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Eine magische Begegnung

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 22.11.2023, 00:00

Hanna, eine Frau in den besten Jahren, hatte einen freien Tag. Müdigkeit und Erschöpfung krochen in ihr hoch. Sie fühlte deutlich, sie musste das Hamsterrad, in dem sie sich befand, verlassen. Die Sonne schien, es war warm, und so packte sie ihren Rucksack und trabte los in Richtung Stadtrand. Schon nach kurzer Zeit spürte sie sich wieder, freute sich an dem vielen Grün, sie sah die Kornfelder, fühlte den Wind auf ihrer Haut und genoß den weiten Blick bis zum Horizont. Sie ging ein Stück durch den Wald, atmete tief ein und nahm die Stille in sich auf. Vor sich sah sie einen Garten, das Tor stand offen. Magisch angezogen ging sie zögernd hinein, das kleine Haus sah verfallen und unbewohnt aus und der Garten war verwildert, es war ein so verwunschener Ort.

Rechts stand ein alter Apfelbaum voll mit reifen Früchten. Sie erinnerte sich, wie die Äpfel in ihrer Kindheit geschmeckt hatten, ungespritzt und warm von der Sonne. Sie pflückte 3 Äpfel und wollte zum Tor gehen, hatte aber ein ungutes Gefühl im Bauch, die Äpfel gehörten ihr nicht. Hanna schaute sich um und legte die Äpfel unter den Baum. Beim Bücken sah sie im Gras eine kleine Schachtel. Beim Öffnen vernahm sie eine wunderschöne Melodie, es war eine Spieluhr und die Minitänzerin drehte sich nach der Musik. Andächtig hielt Hanna die Spieluhr in der Hand, die Versuchung war groß, sie wollte sie behalten. Sie sammelte seit Jahren Spieluhren und kaufte sich jedes Jahr eine. Immer wieder öffnete sie das Kästchen, lauschte, machte es wieder zu und wieder auf. Sie schaute sich um, alles war still. In ihr war ein klares Gefühl, wenn sie die Äpfel und die kleine Kostbarkeit mitnahm, dann geht dieser Zauber verloren. Langsam ging sie zum Haus, legte die Dinge vor die Haustür, atmete tief durch und ging zur Gartentür.

Sie hörte eine Stimme und erschrak, drehte sich um und sah an der offenen Tür eine alte Frau stehen. Sie lächelte, hielt einen Korb in Ihren Händen und winkte sie zu sich. Sie schenkte ihr den Korb mit den Äpfeln und der Spieluhr und fragte, ob Hanna einen Tee mit ihr trinken mag. Beide Frauen gingen ins Haus und Hanna verspürte ein seltsames Gefühl von Vertrautheit. Sie verbrachten eine Stunde miteinander, es wurde wenig gesprochen und in Hanna stieg eine uralte schemenhafte Erinnerung hoch, die so beglückend war, dass sie weinte. Die alte Frau hielt eine Weile ihre Hände, fragte nichts, aber in ihrem Blick lag alles Wissen der inneren Welt. Sie guckte Hanna an und sagte: „Wenn du Ruhe und Stille brauchst bist du hier immer willkommen.“ Beide Frauen verabschiedeten sich mit einer Umarmung, dann ging Hanna in die beginnende Dämmerung, drehte sich mehrmals um und die alte Frau winkte ihr nach.

Hanna hat diese Seelenfreundin noch oft besucht bis zu Ihrem Tod. Inzwischen hatte diese alte, wissende Frau so sehr in ihr Gestalt angenommen, dass sie ihre Nähe, den Frieden und ihre Kraft in sich fühlte, wenn sie sich wieder überforderte. Das bewahrte sie davor, ihre inneren Räume erneut zu verlieren.

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