Wie ich einst den kalten Krieg beendete
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 16.12.2021, 02:41
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Da wir uns auf Weihnachten zu bewegen, dem Fest des Friedens und der Liebe erzähle ich euch heute eine kleine Geschichte. Ich machte einst ein Lehre in der pharmazeutischen Industrie bei Dr. Karl Thomae GmbH in Biberach an der Riss, die zudem kulturell viel bot, was ich gerne nutzte. So auch eine Busreise nach Prag während des "Prager Frühlings", in der die Stadt voller Hoffnung und Freude der Freiheit war.
Wie ich einst den kalten Krieg beendete
1968 war ich mit einer Reisegruppe in Prag, wenige Wochen vor der Okkupation durch die Russen.
Damals waren in meinem Denken die Russen noch Feinde hinter dem Eisernen Vorhang.
Da ich schon immer ein organisatorisches Talent besaß, organisierte ich für unsere betriebliche Reisegruppe Theater- und Konzertkarten.
So auch für das berühmte LATERNA MAGICA, bei dem Theater und Film ineinander fließen und zu einer Einheit verschmelzen.
Da einer aus unserer Gruppe nicht kam, hatte ich eine Karte übrig und bot diese vor der Theaterkasse ganz fair zum Einkaufspreis an. Die Nachfrage war riesig und ich hätte dafür problemlos das Vierfache verlangen können. Aber ich verkaufte sie zum normalen Preis an einen einfach gekleideten Mann, der während der Vorstellung dann auch neben mir saß. Es stellte sich heraus, das es ein Russe war. Mit Mimik und Gesten verständigten wir uns und ich sah, das er ein Mensch war wie ich und andere auch. Das hat in mir den Eisernen Vorhang geöffnet, denn er hatte ehrliche Augen, welche mich freundlich anlächelten. Nach der Vorstellung überreichte er mir eine Schwarzweißpostkarte von Odessa, seiner Heimatstadt. Es war seine Dankesgeste für die Theaterkarte.
Die russische Okkupation machte mich sehr betroffen, da ich den "Prager Frühling" voll genossen hatte. Er war voller Hoffnungen und Aufbruchstimmung in eine neue Zeit, die dann jäh abgewürgt wurde. Dennoch waren damit für mich nicht mehr alle Russen schlecht, denn da war ein Mann, dem ich brüderlich die Hand gereicht hatte.
In späteren Jahren lernte ich viele Russen kennen und dabei einige ganz liebe Künstler, die heute in Deutschland leben.
Frieden entsteht zwischen Menschen im Dialog, jenseits politischer Systeme, die das Gegenteil herbei reden möchten. Es ist die uniformierte Gleichschaltung welche menschliche Brücken blockiert, um mächtig zu sein auf Kosten von anderen.
Peter Burger