Das Einhorn, das sein Horn verloren hatte
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tastifix
Dienstag 09.08.2022, 18:05 – geändert Dienstag 16.08.2022, 08:57
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tastifix
Dienstag 09.08.2022, 18:05 – geändert Dienstag 16.08.2022, 08:57
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Es war einmal eine kleine Elfe ...
Tanzli freute sich. Heute musste sie nicht mehr arbeiten, durfte herum spielen, die Blumen auf der Wiese besuchen und hoch im Baum schaukeln. Das machte Tanzli besonders gern, denn von oben konnte sie alles ringsherum beobachten oder auch vor sich hin träumen …
„Äätsch!“, dachte sie fröhlich. „Jetzt müssen Glitzerli und Schwirrli Mama beim Spülen helfen! - Ich aber nicht!“
Sicherlich wundert Ihr Euch, dass die Elfenkinder noch selber spülen sollten. Aber Elfenwohnungen sind ja winzig und deshalb passt keine Spülmaschine hinein. Doch so schlimm war des ja nicht, denn Teller und Tassen waren fix abgetrocknet und in den Schrank gestellt.
´Und danach dürfen ja Glitzerli und Schwirrli auch draußen schaukeln.... Oder wir machen gemeinsam Blödsinn! Ist noch lustiger als hier oben im Baum zu sitzen!`, grinste Tanzli.
Aber an diesem Abend sollte sie etwas Besonderes erleben. Schaukeln macht müde und Tanzli gähnte, guckte noch kurz hinüber zu dem kleinen Wald hinter der Wiese und war plötzlich wieder hellwach.
„Hääh? Da bewegt sich etwas. Das ist nicht vom Wind, weshalb der Busch da so raschelt.“
Im nächsten Moment riss sie die Augen weit auf, denn aus dem Busch schaute ein Pferdebein heraus, danach ein zweites, ein drittes und dann stand dort ein wunderschönes weißes Pferd. Aber es schaute so traurig drein und Tanzli bekam Mitleid. Angst hatte sie nicht, weil das Tier so lieb aussah. Also schwebe sie herab und setzte sich auf dessen Rücken. Davon spürte das Pferd gar nichts, erschrak deshalb auch nicht und blieb regungslos stehen.
Tanzli fragte:
„Warum guckst Du denn so traurig!“
„Mein schönes Horn ist weg!“, schnubte es leise.
„Horn?“, wunderte sich Tanzli.
„Ja, mein Horn! Guck`doch mal, dort!“
Tanzli guckte und erschrak. Da, wo sonst wohl das Horn gesessen hatte, sah es jetzt nur noch einen kleinen Knubbel, mehr nicht. Auf einmal wusste Tanzli, was das für ein Pferd war.
„Ein Einhorn! Ich hab ein Einhorm getroffen. Wie lieb das ist!“
„Kannst Du mir helfen, es zu suchen?“, flehte das Pferd.
„Klar mache ich das! - Wie heißt Du denn?“
„Knabbi! Weil ich so gern knabbere.“
„Ich bin Tanzli, eine Elfe!", stellte sich Tanzli vor und fragte:
"Wann hast Du das Horn denn verloren? Und wo?"
Knabbi überlegte, dann fiel es ihm ein:
„Gestern Abend spät, dort drüben, wo die Menschenhäuser stehen!“
„Du bist dorthin gegangen? Hattest Du keine Angst?!“
„Doch, ein bisschen schon, aber dort blinkte etwas so schön und da bin ich neugierig geworden!“
„Hat Dich denn jemand gesehen?“
Knabbi schüttelte die Mähne.
„Nein, es war schon dunkel und Menschen schlafen ja, wenn es Nacht ist!“
Tanzli schlug vor:
„Wir warten, bis es gleich wieder ganz dunkel ist. Dann laufen wir rüber und suchen Dein Horn!“
Knabbi guckte dankbar.
Bald wurde es Nacht. Eigentlich hätte Tanzli nun nachhause fliegen müssen, aber sie wollte Knabbi nicht im Stich lassen. Also dachte sie nicht mehr daran, dass ihre Mutter vielleicht böse werden würde, wenn sie zu spät heim kam.
„Mama will ja immer, dass wir Anderen helfen!“
„Komm, Knabbi, los! Aber trippele möglichst leise!“
Knabbi gab sich alle Mühe, keinen Krach zu machen und trabte zu dem Haus.
„Ein Bauernhof!“, freute sich Tanzli. „Hier leben viele Tiere und ich mag die ja so gern!“
Aus dem Stall war nichts zu hören. Wahrscheinlich schliefen sie alle. Aber, als Knabbi mit Tanzli auf seinem Rücken die Rückseite des Hauses erreicht hatte, bellte es leise vor ihnen.
„Ein Hund!!“
Aber es war ein braver Hund, der sich allein gefühlt hatte, sich nun freute, als er die Beiden sah und freundlich mit dem Schwanz wedelte.
„Bello, hast Du zufällig ein Horn gesehen, so ein langes weißes?“
„Wuffwau!I Mir war langweilig und dann lag da dieser weiße Stock im Gras. Mit dem hab ich toll gespielt und ihn dann in meine Hundehütte gelegt, damit mir den keiner klauen sollte! - Ist nicht kaputt, ist heile geblieben!“. sagte er. "Ist des etwa Deiner ??"
Knabbi nickte froh.
„Knabbi, juchuuh, wir haben Dein Horn gefunden!! - Aber jetzt verrat` uns mal, wieso Du es verloren hast!“
Gespannt sahen Tanzli und Bello Knabbi an. Der scharrte verlegen mit dem rechten Huf.
„ Da blinkte doch etwas so schön und deshalb bin ich hin gelaufen. - Und dann war da im Blinken ein zweites Einhorn und des geht gar nicht! Ich bin doch das einzige Einhorn auf der Welt!!“
Tanzli ahnte, was da so geblinkt hatte, sagte aber nichts.
„Und dann hast Du versucht, das andere Einhorn wegzustoßen und dabei ists Horn abgebrochen?“
Knabbi nickte. Er schämte sich.
Bello meinte:
„Kanbbi, das andere Einhorn warst Du selber!. Das war ein alter großer Spiegel. Den hatte Herrchen raus gestellt. Der gefiel ihm nicht mehr. Und in dem hast Du Dich gesehen!“
Das Pferd machte große Augen:
„Deshalb hatte dann das andere Einhorn auch kein Horn mehr!?“
„Genau!!“, nickten Tanzli und Bello.
Dann holte Bello schnell das Horn aus seiner Hütte. Tanzli legte es auf Knabbis Rücken, die Beiden bedankten sich bei dem Hund und dann trabten sie fix zum Waldrand, an dem eine sehr liebe Hexe wohnte, die immer gerne half.
„Heeexli ... ?“, rief Tanzli.
Die Hexe kam aus ihrer Höhle.
„Ach Knabbi, Du Armer! Was ist denn da passiert? - Kann ich Dir helfen?“
"Ach, bittebitte!", bat Knabbi und erzählte ihr alles.
Daraufhin murmelte Hexli einen Zauberspruch und schwupps saß das Horn wieder an seinem Platz.
„Danke!!“, jubelte Tanzli und Knabbi wieherte dazu.
Inzwischen war es sehr spät geworden und Tanzli und das Pferd wollten jetzt schnell heim. Knabbi trabte stolz, das hübsche Horn auf dem Kopf, nachhause, legte sich ins Stroh und träumte davon, wie er es wiederbekommen hatte. Die kleine Elfe aber bekam überhaupt keine Schimpfe, denn sie hatte genau das gemacht, was ihre Mama ihr immer gesagt hatte. Sie hatte ihrem Freund Knabbi geholfen.