Ein haarsträubendes Abenteuer
Von
tastifix
Samstag 22.05.2021, 09:29 – geändert Samstag 22.05.2021, 14:30
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tastifix
Samstag 22.05.2021, 09:29 – geändert Samstag 22.05.2021, 14:30
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Hier in 3000m Höhe boten die schneebedeckten Berge mit den Gletschern und den oft bizarren, in der gleißenden Sonne wunderschön glitzernden Gipfeln einen traumhaften Anblick. Derweil ich mich durch das tiefe weiße Nass aufwärts kämpfte, höre ich allein mein Keuchen und das Knirschen des Schnees unter den Füßen.
´Schön, diese Stille!`
Die schneidende Kälte jedoch setzte mir inzwischen arg zu.
´Und, wenn ich gar nichts sehe?? Nein, ich gebe nicht auf! Ich will endlich Klarheit, so oder so!!`
Etwas später erklomm ich ein größeres Plateau. Erschöpft verhielt ich. Außer verstreut liegender Felsbrocken fiel mir zunächst nichts auf, bis ich etwas entfernt einen gewaltigen Steinhaufen entdeckte.
´Als ob ihn ... Quatsch!`
Schnell verdrängte ich jenen Gedanken. Trotzdem stapfte ich, magisch angezogen, darauf zu. In der einen Seite des Steinhaufens klaffte eine riesige Öffnung.
´Gibts doch gar nicht … !??`
Obwohl mir das Herz bis zum Hals schlug, kramte ich meine Taschenlampe heraus. In ihrem Licht erkannte ich einen extrem hohen Gang. Kurz zögerte ich noch, dann ging ich hinein. Immer tiefer leitete er steil hinab, verbreiterte sich ständig und endete vor einer gigantischen Höhle. Ich leuchtete an den Wänden entlang und dann den Boden ab. An der Rückwand entdeckte ich eine ungefähr 4m lange und 2m breite Kuhle.
´Oh nein! Was ist hier los!?`
Schaudernd machte ich abrupt kehrt und hetzte zum Ausgang zurück. Nur noch fort von jenem Unbekannten, das ich nicht einschätzen konnte. Draußen rührte sich nichts. Es war alles wie zuvor ... Die Beine wackelten mir vor Anspannung, ich schleppte mich nur mühsam weiter. Es beschlich mich lähmende Furcht:
„Falls an den Gerüchten doch etwas dran ist ... - Schwebe ich jetzt gar in Lebensgefahr!?“
Total aufgewühlt achte ich nicht darauf, wohin ich die Füße setzte. Da passierte es: Der Boden unter mir brach ein. Ich stürzte, Eispickel und Seil glitten mir aus der Hand, ich rutschte unaufhaltsam tiefer und blieb unten in einer unter der Schneedecke verborgenen Gletscherspalte liegen. Angstvoll krallte ich die Finger ins eiskalte Nass und stemmte mich mühsam auf. Eine Chance, meinem Verlies zu entkommen, sah ich nicht. Ich war in der weißen Hölle gefangen. Doch meine Psyche akzeptierte dieses Gefühl der Ausweglosigkeit noch nicht und mein Verstand arbeitete auf Hochtouren.
„Von den paar oberflächlichen Schrammen abgesehen bin ich unverletzt. Also, was kann ich machen?“
Aber ohne jeglichen Hilfsmittel!!?? Total ratlos, schrie ich der Welt dort oben minutenlang verzweifelt entgegen. Meine Stimme wurde ständig schwächer. Schließlich lehnte ich mich erschöpft gegen die Eiswand und verstummte.
´Verloren!!`, hämmerte es in mir.
Plötzlich aber schreckte ich hoch. Ein dröhnendes Stampfen erschütterte den Boden und näherte sich rasch. Genauso plötzlich war auf einmal wieder Stille. Den Atem anhaltend blinzelte ich angestrengt nach oben. Die gleißende Sonne blendete mich.
´Ich hab` schon Halluzinationen!`
Denn ich sah einen riesigen Schatten und obendrein vernahm ich das Knurren wie das eines Tieres.
´Das ist kein Schatten. Es lebt. Wird es mich gar umbringen?!`
Es sollte noch der aufregendste Moment meines Lebens werden. Jenes Wesen beugte sich über den Rand der Gletscherspalte. Ich blickte in ein Gesicht, so fremdartig, wie ich noch keines zuvor gesehen hatte. Die blauen Augen lagen unter dicken Fellwülsten tief in ihren Höhlen, die Nase war sehr schmal und der Mund mit den blendend weißen Zähnen … Noch näher beugte es sich mir entgegen, für mich nun gut erkennbar ..., fast 3m groß, von stämmiger Statur und am ganzen Körper mit weißem Zottelfell bedeckt. Gebannt schauten wir uns an. Erneut leise knurrend, legte das Wesen den Kopf schief und streckte mir seinen Arm entgegen. Die Hand, die sich mir anbot, war recht schmal.
´Ich habe ja keine Wahl!`
Zögernd umklammerte ich sie, die meine fest umschloss. Langsam, ganz vorsichtig zog mich das Wesen nach oben. Endlich wieder im Freien, kehrten auch meine Lebensgeister zurück und in mir keimte vage die Hoffnung auf ein Weiterleben.
´Oder, soll ich als Futter dienen??`
Es hätte mich auf der Stelle töten können. Nein, stattdessen berührte es streichelnd meine Wange, hob mich auf den Arm und trug mich zu jener Höhle, die für mich den Beginn dieses Abenteuers bedeutet hatte. Drinnen bettete es mich behutsam auf das weiche Bärenfell in der Kuhle und reichte mir einen Steinbecher mit Wasser. Dankbar lächelte ich und ... Das Wesen lächelte zurück.
´Es ist ein Mensch!!`
Ergriffen dachte ich:
´Er hat mich gerettet! Ich werde leben! - Doch was wird nun? Wird er mich denn gehen lassen ... Will ich überhaupt schon zurück ...?`
Mit leiser Sehnsucht dachte ich an daheim. Aber hier war mir etwas Einmaliges vergönnt ...
´Ob wir uns wohl verständigen können?`
Der erste Schritt dazu war getan, wir hatten uns angelächelt. Ein wenig ruhiger geworden, schlief ich fast sofort ein. Als ich wieder erwachte, hockte er neben der Liegestatt, den Blick fest auf mein Gesicht gerichtet.
´Garantiert hab ich lange geschlafen. Mir ist richtig flau vor Hunger!`
Ich setzte mich auf und durchwühlte den Rucksack, aber mein Proviant war aufgebracht.
Die Hand mehrmals zum Mund führend, sah ich flehend meinen Retter an.
´Ob er es wohl versteht?`
Tatsächlich verfolgte er die Geste aufmerksam und ahmte sie nach. Ich nickte. Er nickte auch, holte aus einer anderen Ecke ein Stück Fleisch und reichte es mir. Erleichtert biss ich hinein.
´Wenn er doch sprechen könnte!`
Aber jede seiner Aktionen begleitete nur jenes eigenartige Knurren. Jedoch, wie ich nun wusste, vermochte er Mimik und Gestik richtig zu deuten.
So zog ich das Foto meiner Familie heraus, deutete erst darauf und dann auf mich. Interessiert betrachtete er es.
´Ob er ahnt, was ich ihm damit sagen will!?`
Forschend sah ich ihn an. Bildete ich es mir nur ein oder las ich wirklich Trauer in seinen Augen?
´Er ist völlig allein hier!!`
Als ich ihm mitleidig über das weiche Fell strich, schaute er mich treuherzig an.
´Wahrscheinlich hat er als Einziger seiner Sippe eine Naturkatastrophe überlebt!? Wie nur erträgt er diese Einsamkeit?`
Vielleicht deshalb, weil er sich eins fühlte mit der ihn umgebenden Natur? Mich bewegten so viele Fragen, aber sie würden für immer offen bleiben.
Der Abstieg in der aufkommenden Dunkelheit wäre viel zu gefährlich geworden. Darum musste ich mich beeilen. Es fiel mir schwer, denn ich hatte ihn liebgewonnen. Wir traten in die bittere Kälte hinaus, ich winkte ihn zu mir an den Rand des Abhanges und wies mit der Hand in die Tiefe.
„Es ist Zeit. Ich muss zurück!“, schluckte ich.
Erneut streichelte er sanft meine Wange und knurrte leise. Den Rucksack schulternd wandte ich mich zum Gehen. Da geschah etwas, was ich nie mehr vergessen sollte. Er zeigte auf sich und schaute mich dabei beschwörend an. Ich verstand sofort.
„Ich werde schweigen!“, versprach ich mit brüchiger Stimme.
Als ich mich schon einige Schritte entfernt hatte, wandte ich mich noch einmal zu ihm um. Ohne sich von der Stelle gerührt zu haben, hatte er mir wohl unverwandt nachgesehen. Unsere Blicke trafen sich für einen allerletzten Abschiedsgruß. Danach kehrte er mir den Rücken zu, stampfte zurück in die Einsamkeit des ewigen Eises und ich machte mich auf den Weg in meine eigene Welt. Während des ganzen Abstieges sah ich ihn vor mir, jenen so sanften Riesen.
´Niemand soll Dich je bedrängen! Ich werde den Gedanken an Dich tief im Herzen bewahren und meinem Versprechen treu bleiben, solange ich lebe!!`
Immer dann, wenn ich den Blick über die hohen Berge schweifen lasse, denke ich an ihn, meinen Freund, den Yeti.
Leider alles nur Fantasie!!!