Problem der zweiten Heimat
Von
Fiddigeigei
Samstag 01.05.2021, 08:21
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Fiddigeigei
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Reise in den Süden
Die erste Woche im März war voller Aufregungen. Es rumorte in unserem Haus und es wurde wie man so sagt < auf den Kopf gestellt >. Eine spezielle Sammelstelle wurde eingerichtet um alles aufzunehmen, für das was mit uns reisen durfte oder musste. Die Luft lag voller Spannung und eine Generalreinigung machte dem sonst so gemütliche Wohngefühl ein Ende. Das war aber ganz gut so, denn damit verdrängten wir unseren Abschiedsschmerz.. Schnell noch Zeitungen und anderes abbestellt. Versuche Freunde und Verwandte mit einer baldigen Rückkehr zu trösten, nahm auch einige Zeit in Anspruch, dabei wurden gegenseitige Versprechungen abgegeben, wie: Das nächste Mal aber treffen wir uns ganz bestimmt zu einem Hock. Na hoffentlich klappt´s.
Ganz zum Schluss rief uns noch der Steuerberater an, um uns mitzuteilen, da wäre doch noch eine „kleine“ Steuernachzahlung zu leisten, aber da war uns schon alles Wurst, bei uns hatte sich der Süden bereits, wie eine Spinne im Denkapparat festgesetzt und liess jegliches Unheil im rosa Licht erscheinen.
Grosse Probleme bereitet immer der Abschied von den Pflanzenkindern. Jedes wurde nochmals begossen und ermahnt sich wacker zu halten, ordentlich zu wachsen und zu gedeihen.
Dann kam die letzte Nacht und ein endgültiges Abschiednehmen. Es war nur ein kurzer Schlaf bis zum Morgen um 5°°. Eine kurze Katzenwäsche und dann aufgeregtes Restepacken, Kontrolle der Türen und der Beleuchtung und ab ins Auto. Bis zur Autobahn immer wieder gegenseitige Fragen: Hast du das erledigt, oder nicht? Müssen wir nochmals zurück, weil der berühmte Herd nicht abgeschaltet ist? Aber dann werfen wir alle“ Wenn und Aber`s“, sowie Sorgen einfach über Bord.
Ein wunderbarer Sternenhimmel empfing uns und die Autobahn gab den Weg frei ohne eine einzige Baustelle. Mann, waren wir glücklich und genossen einen ersten frühen Ermunterungs-Kaffe in Frankreich.
Unser Diesele wurde gleich mit neuem Treibstoff versehen und siehe da, die Öko-Steuer hat es endlich geschafft: Die Preise sind den unseren sehr ähnlich geworden. Aber dennoch war es ein grosses Gefühl jetzt im Euroland zu reisen, ein bißchen nun wirklich Europäer zu sein und dazu zu gehören. Wir hatten den Eindruck, dass trotz aller negativen Mache, jeder Stolz auf die neue Gemeinsamkeit, gerne mit seinen EUROS protzte.
Auf genau 130 Km/h stellten wir nun den Tempomaten ein und durchfuhren so die Vogesen und den
Jura. Die Wiesen rechts und links der Autoroute –Franc waren trotz erster Sonnenstrahlen noch gefroren und die Kühe standen muhend da und dachten sicher, die haben es gut: die sind auf der Strasse in den Süden.
Runter geht’s ins Tal der Rhone, ein grosser mächtiger Strom mit vielen interessanten Ausblicken. Dann Lyon eine Millionenstadt, der Tempomat ist jetzt abgeschaltet dem Fahrer stehen Schweissperlen auf der Stirne, bis wieder Felder und Wälder erscheinen und wir wieder auf 130 gehen können. Es hat leicht geregnet, aber schon reisst der Himmel wieder auf und die Sonne blickt freundlich. In den Süden Frankreichs ist es jetzt nur noch ein kleiner Trip. Marseille, Avignon, Montpellier, Nimes, allein diese Namen machen warm und tatsächlich, wir müssen zum Einschaltknopf der Klimaanlage greifen.
Erste Blicke aufs Meer, das Herz wird weit und wir glauben den würzigen Geruch von Tang in der Nase zu haben. Schlemmer wie wir sind , wird von Austern, frischen Fischen, Krustentieren und deren Zubereitung gesprochen. Ich bin im Moment froh mit diesen Dingen meine Beifahrerin davon abzuhalten mich mit dem Pauken von Spanisch-Vokabeln zu quälen. Ich habe diesen Unterricht bitter nötig, da ich wie schon früher in der Schule an ein Lernwunder glaube, welches aber weder damals noch heute eingetroffen ist.
Die Gegend wird jetzt karg, leuchtender Ginster in knalligem gelb wetteifert mit der goldenen Kugel über uns. Die Häuser sind in südlicher Einfachheit gebaut und sandfarben. Farbtupfer sind die in Meerblau gestrichene Fensterläden und Türen. Hier muss es schön sein zu leben!
Dann in der Ferne tauchen grossartige schneeweise Gipfel auf, die Pyrenäen, sie weisen den Übergang zu unserem Ziel: Spanien!
Ach, schon die Grenze, nicht ganz 10 Stunden von unserem lieben Örtchen in der Ortenau entfernt Der Grenzübertritt auch hier grenzenlos einfach, wie im ganzen Euroland. Das Auftanken unseres sparsamen Dieselchens ist in Spanien um einiges billiger und der Geldbeutel lacht.
Die spanische Autopista über die Pyrenäen ist rechts und links mit Mimosenbäumen bepflanzt und diese empfangen uns in voller Blüte. Darüber freuen wir uns und auf unser Hotel, welches nur noch wenige Kilometer entfernt, bereits die Betten aufgedeckt hat und müde Fahrer gerne unter weichen Pfühlen eine gute Nacht bereitet.
Wir wollen uns noch die Füsse vertreten und laufen in das naheliegende Städtchen, welches auch ein Museum des berühmten und berüchtigten Malers DALI unterhält. Man kann dort bis 22°° abends seine Art der Kunst besichtigen. Wir haben jedoch Appetit auf etwas anderes und wetzen unsere Zähne an einige Tapas mit einem Gläschen Wein zusammen. Aber dann im Eilschritt zurück ins Bettchen.
Ohne Wecker sind wir schon um 5°° wieder auf den Beinen. Um 6°° stehen wir beim Portier um abzurechnen, er wundert sich gar nicht, er kennt uns bereits als die frühaufstehende Alemanos.
Spanien liegt noch im Morgenschlaf, auf der Autopista wird der Tempomat vorschriftsmässig auf 120 gestellt In Barcelona, der geschäftigen katalanischen Hauptstadt erwartet uns bereits ein starker Verkehr, wir biegen in Richtung Taragona ab, um in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen.
Burgen und Wachtürme säumen den Weg. Heute zahlt man nicht mehr an Raubritter, sondern an speziellen Gebäuden eine Strassen- Benutzungsgebühr. Modernes Raubrittertum! Dafür bietet die Autopista Abschnitte mit kostenlosem Meeresblick und eine Fahrt durch einmalig wilde Gebirge.
Unsern ersten Café con Leche und eine saftige Tortilla haben wir längst in den hungrigen Bauch geschlagen und sind bester Laune.
Das Ebrodelta die Reiskammer Spaniens überqueren wir auf einer stolzen Brücke. Jetzt ist Valencia in Sicht, hier denkt man nur in Orange und Zitronen, wir fahren mitten durch die duftenden Haine, toll! Noch cirka 400 Km bis Alicante, ein Tourismuszentrum mit eleganter Strandpromenade.
Ab hier ist die Autopista kostenlos und ausgebaut bis Almeria. Wir fahren über Murcia die Hauptstadt der gleichnamigen Provinca und von dort sind es nur gerade lächerliche 70Km nach Lorca. Das berühmte Kribbeln im Bauch setzt ein, bis wir vor unserer Haustüre stehen. Alles ist in Ordnung und gleich wird gelüftet, Bette in die frische Luft gezerrt, eingeräumt, was im Auto steckt. Die Nachbarn warten auf einen Kurzbesuch und unsere Spanischkenntnisse werden aufs Äusserste strapaziert. Jetzt danke ich im Stillen meiner strengen Autolehrerin. Diese Nacht schlafen wir wie die berühmten Murmeltiere.
Am anderen Morgen Begrüssung durch die Sonne, den Nachbarhund Yypee, sowie unserer Haus- und Heim- Haubenlerche Namens Amalie. Dann Besichtigung des Gartens:
Ein bunter Gras- und Blumenflor hat sich breitgemacht und wartet auf starke Arme.
Zwischen all den bunten Blumen, Kräuter und Unkräutern, entdecken wir Wilden Spinat und im Gemüsebeet frischen Knoblauch , das wird ein herrliches Essen geben und wir sind wieder zu Hause.
Carlos mit Sehnsucht
Rezept mit Wildem Spinat auf Anfrage.