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Das unglückliche Sternchen

Von tastifix Dienstag 29.11.2022, 09:20 – geändert Dienstag 29.11.2022, 09:21

Es war einmal ein Sternchen. Es schaute nicht aus wie all die Sterne, deren Schönheit die Menschen bewundernd gen Himmel blicken und träumen lässt. Nein, es war winzig und seine Zacken krumm und jämmerlich bleich. Geknickt betrachtete es die anderen wunderbar blitzenden Sterne.
„Wie schaffen die das nur?“
Verlegen schielte es zu den übrigen Sternkindern.
„Deren Zacken leuchten schon so schön gelb. Meine dagegen ...“
Es seufzte.

Einige ältere Sternkinder machten sich einen Jux daraus, Jüngere zu foppen und prahlten:
„Na, übt besser fleißig. Bis ihr mal richtige Himmelslaternen sein werdet … Paah!“
„Olle Angeber!“, wehrten sich die Kleinen.
Doch die Älteren hörten nicht auf, sie zu ärgern. Als sie dann das kümmerlich wirkende Sternchen entdeckten, verspotteten sie es gar.
„Haha, Du willst ein Stern sein? Nennst Du das etwa ´leuchten`? Kriegst das sowieso niemals hin!“
Es klang so gemein, das Sternkind wurde noch trauriger und verbarg sich hinter einem sehr großen Stern, der ganz in seiner Nähe stand.
´Hier sieht mich wenigstens nicht sofort jeder!`
Jener Stern hatte alles mitverfolgt und ihm tat das Kleine sehr leid.
„Lasst es in Ruhe! Spricht nicht gerade für viel Selbstbewusstsein, dass Ihr es nötig habt, so gehässig zu werden. Schämt Euch!!“
Stattdessen aber putzten die Flegel überheblich das nächste Sternkind herunter.

Verzweifelt, weil es sich ausgestoßen fühlte und Angst hatte, was wohl mit ihm werden würde, machte das Sternchen sich hinter seinem Beschützer so klein wie möglich. Keiner sollte sehen, dass es als Himmelslaterne versagte.
´Die Anderen sind so schön!!`
Wenn Sterne weinen könnten, dann hätte es jetzt ein paar Tränen vergossen. So aber krümmte es vor Kummer nur seine blassgelben Zacken noch stärker. Das Gefühl, vielleicht gar nichts wert zu sein, ließ jede seiner Bemühungen, dies wieder zu ädnern und es den Älteren doch noch gleichzutun, scheitern.
„Wieso bin ich überhaupt da? Niemand würde mich vermissen, wenn ich verlöschen würde …“
Der große Stern, der dies sehr wohl vernommen hatte, tröstete seinen Schützling:
„Irrtum! Mir würdest Du sehr fehlen und vielen, vielen Anderen auch!!“

Das Sternchen freute sich über seine lieben Worte. Sie gaben ihm verlorenen Mut zurück.
„Danke, großer Stern!! Du hast recht. Ich gebe nicht auf. Die werden sich noch wundern!!“
Von dann an übte es, die verkrümmten Zacken wieder mehr und mehr zu strecken. Es war äußerst anstrengend, aber schon bald zeigten sie sich genauso schön gerade wie die jener Fieslinge, die es so sehr verspottet hatten.Vor Freude darüber leuchtete das Sternkind ständig heller.
„Ich bin tüchtig!“
Wirklich wuchs es zu einem prachtvollen Stern heran.
„Du siehst ja so toll aus. Die Menschen werden sich freuen, wenn sie Dich sehen!“, lobte der Mond.
Stolz stand der neue Stern auf seinem Platz und strahlte fast so hell wie die Sonne, sandte sein Licht weit in den Weltraum hinaus und auch zur Erde. Jene, die sich über ihn lustig gemacht hatten, wurden so sauer, dass sie aufpassen mussten, dass sich nicht gar ihre eigenen Zacken hässlich krümmten. Denn nun galt die Aufmerksamkeit der Menschen nicht mehr ihnen.
„Mama, sieh doch mal, der Stern dort! Ach, ist der schön, viel schöner als die Anderen!!“

Neid ist etwas Schlimmes und der Stern bekam viele Gehässigkeiten zu hören:
„Glaub bloß nicht, dass Du uns auf die Dauer ausstechen kannst!!“
Aber das Sternkind von damals, nun einer der schönsten Himmelslaternen überhaupt, überhörte ihre Sticheleien. Die quälende Schüchternheit war verschwunden, es dagegen sehr selbstbewusst geworden. Noch Millionen an Jahren schickte der Stern sein wunderbares Licht zur Erde und machte so die Menschen auf der ganzen Welt froh.

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