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Auswüchse der Fantasie

Von tastifix Donnerstag 29.09.2022, 15:35

Des Menschen Fantasie macht auch vor den Köpfen nicht halt. Keine Sorge: Wir tragen sie jetzt nicht etwa falsch herum. Nein, dies würde ja mit einer wohl kaum mehr rückgängig zu machenden Zustandsveränderung einher gehen, doch verlangen die Modeschöpfer davon abgesehen fast alles. Und weil die Mehrheit großen Wert darauf lebt, ja nicht als altmodisch zu gelten, lässt sie sich deshalb fast sämtliche Unzumutbarkeiten zumuten.

Tja, im frühen 18.Jh. setzten die Menschen ihre Fantasie ein und erfanden den Ladys Day. Seitdem gingen und gehen den Damen der englischen Gesellschaft wortwörtlich die Hüte hoch und höher ... Ohne wenigstens mit einem Mini-Monstrum an Hut aufzukreuzen, so beim Pferderennen oder auch bei ähnlichen fürs Prestige bedeutenden Events, kommt für die holde Weiblichkeit fast einem skandalösen Affront gleich. Hüte sind unverzichtbar als Beweis der Kenntnis um die Etikette. Vor allem aber zeichnen sie ihre Trägerinnen als zur noblen High Society zugehörig aus, was jenen außerordentlich wichtig ist. Hüte verwandeln die eleganten Damen in noch elegantere. Weil diese die Extravaganz lieben, kaufen sie jene in ausschließlich extravaganten Geschäften mit den entsprechend noch extravaganteren Preisen. Wer es sich leisten kann, zählt dazu!

Heutzutage kennt die Verrücktheit der Kreationen keine Grenzen mehr. Oben auf dem Kopf balanciert die Dame von Welt nicht allein ein vollständiges Gartencenter, sondern mit noch größerem Stolz den halben Gemüsemarkt vom letzten Samstagvormittag auf dem Bahnhofsvorplatz. Besonders imponiert mir der sogenannte Käsehut, vielleicht deshalb, weil ich ein großer Käsefan bin und kaum einer vor mir sicher ist. Dort oben thront ein überdimensionales, hübsch durchlöchertes Exemplar aus dem Nachbarland mit den hohen Bergen. Es beruhigt mich denn doch sehr, davon ausgehen zu dürfen, dass jene Dame bestimmt nicth verhugnern würde. Weil solch ein Hut nur einen relativ geringen Durchmesser besitzt, wird das jeweilige Sammelsurium gestapelt bis zur Höhe des schiefen Turmes von Pisa.

Es gibt sich dort Mögliches und fast Unmögliches ein Stelldichein. Die High-Society-Weiblichkeit giert regelrecht nach diesem Zirkus der Eitelkeiten. Trotzdem tut sie mir irgendwie leid. Wenn ich mir vorstelle, dass vielleicht aus irgendeinem Grund ein solches 40-50cm-Gebilde auf einem dieser Kompotthüte seines Zusammenhaltes verlustig gehen und in Einzelteilen sowohl das Gesicht der Trägerin als auch deren exklusives Outfit vom Halsschmuck über die Abendrobe bis hin zu den Designerschuhen bekleckern würde ...

Die Dame würde grün wie Salat vor Schrecken, dann gelb wie eine Zitrone, so sauer und letztendlich puterrot wie eine überreife Tomate vor Scham. Ob sie dann gar gesellschaftlich erledigt wäre … !?

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