Auf ins Kaugummi-Land!
Von
tastifix
08.08.2021, 11:22 – geändert 08.08.2021, 23:47
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tastifix
08.08.2021, 11:22 – geändert 08.08.2021, 23:47
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Flutschi wollte nicht in der Tüte bleiben und dann irgendwann zerkaut werden.
„Es ist für uns Kaugummis die größte Ehre!“
„Ehre!!??“, empörte er sich. „Ohne mich!!"
Ein Kind betrat die Küche:
„Mutti, darf ich ein Kaugummi?“
„Meinetwegen, Marion!“
„Danke, Mutti!“
Als Marion die Tüte öffnen wollte, riss diese ein. Das Loch war so groß, dass ein Kaugummi durch passte.
„Das ist meine Chance!!`, überlegte Flutschi.
Die Anderen warnten ihn. Was er da vor hatte, tat ein braves Kaugummi nämlich nicht.
„Lasst mich in Ruhe! Ich guck mir lieber die Welt an.Tschüss!!“
Nun schüttelte Marion die Tüte gar heftig. Flutschi rutschte an der glatten Tütenwand entlang, danach durch das Loch und platschte in der Ecke neben dem Kühlschrank auf den Boden. Aber Fliesen sind hart.
„Aua!“
Mit der Beule dann ähnelte er einem Kaugummi-Einhorn. Sauer überlegte er, wie er die wieder los werden könnte. Zum Glück fiel ihm Fee Knisterbum ein, die in dem zweiten Schrank wohnte. Weil Feen unsichtbar sind, musste sie nicht befürchten, dort etwa entdeckt zu werden.
„Und sie soll so lieb sein … “
Allerdings hatten die Anderen betont, Knisterbum würde vor allem beim Kuchenbacken helfen.
"Hm!", hatte er geantwortet.
Marion ließ Flutschi liegen, angelte sich ein anderes Kaugummi aus der Tüte und schmatzte zufrieden.
´Macht man nicht!`, dachte Flutschi.
Doch wenigstens wurde es im Haus so allmählich still.
´Die schlafen! Ich ruf` jetzt die Fee!`- „Fee Knisterbum!“
Und nochmal:
„Liebe Fee Knisterbum!!“
Jene war eigentlich total groggy. Sie hatte am Tag 14x beim Backen geholfen und nun schlimmen Muskelkater vom Mehl tragen. Unwillig buddelte sie sich aus ihrer Mehltüte.
„War schon fast eingeschlafen!!`
Aber sie musste immer helfen, egal, wie spät es auch war. Sonst würde sie auf dem nächsten Feentreffen für lange Zeit von den schönen Zusammenkünften ausgeschlossen werden. Doch noch schlimmer wäre es, nicht beim Teig rühren helfen zu dürfen. Wenn sie sich vorstellte, dass dann viele Kuchen misslingen würden … Sie schüttelte sich. Aber bei dem Gedanken, dass sie gleich bestimmt jemandem glücklich machen würde, wurde sie wieder fröhlich.
„Wer ruft mich denn da?“, machte sie sich auf die Suche und schaute auch in die Ecke neben dem Kühlschrank.
„W..Was machst Du denn dort?“
„Knisterbum, bist Du es?`
„Moment!“, meinte die Fee, murmelte etwas und prompt konnte Flutschi sie sehen.
„Ich bin Flutschi!“, antwortete er schüchtern. „Ich wollte nicht in der Tüte bleiben. Aber nun bin ich hier festgeklebt!! - Und guck mal, dieses doofe Ding da!“
„ Ach herrjee!“, meinte die Fee."Beule, verschwinde!“
Im selben Moment war das Ding weg:
„Danke, liebe Fee!"
„Moment ...“
Sie hatte nämlich eine Idee und schwebte hoch zur Arbeitsplatte. Auf der lag ein Frühstücksbrett.
„Los, fix!“, kommandierte sie. .
Sofort flog das Brett zu Flutschi. Knisterbum griff sich noch schnell den Pfannenheber aus der Puppenküche. Ein wenig ängstlich beobachtete Flutschi sie.
„Wofür haste die Beiden denn geholt?“
„Das Brett wird jetzt Dein Skateboard!“
„Ja, aber ...“
„Nix aber!“
Skateboards kannte Flutschi. Auf einem solchen Ding war Marion mal durch die Küche gesaust und hatte arge Schimpfe bekommen:
„Nur draußen!!“
Knisterbum flüsterte:
„Knister, knister, schnell Räder daran!“
Sofort rollten aus einer Schublade Lakritzschnecken heran und setzten sich genau dorthin, wo Skateboards ihre Räder haben.
„Woow!“
Der Pfannenheber trug Flutschi hoch auf das Brett.
„I..Ich hab H..Höhenangst!“
„Keine Sorge!“
Knisterbum wickelte ihm einen Paketbandsicherheitsgurt um. Dann entschied sie:
„Los, auf zum Kaugummiland!“
Sie rollten nach draußen. So ganz fremd war alles für Flutschi ja nicht, denn als er gekauft worden war, hatte er durch die Tütenwand doch etwas sehen können. Aber nun ohne Wand noch viel mehr. Die hohen Häuser, die Straßenbahnen und auch ganz viele Autos. .
„Angekommen!“,
Das Skateboard hielt vor dem Bahnhof. Von dort aus fuhren Züge überall hin.
„Na los, komm!“, lachte Knisterbum.
„Aber, wie denn?“
„Nichts einfacher als das!“
Knisterbum schob erneut Flutschi den Pfannenheber unter.
„Ääh!!“
Ihm wurde es mulmig zumute, denn, während Knisterbum die Stufen zum Bahnsteig hoch trippelte, wackelte sein fliegender Teppich ziemlich stark hin und her. Oben angekommen zauberte die Fee einen Wanderstab herbei.
„Und nun?“,fragte Flutschi ängstlich.
„Auf dem wirst Du sitzen! Wirst sehen: Reisen macht Spaß!“
Sie nahm ihm den Sicherheitsgurt ab und Flutschi fand sich oben auf dem Griff wieder. Danach löste die Fee eine Fahrkarte, Kaugummis brauchten keine. Wenig später saß sie auf ihrem Platz und schaute aus dem Fenster. Der Wanderstab stand aufrecht neben ihr, so dass auch Flutschi nach draußen gucken konnte. Aufmerksam ließ er sich alles erklären, was dort vorüber flog. Aber zuzuhören macht müde und er döste bald ein. Mehrere Stunden später sah es draußen ganz anders aus. Hier war alles viel winziger.
„Aufwachen, Flutschi!“
Sie stiegen aus. Alles wirkte fröhlich: Die Häuser waren bunt bemalt und die Fahrzeuge leuchteten orange, rot, gelb und grün. Und dann guckte Flutschi überrasscht: Hier war er nicht das einzige Kaugummi, sondern überall wurden Verwandte von ihm herumkutschiert. Sogar Kaugummibusse gab es. Die ähnelten der Tüte daheim und knisterten beim Fahren lustig.
„Sind wir etwa schon …?“
„Ja, wir sind im Kaugummiland!!“
Sie bummelten durch die Straßen. Flutschi war begeistert. Nach einer Weile fragte die Fee:
„Was möchtest Du denn jetzt gerne sehen, Flutschi?“
„Gibts hier auch einen Zoo?“
Die Fee nickte.
„Au ja, bitte!“
Wenige Minuten später bewunderten sie also Kaugummi-Zebras, -Tiger, - Affen und selbstverständlich süße Gummibärchen.
„Und, wo möchtest Du nun noch hin?“
Flutschi zögerte.
„Na los, sag schon!“
„Knisterbum, daheim dreht sich manchmal ein großes Rad in der Luft und von dem aus kann man ganz weit gucken, hat Marion gesagt!“
„Ach, die Kirmes! - Ich denk`, Du hast Höhenangst??!“
„N..Nich mehr g..ganz so!“, stotterte Flutschi.
Die Fee klemmte den Wanderstab unter den Arm, setzte sich Flutschi auf die Schulter, löste ein Ticket und kurz darauf saßen sie in einem Riesenrad-Abteil. Langsam stieg das Rad höher. Flutschi wurde es ein wenig schwindelig. Aber er war so gespannt, dass er, als es oben anhielt, sogar tapfer einen Blick riskierte.
„Ooh!“
Die winzigen Häuser sahen noch winziger aus und die Kaugummis waren kaum noch zu erkennen. Rings um die Stadt lagen Felder, kunterbunte Blumenwiesen und etwas entfernt ein schöner Wald.
Und dann:
„Sieh mal, Knisterbum, dort ganz hinten!!“
So etwas hatte Flutschi noch nie gesehen.
„Das Meer!“, erklärte Knisterbum.
Das Wasser wirkte unter dem strahlend blauen Himmel grünblau.
"Flutschi, guck mal das Schiff!"
Es war blendend weiß und hinter ihm spritzte weiße Gischt hoch. Es sah wunderschön aus.
„Wo fährt das denn hin?“
„Ganz weit weg in ein anderes Land!“, erwiderte die Fee.
„Ach, wäre das schön, wenn ...“, seufzte Flutschi.
„Es ist eine sehr weite Reise. Viel länger als unsere ins Kaugummiland. - Wir müssen nun leider zurück. Die Nacht ist gleich zu ende!“
Auf einmal guckte Flutschi sehr traurig.
Sie verließen die Kirmes, bummelten zurück zum Bahnhof und bald traf ihr Zug ein. Doch diesmal schlief Flutschi nicht ein. Dafür war er noch viel zu aufgeregt. Wie schön alles gewesen war! Aber das Schiff ging ihm trotzdem nicht aus dem Kopf ... Knisterbum konnte Gedanken lesen und wusste also, was ihn beschäftigte.
´Warte nur ab bis morgen Abend ... Dann wirst Du Dich ganz doll freuen!!`
Wenn sie daran dachte, freute sie sich schon jetzt. Sie schloss die Augen und sah ein wunderschönes Schiff vor sich, das unter strahlend blauem Himmel übers blaugrüne Meer fuhr ...