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Nikolaus 1949

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 28.11.2023, 10:41


Am Tag vor Nikolaus sagte mein Vater, ich müsste nun als ältestes Mädchen alle Schuhe putzen, Mutters, Vaters und die, von meinen drei Brüdern, sonst würde der Nikolaus nichts hineinlegen.Das fand ich ungerecht, ich war erst 5 Jahre alt, aber Widerspruch gab es nicht. Meine Brüder waren 10, 9, und 4 Jahre. Das Baby war erst 11 Monate und hatte noch keine Schuhe. Da saß ich nun in der kalten Küche auf Zeitungspapier mit 12 einzelnen Schuhen, Lappen, Bürste und Schuhcreme, während alle gemütlich im Wohnzimmer waren. Alle Freude war wie weggeblasen, ich begann mürrisch mit den Schuhen meiner Mutter, dann mit den Brüdern und mit meinen eigenen Schuhen. Vaters putzte ich ganz zum Schluss, denn diese ärgerten mich am meisten.

Ich stellte alle nach Größe geordnet vor die Wohnungstür, machte mir eine Scheibe Brot mit Schmalz und kroch ins Bett, hatte keine Lust mehr auf Gemeinschaft und Familie, denn niemand sollte sehen, wie wütend ich war. Ich stellte mich schlafend, als alle ins Bett kamen. Es war lausig kalt, denn mein Vater hatte den kleinen Ofen in dem halben Zimmer rausgerissen, damit das Babybett noch Platz hatte. An den einfachen Fenstern waren dicke Eisblumen.Irgendwann in der Nacht wurde ich wach, es war still und alle schliefen und da kam mir eine Idee. Ich schlich leise in die Küche und holte das zweite Paar Schuhe meines Vaters und putzte sie ganz schnell, denn meine eigenen waren so klein und da passte ja kaum etwas rein. So nahm ich meine weg und stellte Vaters zweites Paar dazu. Ich stellte sie der Reihe nach, erst Vater, Mutter, meine älteren Brüder, dann an Stelle meiner kleinen Schuhe das zweite Paar meines Vaters, dann der jüngere Bruder. Mein Vater war der einzige in der Familie, der zwei Paar Schuhe besaß, obwohl er am wenigsten lief. Ich weiß noch genau, wie ich begann, mich über meine Idee zu freuen, der Nikolaus war ein sehr alter Mann, der würde das bestimmt nicht merken. Mit Herzklopfen, frierend und mit schlechtem Gewissen schlich ich ganz leise in mein Bett.

Am nächsten Morgen, alle waren schon wach, lachten und freuten sich über die kleinen Kostbarkeiten in ihren Schuhen…..aber, meine bzw. Vaters zweite, waren leer. Niemand sprach mit mir, strafende Blicke meiner Eltern, aber meine Geschwister gaben mir heimlich etwas ab. Es war ein schlimmer Tag für mich, mehrmals erwähnte mein Vater meinen versuchten Betrug und sagte, ich hätte heute eine „himmlische Ohrfeige“ bekommen. Am Abend musste ich ohne Abendbrot ins Bett, während die Familie noch zusammen saß. Ich weinte mich in den Schlaf und war ganz traurig über meine gar nicht gute Idee.

Am nächsten Tag steckte mir meine Mutter heimlich einen kleinen Beutel mit etwas Schokolade zu und sagte, ich solle es schnell aufessen, damit der Vater das nicht sieht. Diesen Tag hab ich nie vergessen.

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