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Autsch-knacks!!

Von tastifix Dienstag 15.02.2022, 11:05 – geändert Dienstag 15.02.2022, 11:07

Vom wolkenlosen Himmel strahlt selbst am späten Nachmittag noch die Sonne. Gerti brummelt zähneknirschend:
"Bleibt noch lange hell!`
Dabei sehnt sie sich doch so sehr nach Zärtlichkeit. Erst in etwa zwei Stunden würde es dunkel werden. Gerti seufzt. Wie immer reden Jörg und sie, lachen und schweigen. Es ist ein Schweigen der Übereinstimmung und verbindet die Beiden innig.
Sie sind ein hübsches Paar. Gerti klein und äußerst zierlich, Jörg hochgewachsen und nicht ganz so zierlich, sondern stattdessen mit einem imponierenden Bauch ausgestattet. Egal, Gerti liebt ihn, so wie er ist. Umgekehrt ist es genauso.

Nach einer Weile setzen sie sich in der Fußgängerzone an einen Tisch vor der Eisdiele und beobachten die vorüber schlendernden Leute. Einige haben garantiert einen strapaziösen Arbeitstag hinter sich. Andere dagegen, fröhlich und munter, unternehmen bestimmt nur einen Einkaufsbummel. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.
„Mensch, wann wird´s endlich dunkel?!“, flüstert Gerti Jörg zu.
„Dauert noch. Pech für uns!“
„Komm, wir gehen schon mal zum Auto!“, schlägt Jörg vor.
Kurz darauf sitzen sie in seinem Wagen. Für das, was sie beabsichtigen, ist dieser Parkplatz denkbar ungeeignet. Also suchen sie sich einen einsameren Stellplatz.
´Wie schön alles mit ihm gemeinsam ist!`, denkt Gerti.

Allmählich bricht die Nacht an, die ersten Sterne sind zu sehen und der Mond steht als strahlender Lampion am Himmel. Gerti und Jörg umarmen und küssen sich. Es artet in eine wilde Knutscherei aus. Leider ist das Auto ein Winzling und Jörg verknotet seine langen Beine, um überhaupt Platz genug zu haben.
Im nächsten Moment protestiert empört ein Anteil des Innenlebens ihres fahrbaren Untersatzes. ´Herr Schaltknüppel` fühlt sich in seiner Ehre gekränkt. Denn immerhin ist ihm von der Fabrik der Platz vorne zwischen den Vordersitzen zuerkannt worden, eine Position von drittgrößter Bedeutung: Erst der Motor, danach der Zündschlüssel und dann er. Deshalb ist er auch ziemlich selbstbewusst. Die anhaltende Drängelei von beiden Seiten findet er mehr als unverschämt. Mittlerweile gehts zwischen Gerti und Jörg nämlich heiß her und er muss wiederholt Rüffel einstecken. Und leider bekommen die zwei verrückten Menschenkinder auch einfach nicht genug voneinander.

Dann reicht es ihm:
„Peng!!“
Erbost knallt er Gerti in die Seite.
„Aua, verdammt!“
Sie angelt sich ein Kleidungsstück und legt es als Puffer über den Störenfried. Jörg und Gerti kuscheln sich noch enger aneinander. Es ist wunderbar gemütlich und dürfte ihrer Meinung nach gern die ganze Nacht so weitergehen. Doch Gerti merkt sehr bald, dass selbst die bequemste Position irgendwann unbequem wird. Ihre angestrengten Knochen meckern mit deutlichem Erfolg. Dagegen anzuschimpfen nutzt nichts.
„Puuh!“, stöhnt sie und dreht sich zur Seite ...

Die Beiden schweben ja auf Wolke Sieben. Alle Vorsicht ist vergessen und es kommt zu einer für Jörg unvergesslichen Liebeserklärung Gertis. Klar, dass sie all ihr Gefühl in die Liebkosungen legt. Aber urplötzlich endet die Zeit der sanften Zuwendung, fällt die romantische Stimmung abrupt in sich zusammen. Auf drastische Weise erfahren die Beiden, dass zu viel Glück nicht gut tut, dass das Leben manchmal sehr hinterhältig sein kann.

Gerti glaubt, sich bezüglich der menschlichen Anatomie bestens auszukennen. Also: Der Oberkörper beherbergt nicht nur Herz und Lunge, sondern zudem sieben Rippen. Und die schmerzen inzwischen. Gerti verschafft sich Erleichterung und stützt den Ellenbogen auf. Der ist, passend zu Gerti, extrem dünn und entsprechend spitz. Anstatt sanft neben Jörgs Oberam aufzusetzen, platziert er sich gemein eindrücklich eindrücklich auf dessen siebenter Rippe. Jörg jault ausdrücklich auf. Seine Freundin ist geschockt.
„H..Hab ich Dir etwa w..wehgetan?!“, stottert sie nicht eben geistreich. „D..das w..wollte ich n..nicht!“
Schmerzverzerrten Gesichtes versucht Jörg noch Haltung zu bewahren:
„Du hast mich ganz schön erwischt. Dort ... “
Mit der linken Hand deutet er auf seine rechte Seite in Höhe eben jener Rippe. Gerti blickt ihn nur verstört an. Gequält lächelt er zurück. Äußerst vorsichtig schmiegt sie sich erneut an ihn, tunlich darauf bedacht, ja nicht die Rippe zu streifen.
Ein paar Minuten später:
„Wird es langsam besser ... - Ob Du da wohl einen blauen Flecken kriegst?“
Bis jetzt ist nichts zu sehen. Jörgs Mimik jedoch spricht Bände. Garantiert wird es mehrere Tage dauern, bis die beleidigte Rippe Ruhe geben wird.

Allerdings zeigt sich, dass sie dermaßen beleidigt ist, dass sie auch danach noch keine Ruhe gibt. Darum nimmt Jörg einen Termin beim Arzt wahr. Der fragt ihn:
„Haben Sie manchmal Schmerzen dort an der Seite?“
„Jetzt kaum noch!“
„Die Rippe ist gequetscht. Wie ist denn das passiert?"
Jörg verzieht keine Miene und schweigt, hat aber erhebliche Mühe damit, das Grinsen zu unterdrücken.
„Wenn Du wüsstest ... “

Selbstverständlich jubelt er Gerti die Diagnose bei nächster Gelegenheit unter die Weste.
„W..was ist d..die??“
Sie kann es kaum fassen, bringt es aber dennoch nicht, ihren Liebsten angemessen betreten anzublicken. Trotz ihres in Unruhe versetzten Gewissens kämpft sie krampfhaft dagegen an, nicht laut zu lachen. Vor ihr steht Jörg, den sie trotz gequetschter Rippe so sehr lieb hat und verbeißt sich das Lachen genauso angestrengt wie sie. Gerti bemerkt das spitzbübische Leuchten in seinen Augen und prustet los. Befreit fällt er ein.
„Weißt Du was, Schaatz?“, strahlt sie ihn an.
„Was denn, mein Schätzchen?“, fragt er innig.
Aus ihren Augen funkelt der Schalk. Sie antwortet mit einer Frage, genauso innig:
„Schahaatz, die anderen Rippen würden doch bestimmt nicht auch noch … ??“

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