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Schnuffi und die Frage nach Demokratie

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 15.09.2021, 08:15 – geändert Mittwoch 15.09.2021, 10:06

Das mit der Demokratie.
Das ist ein gute Sache.
Hat lange gedauert.
Bis sie sein durfte.
Kaum einer der fürs Volk Verantwortlichen
kümmerte sich einen Deut ums Volk.
In Büchners „Lenz“ hat sich der König einen Knoten ins Taschentuch gemacht.
Und versucht sich zu erinnern, wes er sich erinnern wollte.
Bis es ihm einfällt.
„Oh, ich wollte mich meines Volkes erinnern.“
Das findet Schnuffi okay.
Aber er findet alles okay, was lustig ist.
Er versteht nicht, dass das traurig lustig ist.

Als die Leute in Frankreich sehr hungrig und wütend waren, stürmten sie die Bastille.
Erkläre ich.
Frau König wusste nicht, was sie wollen.
Sie haben kein Brot zu essen, erklärte man ihr.
Warum essen sie dann nicht Kuchen, war ihre Antwort.

Die iss aba dumm...Schnuffi ist durcheinander.
Naja – seither heißt es Freiheit. Brüderlichkeit und Gleichheit.
Gleichheit, was issn das?
Das heißt, alle Menschen sind gleich.
Du siehst aba annners aus als Ute und Gabi….
Jaa…
Anners und gleich, Ute und Gabi wollen wie ich essen und trinken und es warm haben, das macht uns gleich.
Und Menschen sin anners als Stoffbären.
Das musste gesagt werden.

Der König wurde verjagt (ich mildre die Geschichte ab) und von da ab bestimmt nicht mehr nur einer.
Und was ist mit den Mädels, will Schnuffi wissen.
Schnuffi ist sehr wachsam und genau und er kriegt ein Bussi für diese Frage.
Mädels sind nicht so wichtig…….
Schnuffi hüpft vom Tisch und rennt auf und ab und rennt sich in Empörung.
Bleibt stehen, sagt.
Das ist aber halb.
Halbes Volk und halbe Demokratie.
Ja, sage ich.
So isses.

Demos sind alle.
Und das sind viele.
Und viele können nicht regieren.
Also muss es einer machen.
Mit der Unterstützung mehrerer anderer.
Das leuchtet Schnuffi ein.
Dass es nirgendwo auf der Welt – oder gibt es einen Ort – so ist,
wo für alle gesorgt wird, es allen gut geht, schafft Demokratie nicht.
Warum nech?
Weil, weil….es in einer Demokratie nur ein bisschen anders ist als bei Königs und so.
Viel mehr Leutes müssen schuften und gar hungern für den Reichtum weniger.
Das ist gemein – Schnuffi ist empört.
Er denkt angestrengt nach.
Aba, aba …
Wer sinnen die, die bestimmen füa alle?
Will er wissen.
Naja, die wählen alle, also das Volk.
Und warum wählen se dann nech die Guten?
Weil es davon wenige, gaanz wenige gibt.
Ich erinnere ihn, dass er die Weidel wählen will.
Warum de nich?
Denk nach Schnuffi, warum du sie wählen willst.
Er grübelt verlegen,
Und grübelt, grübelt.
Springt auf und erkennt.
Falsch, ganz falsch isses.
Tsön sein isses nech.

Er ist ganz aufgeregt, ob dieser Erkenntnis.

Und ich merke, wie absurd unser Gespräch ist.
Weil es absurd ist.
Ist die Welt seither wirklich besser geworden?
Schon.
Aba, aba…..
Ich bin müde.
Kann Schnuffi nur bruckstückhaft erklären, was Demokratie ist.
Weil es diese nur bruckstückhaft gibt.
Eine zu fatalistische, zu düstere Erkenntnis?
Eine hoffnungslose?

Schnuffi merkt, dass ich schweigend düster bin.
Dann macht er immer Purzelbäume.
Um mich zum Lachen zu bringen.
Und immer lache ich dann.
Wäre die Welt doch von Kindern und Stoffbären gestaltet.
Das wäre….tsööööööööööööön.

Inzwischen habe ich ihm ein Bild von der Wagenknecht hin gemogelt.
Und nu will er die wählen.
Weil die iss auch tsön…….
Ich beende resigniert unser Gespräch.
Weil, was Schnuffi wissen wollte, mich selber wissen lässt,
dass mein Kreuzchen am 26. ein Sandkorn ist, das nur in einer
Summe zählt.
Mein Kreuzchen wird nichts ändern.
Nur etwas ausdrücken.
Wen interessierts………….

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