbereitet. Das gibt sicher einen Sechsersalat!"
„Doower Der! Knurr!“
Keine Ahnung,was ein Sechsersalat war, aber, weil sie in mir wohl einen schlauen Gesprächspartner sahen, guckte ich denn möglichst klug:
„Wau...jaul!"
„Genau, Du Süßer!"
„Gut gemacht!", sagte ich mir stolz.
„Wau, vergesst den blöden Der! Was machen wir jetzt?", fragte ich mit großen Kulleraugen und hing noch eine deutliche Spielaufforderung dran.
Ich lag fast auf dem Boden vor lauter Auffordern. Da lachten sie wieder.
„Au ja, wir toben mit Knödelchen!", meinte die Älteste begeistert.
Die anderen Drei waren sofort Kauknochen und Pizza.
„Verstecken spielen!", schlug N. ihre nächstjüngere Schwester vor.
Die noch jüngeren Zwillinge freuten sich, denn sie durften mitspielen.
Mein Revier war groß, ein Haus mit ganz Unten, Unten und noch Oben. Außerdem gehörte mir ein Garten mit Bäumen und einer Menge Gras zum Wälzen. Ein paar Blumen wuchsen da auch noch. Sich aber dort zu verstecken, war schwierig. Denn Büsche hatten Frauchen und der Papa leider nicht angepflanzt.
´Einfach vergessen!`, dachte ich enttäuscht.´ Ob die noch nicht vorgehabt hatten, so etwas Tolles wie mich zu sich zu holen? Typisch Menschen!`
Na ja, ich war ja jung und würde sie mir noch erziehen. Jedenfalls plante ich das ganz fest. So süß, wie ich war, würde die bestimmt bald ganz toll gehorchen.
´Machen sie ja eigentlich jetzt schon! Obwohl ich noch gar nicht so lange hier bin!`
Stolz streckte ich mein Näschen hoch in die Luft.
Den Garten musste ich fürs Versteckspiel also vergessen. Blieb ja noch das ganze Haus. In den Keller lief ich nicht gern. Dort hockten in den Ecken Spinnen und vor denen hatte ich Angst. In die Läppchen-Küche genauso nicht, denn dort saß auf einer Minitreppe ein großer weißer Hund, der oft schrecklich laut knurrte und mit seinem einen Riesenauge dauernd im Kreis ´rum rollte. Schlimm, nicht? Der hatte tatsächlich nur ein Auge! Eigenartiger Hund! Mich unten im Erdgeschoss ins Frauchen/Papa-Korb-Zimmer zu mogeln, traute ich mich nicht. Denn das war auch „Pfui!“
Und das Wohnzimmer und das Futter-Zimmer durfte ich auch nicht schmutzig machen. Sonst gab es ebenfalls Schimpfe.
Also raste ich die Treppe hoch ins Reich meiner Ersatzschwestern und meines. Dort gab es mit Ausnahme des Planschzimmers keinen Pfui-Raum. Ich durfte überall rein, sogar bis in die Betten, wenn Frauchen nicht in der Nähe war. Sie merkte gar nicht, wie oft ich dann dort lag. Meine ´Schwestern` verrieten mich nämlich nicht. Schnell hatte ich mich entschieden, wo ich mich verstecken wollte und machte vor Freude leider laut:
„Waulewau, wuhuuh!"
Obwohl mich doch niemand hören sollte.
„Dort findet mich keiner!", triumphierte ich, trabte ins Zimmer der Jüngsten, drückte mich platt wie ein Fisch auf den Teppich und kroch unter das Bett bis nach hinten zur Wand. Dort blieb ich ausnahmsweise Hundekinder lieb still liegen.Toll, dass ich das schaffte, denn ich sagte doch sonst so gerne ´Wau!` Weil ich so aufgeregt war, bibberte ich vor mich hin.
´Wie lange brauchen die wohl, bis sie mich hier entdecken? - Bestimmt lange!`
Davon überzeugt, wie doll meine Idee gewesen war, wedelte ich mir selber lobend zu:
´Klasse gemacht!`
Eine Weile gefiel mir das Pfannkuchen spielen recht gut. Aber dann wurde ich unruhig. Es kam nämlich keiner, um nach mir zu suchen und es war auch nichts zu hören. Noch nicht mal Kinderlachen! In meinem Zuhause war das nur nachts so, wenn die Kleinen in ihren Körbchen schliefen und ich in meinem einen tollen Kauknochentraum träumte oder auch von Katzen, die ich dann plattmachte. Selbstverständlich nur im Traum! In ´Wirklich` war das ja auch das verboten, seufz!
Immer noch rührte sich nichts. Es gefiel mir überhaupt nicht mehr:
´Was, wenn die mich vergessen haben und vielleicht weggegangen sind?`
Ich beschloss, besser mal nachzusehen. Immer noch auf dem Bauch liegend, robbte ich vor, bis ich unterm Bett vor gucken konnte.
´Wau, gleich geschafft!`, freute ich mich.
Doch das sollte man nie zu früh tun. Denn, als ich mich noch weiter vorschieben wollte, klappte es nicht. Das olle Bett gab nicht nach und ich konnte mich nicht mehr rühren.
„Du bist aber böse. Lass mich ´raus!"
Es nutzte mir nichts.
´Ob ich das Bett mal anknurre?", überlegte ich.
Klar doch! Aber es hörte sich bestimmt eher lustig an, denn ich war ja noch ein Hundekind.
Ich bekam Angst. Wenn ich nicht für den langen Rest meines Lebens hier feststecken wollte, musste jetzt etwas geschehen.
„Jauul!"
Und noch einmal:
„Waulewau...jauul!"
Ich weinte lauter. Irgendwer musste mich doch hören? Hatten sie mich am Ende gar nicht mehr lieb?? Ich spitzte meine Lauscher. Da, da war doch etwas! Das Geräusch kannte ich. Da hopsten meine Ersatzschwestern, plötzlich gar nicht mehr leise, die Treppe hoch. Und: Sie riefen mich!!
„Knödelchen, wo bist Du denn? Komm hierhin, komm!"
„Ja, will ich doch so gerne. Kann aber nicht!", jammerte ich und jaulte noch lauter.
Sie hatten mich also doch nicht vergessen, sondern machten sich inzwischen Sorgen um mich. Hach, war das ein schönes Gefühl.
Die Älteste, die Anderen im Gänsemarsch brav hinter ihr her, durchsuchten sie alle Räume. Endlich stand dann die Jüngste an ihrer Zimmertür. Einen Moment lang stutzte sie. Dann lachte sie los:
„Kommt mal schnell. Ratet mal, wo Knödelchen ist?"
Sofort flitzten ihre Geschwister herbei. Und dann grinsten sie ganz doll.
„Knödelchen, meinste, wir sehen Dich dort nicht? - Pech gehabt, so klein biste nicht! Hättest Dein
Schwänzchen besser verstecken sollen!!“
Meine Freude darüber, sie alle bei mir zu wissen, war plötzlich weg. Stattdessen war ich schwer beleidigt und obendrein traurig. Die lachten mich ja aus ... !!
„Kannst ´raus kommen!", forderte mich die Älteste auf.
´Aber ich steck` fest!`, winselte ich.
„Was ist denn?"
Immerhin hatten sie gemerkt, dass was nicht stimmte.
„Wau,wau,wuuh,jaul, winsel, wau!!", erklärte ich ihnen und hoffte, sie würden es verstehen.
„Oh je!", stellten die Vier so richtig fest. „Er steckt fest. Der ist für dieses Versteck einfach schon zu groß!"
Grübel, grübel.
„Wir müssen das Bett hoch heben. Dann kann er drunter weg."
Das kam von der Zweiten.
Lachend stellte sich jede von ihnen an eine der Ecken des Bettes.
„Hauruck!", hieß es.
Das Bett hob sich etwas und hing wackelnd über meinem Kopf in der Luft.
„Bloß weg hier, bevor mir das auf den Kopf purzelt!", sagte ich mir und robbte schleunigst aus der unbequemen Höhle heraus. Kaum draußen, stellte ich mich hin und war blitzschnell weg. Hinter mir hörte ich noch das Gelächter meiner Ersatzschwestern.
Ich hatte das Ganze überhaupt mehr lustig gefunden, sondern nur noch gehofft, dass ich weiterleben durfte. Eines ist sicher: Unter einem Bett verstecke ich mich nie wieder!
„Wau!!"