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Touch me….

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 07.04.2022, 08:59


„Touch me…“, .steht auf dem Oberteil ihres Negligè, mit Goldfäden hinein gestickt. Blinkend und lockend glitzern die Buchstaben im Licht der Kerze. Aber sie ist allein. Niemand berührte sie, nicht gestern…nicht seit langer Zeit, der Platz neben ihr ist leer.
Sie knabbert eine Salzstange, schiebt sich anschließend eine Praline zwischen ihre Lippen und achtet darauf, dass sie ihre Lippen leicht und sinnlich dabei berührt.
Lasziv räkelt sie sich auf ihrem Laken aus Satin, streckt sich aus, übt neue und kokettere Körperhaltungen, genießt, was sie sieht. Über ihr der große Deckenspiegel, der klar ihre weiblichen Rundungen wiedergibt. Er ist ihre erste Neuanschaffung. Neben ihrem übergroßen Bett steht auf einem kleinen Tisch ein groß bauchiges Glas Rotwein. Das Etikett der Flasche erzählt von einem alten Jahrgang und einem teuren Preis.
Sie ist schließlich wer! Kann sich teure Weine leisten und nicht nur das. Sie hat nicht umsonst so viele Jahre mit ihm ausgehalten. Es hat sich ausgezahlt, dass sie beharrlich war. Die Summe, die sie geerbt hat, ist gewaltig. Nun ist sie frei. Nun gut, der Preis waren die viele Jahre ihres Lebens, jetzt sie ist wahrlich nicht mehr jung. Aber sie ist wer, hat eine Eigentumswohnung, ein tolles Auto und kauft in Geschäften, die ihr Mann mit ihr nie aufsuchte! Er war alt und sparsam.
Sie füllt nach und trinkt hastig. Der Wein ist gut und sie hat bereits eine neue Lieferung nachbestellt. Ein herrlicher Jahrgang…..
Wieder posiert sie unter ihrem Spiegel, genießt sich in dem zarten Hauch, lässt ihn beiseite rutschen und betrachtet fasziniert das goldene Dreieck ihres String. Der war sündhaft teuer, ist von einem bekannten Designer und aus einer kleinen Produktion. Keine ihrer Freundinnen hat ihn, nun fehlt nur noch der richtige Partner. Doch es ist schwierig ihn zu finden. Sie ist jetzt vermögend und nicht mehr sicher, ob sie, die Frau gemeint ist. Dennoch, ganz aufgeben will sie noch nicht, noch nicht…. !

Morgen ist wieder ein Tag. Morgen wird sich sicher eine neue Gelegenheit ergeben. Sie bleibt am Ball, aber es gibt neue Regeln. Keine Callboys mehr, sie ist es so satt. Seit einem Jahr war keiner von ihnen mehr bei ihr. Keine Fahrten mehr in ihrem Auto, gelenkt von einem der jungen Schönen, die dann doch ein schales Gefühl in ihr hinterlassen, wenn sie gegangen sind.
Noch ein Glas von diesem herrlichen Wein, eine andere Musik, "touch me", flüstert sie mit dunkler samtiger Stimme in den Raum.
Der Spiegel zeigt ihr auch das Diamantband, welches sie um die Hüfte trägt. Es glitzert im Wettkampf mit Halskette und den neuen Ohrgehängen, alles aus der Schweiz. Alles echt, versteht sich. Sie kann es sich leisten.
Ein Glas Wein, eine neue Pose……

„Touch me….“ flüstert sie inzwischen mit schwerer Zunge, bevor sie endlich von der Nacht und dem Schlaf in die Arme genommen wird.
Zwei leere Flaschen liegen vergessen zwischen Bett und Tisch. Viele kleine Rotweinspritzer haben sich mit dem weißen Teppichboden vermischt und geben der Szene einen Hauch von Tragik.


Text (c) Gabriele Ende

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