Bei denen piept`s wohl ...!!
Von
tastifix
Donnerstag 03.02.2022, 12:55
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tastifix
Donnerstag 03.02.2022, 12:55
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Im Garten zwitschert es in sämtlichen Tonlagen. Rotkehlchen, Zaunkönige und Meisen singen Sopran, Spatzen und Amseln eher Tenor. Weil es ein wirklich toller Chor werden soll, beteiligen sich auch die Elstern mit Bariton. Doch singen sie alle nach eigenen Regeln, auch gegeneinander und schämen sich nicht, mitten während des harmonischen Viel-Etts erbost einen aufdringlichen Nachbarn auszuschimpfen. Es bringt zwar den Kanon total durcheinander, aber das ist egal. Denn der blöde Herr Spatz hat versucht, dem Kollegen ausgerechnet den Lieblingszweig aus dessen Nest zu klauen. So etwas bleibt eben nicht ungesühnt.
Gut nur, dass am Nachbarteich ein selbstbewusster Frosch sein Revier hat. Tagsüber und auch des Nachts macht er es allen Tieren und auch uns Menschen lautstark klar. Wir sind bereits in Sorge um ihn:
„Kriegt unser Froschkönig genug Schlaf?"
Mittlerweile zerrt sein durchdringendes Konzert arg an den Nerven, doch als Tierliebhaber ... :
„Hauptsache, ihm geht’s gut!“
Wird ihm das Gezeter der gefiederten Nachbarn zu wild, ruft er die Vogelschar streng zur Ruhe.
„Quaak!!“
Gegen seine Stimme, dieses kaputte Motorengeräusch kommen sie nicht an. Sie sind ja klug und versuchen es auch gar nicht erst.
Wir dagegen möchten den Piepzoo nicht missen. Zu gerne beobachten wir die Federbälle. Eines Tages haben wir eine verrückte Idee. Andere tippen sich an die Stirn:
„Bei denen piept`s!!"
Nur machen sie uns damit ungewollt ein großes Kompliment. Würden sie dies ahnen, bekämen wir bestimmt zu hören:
„Ihr habt ´ne Meise unterm Pony!"
Nicht ganz richtig:
„Nein, sondern einen ganzen Meisenschwarm!!"
Eines Morgens füllen wir zwei Schalen, die eine mit Futter und die andere mit frischem Leitungswasser und stellen sie auf die Terrasse. Eigentlich brauchen die Kleinen des Frühlings über wirklich keine Hilfe, zumal nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage überall extra leckere Regenwürmer aus dem Boden gucken. Uns doch egal!
Wir beziehen den Beobachtungsposten hinter dem Küchenfenster. Vögel sind recht pfiffig und kriegen schnell spitz, dass Hotel Meisenschwarm-unterm-Pony einen Spezialitätentag begeht. Und die dürfen sie sogar mit nur einem einzigen ´Piep` erstehen.
„Nichts wie hin!“, sagt sich Mama Elster.
Im Nest hockt erstens ´ne hungrige Kinderschar, zweitens sind ihr Herr Gemahl und sie hier die Größten. Ziemlich eingebildet trippelt sie um die beiden Schalen herum und prüft kritisch das Angebot. Es besteht den Test mit Bravour. Zufrieden schräpt Mama Elster ihr Lob kund und begibt sich fix ans Werk. Als Dame der besseren Gesellschaft setzt sie elegant Kralle vor Kralle. Hier ein paar Körner, danach, damit es besser rutscht, ein paar Schluck Wasser.
„Schräp! Frisches Wasser ist doch was Tolles. Viel besser als die Brühe dort vorne im Teich!“
Sie muss deswegen keine Bedenken haben, denn der Frosch nebenan versteht kein Elsterisch. Es ist zu drollig anzuschauen. Es schmeckt wohl vortrefflich, mindestens fünf Minuten ist sie zugange. Dann ist sie endlich satt und flattert mit einem fröhlichen Knarren zurück zur Kinderschar.
Die Herrin über unsere Wiese, Gänseblumen und vor allem über die besagten zwei Schalen ist also fort. Die Spatzen tauschen Blicke und aufgeregtes Schilpen. Jetzt sind sie und die übrige Vogelschar an der Reihe.
„Es ist genug für alle da!"
´Alle` meint da auch ´alle`. Zwanzig Vögel stürzen sich auf den begehrten Superschmaus und futtern sich die Bäuche voll, bis sie erschreckende Ähnlichkeit mit Tennisbällen haben. Doch plötzlich beenden sie abrupt die Futterorgie. Einer der im Gras sitzenden Altvögel zwitschert auffallend energisch. Der Frosch von nebenan kann kein Spätzisch, aber meine Tochter und ich inzwischen. Papa Spatz ermahnt gerade:
„Nun reicht`s! Sonst klappts mit dem Hochfliegen nicht mehr!“
Daraufhin verzichtet die Schar lieber auf die letzten drei Minikörner. Fällt ihnen nicht schwer, denn sie sind längst satt.
Super gut gelaunt, schwingen sie sich hinauf in die Weide. Einige beschließen, kurz zu dösen, andere Vögel sehen ´Mittagspause` nicht ein und jagen sich spielerisch durch den Garten, stets knapp an der offenen Terrassentür vorbei.
„Gleich landet noch einer bei uns in der Küche!"
Meine Tochter grinst.
„Nicht schlimm, ich weiß, wie man sie fängt!"
„???"
„Mit ´nem leichten Tuch! - Nicht etwa mit einer Bettdecke. Das hätten sie bestimmt nicht so gerne!", frotzele ich.
„Mamaa!!"
Auch wir sitzen am Mittagstisch: ´Makkaroni mit Soße`. Vögel mögen die ja auch, fällt uns ein. Ich denke zurück an meinen Kanarienvogel, der die sehr gerne möchte. Denen zog er nur noch die Minifliegen vor, die ich ihm ab und zu spendierte.
So befördere ich eine kleine Makkaroni vom Teller mit einem kühnen Aufschlagschwung wie beim Tennis auf die Terrasse. Zumindest rechne ich damit, dass sie dort landen wird. Aber ich habe schon seehr lange nicht mehr Tennis gespielt ... Die Richtung zur Terrassentür hält die Nudel tatsächlich ein. Aber dann fliegt sie statt nach draußen auf den Innenrahmen der Tür und pappt dort in anderthalb Metern Höhe fest. Verblüfft beobachten wir mit angehaltenem Atem das emanzipierte Ergebnis unserer Kochkunst.
„Fällt sie oder fällt sie nicht?"
Die veredelte Regenwurm-Schluckerei gibt mitnichten ihren Aussichtsplatz auf. Es ist ein Bild für die Götter. Helle Nudel auf fast schwarzem Untergrund: Unwillkürlich denke ich an Loriots Sketch:
„Dessen Nudel hing ja bloß im Gesicht! Meine dagegen ...“