Erinnerungen
Von
speedygonzalez
Mittwoch 28.07.2021, 17:12
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Maracaibo
Diese Stadt am Maracaibosee ist wegen der Erdölindustrie die bekannteste Venezuelas.
Weniger bekannt ist eine Lagune dieses Sees, mehr zur Karibik hin, wo die Guajiros leben. Dieses Indiovolk hat Venezuela indirekt seinen Namen gegeben.
Als im Auftrage der Spanier im 16 JH der Italiener Amerigo Vespucci, seines Zeichens Kartograf, in diese Lagune einfuhr und die Hütten der Guajiros auf den Stelzen im Wasser sah, meinte er, ein ‚Klein Venedig‘ ‚Vene¬zuela‘ gefunden zu haben.
Dieser Name blieb dem ganzen Land, auch wenn es mit Häusern im Wasser außerhalb dieser Lagune wirklich nichts zu tun hat. Übrigens leitet sich auch von diesem Kartografen der Name Amerika ab.
Diese Guajiros kamen auch in dem Buch ‚Papillon‘ vor. Bei einem Gespräch mit einer Guajira, die in Maracaibo wunderschöne bunte Teppiche aus der eigenen Herstellung verkaufen, erwähnte ich ‚Papillon‘ einmal. Sie bestätigte, dass früher viele weiße ‚hombres‘ bei ihnen Schutz gesucht hätten, ihre Mädchen verführt und die Perlen gestohlen hätten.
Bei diesem Gespräch erzählte sie auch von der schwarzen Madonna, die auf der Halbinsel Guajiro angeschwemmt worden sei. Sie sprach dann sehr begeistert von ihrem Glauben an die Wundertätigkeit dieser Madonna. Dann sah sie mich etwas zweifelnd an, ein älteres Mütterchen, so schien es mir, und meinte: „Sie glauben wohl nicht an Gott.“ Doch antwortete ich ihr, das schon, nur nicht in dieser ihrer Form.
Von dieser schwarzen Madonna, die in Maracaibo hoch verehrt wird, gibt es die unumstößliche Sicherheit: sie wird die Kirche, in der sie nun steht, nie wieder verlassen. Eine kleine Statuette aus Holz, schwarz, die einfach einzustecken und mitzunehmen wohl nicht schwerfallen sollte.
Mein Schwager berichtete mir, als ich diese Madonna erwähnte, dass er dasselbe auch gehört hätte. Diese Madonna sollte einmal in einer Prozession in eine andere Kirche gebracht werden, da diese größere Kirche, nach Ansicht der höheren Geistlichkeit und der damit verbundenen besseren Pfründe, der Madonna eher angemessen sei.
Bei der groß angelegten Prozession sollte diese Statuette auf einer Plattform, groß genug für selbst den Papst, hinaus und in die andere Kirche getragen werden.
Man kam nur bis zum Portal, dann wurde sie so schwer, dass die 6 Männer, die sie trugen, kaum draußen, einzuknicken drohten. Sie schafften es nicht, die Kirche mit ihr wirklich zu verlassen. Der Mann, der meinem Schwager das berichtete sagte noch: „Ich weiß es sehr genau, Señor, ich war einer der Träger“.
Auch hier in Maracaibo, hatte ich die wissenschaftlichen Laboratorien zu besuchen.
Dabei erinnere ich mich an eine derartige Hitze, die ich anders nirgends mehr erlebt habe. Bei einer der ASOVAC-Meetings (Venezolanische Gesellschaft für wissenschaftlichen Fortschritt) im Hotel del Lago war es derart heiß, dass man es außerhalb der Pools nicht aushalten konnte und im Pool ebenso wenig. Die Sonne kochte einem das Hirn aus dem Schädel. Es war also, auch von den ‚Einheimischen‘ ein dauerndes Rein und Raus.
Ein paar Segelboote auf dem Lago verlockten mich derart, dass ich versuchte, zu dem nahe gelegenen Vereinsgelände zu kommen. Ich wollte ein Boot ausleihen, um endlich mal wieder ein paar Stunden segeln zu können.
Ich kam nicht weit. In dieser Hitze mußte ich nach 300m unter einem Baum anhalten und ich stellte überrascht fest, dass mir der Schweiß unterhalb der Knie die Hosen durchnässt hatte. Das gabs nicht, dort war mir noch nie solches aufgefallen.
Mit einem der Wissenschaftler habe ich bei einem späteren Besuch, direkt an der Wasserkante einer Hafenmole, zu Abend gegessen. Der gegrillte Fisch, etwas größer als Sardinen, war köstlich.
Mein Gast nahm ihn an Kopf und Schwanz, zog sehr gekonnt die Filets mit den Zähnen ab und warf die Gräten mit einer lässigen Geste ins Wasser.
Oh, ja, er konnte sehr gut erzählen und Biertrinken auch. Ich hielt mich ziemlich zurück, denn als Musiú hier besoffen aufgegriffen zu werden, wäre echt unangenehm gewesen. Ab halb elf versprach er mir dauernd, mit mir noch „donde las muchachas“ zu gehen, ins Bordell also.
Um dem zu entgehen, habe ich ihm noch mehr Bier eingeflößt, mit Schwierigkeiten um zwölf in mein Auto gepackt und zum Institut gefahren, wo er seinen Wagen stehen hatte.
Bin ganz schnell ab gedüst, um vor ihm vom Hof zu sein, denn bei seinen Fahrkünsten ... Na, die muchachas hatten dann Ruhe vor ihm.
In der Uni-Klinik gab es ein Kuriosum für ganz Venezuela: einen Schneepflug. Richtig, einen Schneepflug.
Als diese Klinik projektiert wurde, war eine Gesellschaft von Fachleuten und Ärzten in den USA und Kanada unterwegs, um sich die verschiedenen Einrichtungen anzusehen.
Nachdem man sich in der Gruppe einig war, wurde ein Krankenhaus bestellt, wie sie es in Kanada gesehen hatten. Dabei war ihnen ein Schneepflug in einer Remise entgangen, doch der Auftrag‚ ‚so wie gesehen‘ beinhaltete nun auch diesen Schneepflug.
Ganz Venezuela hat gelacht, dieses Gremium natürlich auch.
Auf der westlichen Seite des Lagos zieht sich die Sierra Perija hin. Die Grenze nach Kolumbien läuft durch dieses Bergland. Die Grenze und die Tatsache, dass man hier keine nennenswerten Bodenschätze gibt, sowie die Wildheit der Motilones, die hier leben, garantieren ihnen eine gewisse Ruhe. Sogar die Guajiros, ihre Nachbarn auf der Halbinsel Guajiro haben keinen Kontakt mit ihnen. „Ich will doch keinen Pfeil im Kreuz haben.“, meinte die Guajira. Auch dazu kann man im Folgeband „Banco“ zu Henry Charières „Papillon“ Näheres nachlesen.
Wenn in Maracaibo der Tag erwacht, scheint die Sonne zu allererst auf die Wassertanks auf den Dächern und die letzten Sonnenstrahlen küssen sie immer noch. So braucht man unter der Dusche kein warmes Wasser aufdrehen, kaltes auch nicht. Man hat immer das Gefühl, es würde einem in den Nacken gepinkelt, so warm war die Dusche.
Wenn man bei der Anreise per Auto von Barquisimeto kommt, führt die Straße durch eine waldige Gegend. Diese Bäume, Araguaneis, National Baum Venezuelas, tragen zur Blütezeit keine Blätter und sind eine Explosion von Blüten in Gelb. Ein einmaliges Bild, dieser gelbe Wald. Nur einmal bin ich diese Strecke gefahren, als ich durch das bedrückende Bergland von Carora (siehe eigenen Bericht) gekommen war.
Auf der östlichen Seite des Sees sieht man von weitem schon die Ölfelder mit ihren Bohrtürmen. Umweltschutz existiert in diesem Teil des Sees nicht und ölig träge benimmt sich das Wasser. Boote fahren zwischen den Bohrtürmen hin und her und Tanker liegen an den Piers.
Die Straßen sind durch tropfendes Öl hochgefährlich. Undichte Ventile interessieren hier keinen, man fährt besser seeehr zurückhaltend.
Die hochseetüchtigen Tanker kommen von der Karibik herein und müssen unter der „Puente Urdaneta“ hindurch. Urdaneta gehört zu den Großen und Berühmten Männern des Landes, die sich bei den Unabhängigkeitskämpfen gegen die Spanier einen Namen gemacht haben.
Die Brücke ist im Mittelteil so hoch gebaut, dass Tanker passieren können. Immens lang ist diese Brücke.
Ein Tanker hat es doch geschafft, diesen Torbogen in der Dunkelheit zu verpassen und einen flachen Teil der Brücke zu versenken. Einige Autos, die diese Lücke zu spät gesehen habe, landeten auf dem Tanker oder im See. Daher habe ich den Schiffsverkehr sehr genau beobachtet, als ich mit dem Auto kam.
Die „Maracuchos“, wie sich die Leute aus Maracaibo nennen, sind ein liebenswertes Völkchen und sind ein wenig bissig im Umgang mit den „Caraqueños“, von denen sie wieder und wieder sagen, dass sie das Geld verdienen und es Caracas es ausgibt. Aber ein hervorragendes Bier ‚Zulia‘ brauen sie. Und von wo kommen die Braumeiser? Genau