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Puzzlesteine des Lebens….

Von Feierabend-Mitglied Montag 22.11.2021, 11:20 – geändert Montag 22.11.2021, 14:29

(kleine Autobiographie)

„…wer bist du denn schon“, fragte mich ein Kollege vor vielen, vielen Jahren, „du redest gerne und du glaubst viel zu wissen. Denkst du, andere Menschen wissen nichts? Dein Fragerei nervt! Kannst du nicht einfach so sein wie die anderen, wie ich, einfach normal?“
Damals hatten mich seine Worte verletzt, denn ich war noch sehr jung und konnte ihm nicht antworten. Solch eine Frage hatte mir noch nie ein Mensch gestellt und ich selbst habe auch nie darüber nachgedacht, bis zu jenem Tag vor fünf Jahrzehnten. Da erkannte ich durch seine Frage, dass ich wohl nicht normal war, was immer das auch hieß.
Ja, neugierig war ich auf alles im Leben, aber nicht im Sinne von Neugierde, wie ich sie bei anderen erlebe. Ich wollte immer etwas wissen über mein Gegenüber, wollte gerne in seine Gedanken schauen und mich mit ihm darüber austauschen. Der Gedanke, dass ich dadurch für viele anstrengend war, der ist mir damals selbst nie gekommen. Neugierig war ich bereits als Kind, leider nicht so sehr in der Schule, sonst wären meine Noten dort besser gewesen. Ich war oft verträumt und schaute aus dem Fenster, beschäftigte mich in Gedanken mit vielen Dingen. Aber ich wusste viel über meine Klassenkameraden, fragte sie förmlich aus über ihr Zuhause, ihre Gedanken und Träume. Dennoch oder gerade deshalb hatte ich nie viele Freunde, denn es binden wohl nicht nur in der Kindheit mehr die einfachen Gemeinsamkeiten im Leben. Aber die Freundinnen und Freunde, die ich hatte, mit denen verband mich ein festes Band. Fast war es so, als ob ich zu deren Familie gehörte, denn auch die kannte ich alle und sie kannten mich. Und so war es wohl auch, sie waren meine Wahlfamilien für eine gewisse Zeit.

Stolz erlernte ich meinen Beruf, arbeitete im Krankenhaus und war auch hier nun täglich mit Menschen zusammen. Ein schöner Beruf mit tiefen Erfahrungen und Erlebnissen. Am liebsten war ich mit den Patienten zusammen, Nachmittags, wenn Ruhe einkehrte. Auf Station, ging ich von Zimmer zu Zimmer. Es gab damals immer kleine Aufgaben, die zu dieser Zeit erledigt werden mussten.-
Temperatur nochmals messen, kleine Verbände wechsel, für mich die beste Gelegenheit, mir die Geschichten der Patienten erzählen zu lassen. Wie sind sie krank geworden, wer wartet zu Hause auf sie, wovor hatten sie Angst…und sie kannten die besten Witze. Jeden Tag haben wir auch herzlich gelacht, denn in einem der Zimmer war auch immer ein Patient, der nach Hause entlassen wurde. Und diese Patienten hatten tolle Energien und viel Freude in sich. Die Patienten auf dieser Station waren damals eher ältere oder auch schon alte Männer. Sie haben mir viel vom Leben erzählt, und durch sie habe ich viel für mein Leben gelernt. Sie waren glücklich, dass ich sie nach ihrem Leben „ausfragte“. Was sie sich gewünscht hatten, was für Träume oder Wünsche noch geblieben waren. Und durch die Rückmeldung so vieler Patienten lernte ich mehr und mehr, so wie ich war, war ich einfach richtig. Meine Offenheit und Anteilnahme hatte hier eine wunderbare Möglichkeit sich auszuleben und half mir auch, mich in meiner Jugend zu verändern. Der Alltag auf Station war ruhiger als heutzutage, es gab mehr Personal und weniger Hektik, mehr Zeit für die Patienten!
Die Nachmittage hatten Zeitfenster, um sich auch mal auf ein Bett zu setzten und zu plaudern, eine Hand zu halten. Ich habe gerne in dieser Zeit mit Pinsel und Rasierseife meine Runde gedreht und den alten Patienten ein glattes Gesicht „geschabt“. Das konnte ich gut mit dem langen Messer. Auch hier wieder Zeit mit den anderen im Zimmer zu plaudern und zu lachen. Meine Arbeit auf Station war ein Segen für mich.

Nun, in der Rückschau auf vergangene Jahre, aus der Sicht einer inzwischen älteren Frau weiß ich, dass ich so gut bin, wie ich bin. Es braucht nichts in Frage gestellt werden von mir. Und eines ist mein Leben lang geblieben. Ich kenne auch heute noch von meinen Freunden die Familien, die Kinder und nicht selten auch schon die Enkel, bin eng mit ihnen zusammen. So hat das Leben mich mit einem Interessenspotential ausgestattet, welches absolut positiv mein Erleben füllt und Gemeinsamkeit schafft. Was gibt es denn Schöneres im Alter, als die erfüllende Gemeinschaft mit lieben Menschen.
Mein Leben ist reich geworden, und meine Art zu kommunizieren hilft mir immer noch bei meiner Arbeit als Coach und wenn ich meine Seminare leite.
Diese Arbeit ist so erfüllend und ich hoffe,
(einer meiner Lehrer hat diese Arbeit bis zu seinem 92ten Lebensjahr ausgeübt.) dass sie auch mich noch lange begleitet.

Hier zeigt sich die Gabe des Lebens auch an mich als großes Geschenk.


(c) Mali25
bild: alamy.com

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