Erinnerung
Von
Feierabend-Mitglied
Donnerstag 14.07.2022, 08:27 – geändert Donnerstag 14.07.2022, 12:44
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Kühles Wasser umsprudelt Werners heiße Füße. Seine Wanderschuhe liegen am Ufer des Baches. Glucksend und hüpfend fließt der Bach durch die Aue. Ansonsten ist es still um Werner. Nur in der Ferne ertönen ab und zu ein paar Vogelstimmen. Werners Gedanken gehen spazieren, während sein Blick dem Lauf des Wassers folgt.
Wie gern würde er gerade jetzt seine Eindrücke mit einem anderen Menschen teilen. Gerda ist nun bereits zwei Jahre tot und er vermisst sie immer noch so sehr. Niemals hatte er geahnt, wie sehr sie sein Leben füllte. Natürlich hatte sie auch manches Mal gestritten, dass kommt in jeder Ehe vor. Und im Streit hatte er sie einmal dahin gewünscht „wo der Pfeffer wächst“. Doch eigentlich wusste er nicht einmal, wo das war, und der Streit war lange her.
Wie gern würde er jetzt mit Gerda hier sitzen. Er sieht im Geist ihre kleinen Füße neben den seinen im Wasser planschen. Sieht ihre winzigen Zehen mit den Bachsteinen spielen. Werner ist so in diese innere Betrachtung versunken, dass er die Zeit vergisst.
“Schau Gerda, dort hinten steht ein Reiher“ flüstert er leise und kommt mit seinem Ausruf in die Wirklichkeit zurück. Der Platz neben ihm ist leer.
“Ach Gerda, wenn du doch hier wärst.!“ Leise murmelt Werner vor sich hin, während er seine Socken und Schuhe wieder anzieht. Der Reiher hatte sich derweil in die Luft erhoben und zog erhabene Kreise über der Aue. Werner betrachtete den Vogel und dessen Flug.
“Frei wie ein Vogel möchte ich sein“ hatte Gerda auf ihrem Sterbebett geflüstert. Sie hatte so sehr unter ihrer Krankheit gelitten und die Schmerzen hatten sich zum Schluss tief in ihr Gesicht gezeichnet.
„Nun bist du frei! Nun hast du keine Schmerzen mehr!“ sagt Werner leise und geht am Bach entlang.
Als wollte der Reiher seine Leichtigkeit vor Werner präsentieren, fliegt er gut sichtbar vor diesem über den Bachlauf.
Fröhlich machte der Vogel Werner nicht, aber er fühlte sich ein klein wenig von dessen Leichtigkeit angesteckt.
Gerda ist ja bei mir, denkt Werner, sie hatte es versprochen. Auch wenn ich sie nicht sehen kann!
Getröstet von diesen guten Gedanken betrachtet er den Flug des Reihers. Atmet tief aus und geht zurück zum Parkplatz.
Seine Schritte werden kräftiger und bald ist er hinter einer Wegbiegung verschwunden.
Foto:Netzfund
Text Mali25