Wandel
Von
Feierabend-Mitglied
Mittwoch 01.09.2021, 09:53 – geändert Donnerstag 03.08.2023, 20:54
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Ein Mann saß Tag für Tag auf einer Bank, schaute in die Ferne und grübelte.
Warum war sein Leben so verlaufen, warum war ihm all das geschehen, warum nicht seinem Nachbarn? Der war wirklich kein netter Mensch, plagte die Mitmenschen mit seiner launigen Art, unterdrückte sogar seine Frau. Dennoch hatte er Glück. Letzte Woche hatte der sogar im Lotto gewonnen, obwohl er bereits wohlhabend war. Er war auch im Job erfolgreich und kletterte die Erfolgsleiter immer höher.
Nur er selbst, grübelte der Mann weiter, er war wohl vom Pech verfolgt. Hatte er etwas falsch gemacht? War er ein schlechter Mensch, sollte er für etwas büßen? Ihm fiel nichts ein, außer, dass es schon immer so gewesen war. „Ach…“, seufzte er auch an diesem Tag, „so ist es halt, mein Leben“.
Wie an jedem Abend verschloss er die Fenster und Türen seines kleinen Hauses, in dem er zur Miete wohnte, machte das Licht aus und legte sich zu Bett.
In dieser Nacht hatte er einen wunderbaren Traum! Er war unterwegs, wanderte durch ein Tal, welches sich endlos zwischen hohen Bergen schlängelte. Tagsüber schien die Sonne, nachts beleuchteten die Sterne und der helle Mond seinen Weg. Er wanderte ohne Pause, war kraftvoll und er wurde auch nie müde. Wenn der Weg sich in der Ferne recht oder links herum verlor, war er bereits gespannt, wohin ihn seine Wanderung führen würde. Immer wurde er für seine Mühen belohnt. Sei es, dass er eine Quelle fand oder zur heißen Mittagszeit am Wegesrand ein Baum mit seinem Schatten zur Rast einlud. Oft ging sein Blick des Nachts zum Himmel um mit Bewunderung Sterne und Mond zu betrachten. War nicht alles wunderschön und sein Weg einzigartig? Oh ja, er war glücklich! Ganz deutlich spürte er sich, fühlte die Freude, die sein ganzes Wesen anfüllte. Nichts gab es da, das er vermisste. Er war gesund und ging seinen Weg kraftvoll.
Als der Mann am Morgen erwachte, spürte er das Glücksgefühl noch deutlich, es füllte ihn immer noch an. Nie zuvor hatte er je solch ein Glück gefühlt. Nicht als junger Mann, nicht einmal, als ihn eine Frau erwählte, um mit ihm zu leben. Und das hatte nichts damit zu tun, dass sie ihn wieder verlassen hatte. Dieses Glücksgefühl war neu! Er öffnete die Fenster und lies den Morgen eintreten, mit seinen Sonnenstrahlen und der herrlich frischen Luft.
Von diesem Morgen an veränderte sich seine Lebenshaltung. Auch hatten ihn alle trübsinnigen Gedanken verlassen. Er war im Innersten auf seinem Weg, spürte deutlich die Freude und zweifelte nie mehr. Selbst seinen Nachbarn betrachtet er nun auf andere Weise, und manches Mal spürte er sogar ein Mitgefühl mit diesem Mann, der sogar nichts spüren konnte, nicht hatte außer Erfolg und Konsum.
Wenn der Mann nun abends zu Bett ging, dann legte er sich mit Freude hin, schloss die Augen und hoffte darauf, vielleicht auf seinem Weg hinter einer Biegung auch seine Liebste zu treffen. Er glaubte daran, ja er war sich sicher, wenn sie ihm auf seiner Traum-Wanderung begegnete, dann würde sie auch bald am Tag in sein Leben treten.
(c) Gabriele Ende