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Noch einmal Allgäu

Von speedygonzalez Montag 05.07.2021, 15:59 – geändert Montag 05.07.2021, 16:31

In den frühen 80ern bin ich mit der Familie einmal im Urlaub im Allgäu gewesen und habe die Gelegenheit wahrgenommen, meiner Familie dieses "Untere Haus" zu zeigen, wo wir (siehe Beitrag vorher) einquartiert waren. Von Immenstadt kommend fuhren wir nach Oberstaufen.
Zu sagen ist, das es jetzt die deutschen guten Landstraßen gab, damals jedoch nichts dergleichen. So auch die Straße nach Hinterreute, einem Ortsteil Oberstaufens. Die Gegend, jetzt knapp 40 Jahre später, kam mir aber doch sehr bekannt vor, doch jetzt dominierten die Parkplätze am Ortsrand und hübsche Einfamilienhäuser.

Damals - 1945 - war der Fußweg von diesem "ündere Hüs" bis nach Oberstaufen eine Stunde und alles, was man gekauft hatte musste im Rucksack heim geschleppt werden.
Ich lud meine Familie ein, mit mir zu versuchen, den alten Fußweg zu finden, den wir immer genommen hatten. Wohlgemerkt, ich war damals ein Steppke von 4-5 Jahren. Wir fanden tatsächlich auch einen kaum noch begangenen Pfad den Wald hinauf. Ober kam man auf eingezäunte Wiesen und keine kleine Seilbahn, die fehlte.
Damals gab es noch einen "Schnapskarren". So nannte man eine Seilbahn, die von Hinterreute quer über das Tal zu uns herüber führte und es erleichterte, die Milchkannen abends von Hinterreute bis hier zu schicken, wo sie dann per Pferderfuhrwerk nach Oberstaufen in die Molkerei kamen. Es war immer ein betuhliches Geräusch, abends den Schnapskarren über das stille Tal gondeln zu hören, dazu die Glocken der Kühe auf den Hängen rund um. Ansonsten war Stille.
Diese Endstatiuon des Schnapskarrens vermisste ich jetzt. Die hätte hier an dem Bauerhof ganz in der Nähe enden müssen.
Zufällig war ein Mann mit einer Sense auf der Wiese vor uns zugange. Kurz entschlossen ging ich hin und fragte ihn.
"!Guten Tag, ich hoffe, Sie können wir helfen. Von 1944 bis 51 habe ich in den ündere Huus von Schwärzlers gewohnt udn damals gabs den Schnapskaaren noch. Der muss hier oben angekommen sein. Was ist damit geschehen? Gibt es den noch?"
Der Mann sah mich groß an. "Ena, den gibts scho lang nimmer."
"Aber der muss hier oben geendet haben."
"Des scho, den ham meine Eldern noch k'habt. Ober jetzt gibts ja die Straßn, da braucht ma den nimmer."
Kurz, er konnte sich daran erinnern und auch, dass es einen Fußweg von hier hinunter zu einer kleinen Brücke über den Graben gab. Da ihn keiner mehr brauchte, war er zugewachsen und wieder zur Wiese geworden. So kamen wir leider nicht weiter.
Wir mussten umkehren und mit dem Auto weiter und dort einen Weg zum Ündere Hus finden. Den fanden wir dann auch und hatten Glück, dass die neuen Besitzer auc hda waren.
Das Haus war geteilt und an verschieden Besitzer verkauft worden.
Der Teil, wo der frühere Stall und die Scheune war, gehörte nun dem jetzigen Besitzer und er gestatte uns einzutreten.
Was nun kam, verfolgte mein Sohn nur noch mit offenem Mund und gfroßen Augen.
Damals, als 44-jähiger hatte ichmich gewudnert, das unser Vater immer mit gesenktem Kopf herumlief. Nun musste ic hes auch, denn die Zimmerdecke hatte keine 1.88m, wie damals. Das Plumpsklo war modernisiert und die Stalltür, Gottseidank noch halbiert, wie damals. Ich zeigte ins Tal hinunter, wo die vom Blitz zerteilte Tanne immer noch die weißen Marken trug. (Siehe früherer Bericht hier)
Das große Schopftor, wo ein ganzes Heufuhrwerk hereinfahren konnte und das manchmal durch den Schneesturm total zugeweht war. Dann musste man erst eine weiße Wand wegschaufeln, um an frisches Wasser zu kommen.
Einmal, so erinnerte ich mich, waren wir derart eingeschneit, dass wir mit den Schiern von der Dachluke aus die einstündige Tour nach Oberstaufen zum Einkaufen antreten mussten. Da heisst, meine Tante und zwei meiner Cousins, die zwei Höfe weiter einquartiert waren.
Es hat den jetzigen Besitzer auch sehr interessiert, auch die Beobachtungen mit dem Soldaten und den Franzosen, über die ich letzthin schrieb.

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